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21. Oktober 2013

Ideensammlung für die Innenstadt

Vom autofreien Gerichtsparkplatz bis zum Stadttor am Stadtbuckel reichten die Vorschläge der Bürgerwerkstatt in der Reithalle.

  1. Vom Wunsch nach einheitlichem Bodenbelag in der Stadt Foto: Seller

  2. über die Diskussion um einen autofreien Gerichtsplatz Foto: Fotos: Ullmann

  3. bis hin zu Ideen zur Marktplatz-Belebung – hier vorgestellt Silke Moschitz vom Freiburger Mediationsbüro Südlicht – reichten die Themen. Foto: Robert Ullmann

OFFENBURG. Einen Brunnen oder ein Bächle auf dem Gerichtsparkplatz bei mRitterhaus? Eine Art Stadttor am Stadtbuckel, als sichtbarer Eingang, eher abstrahiert oder mit Licht gestaltet, aber dem "offenen Tor" des Stadtwappens nachempfunden? Bei der "Bürgerwerkstatt Innenstadt" am Freitag sollten eigentlich in einem letzten und großen Schritt konkrete Maßnahmen diskutiert werden. Das passierte zum Teil, zum Teil gab es aber schon allein über die funktionale Bestimmung eines Platzes oder einer Straße widerstrebende Interessen.

Der Gerichtsplatz beim Ritterhaus, der derzeit als Parkplatz dient, ist dafür ein gutes Beispiel. Wie Regina Geppert als Teil dieser Arbeitsgruppe aufzeigte, wollten zwei Mitglieder der Gruppe die Parkplätze dort erhalten, vier andere wollten, dass sie wegkommen. Diese vier hätten stattdessen gerne "Urban Gardening" – also privat gepflegtes Stadtgärtnern – auf dem Platz. Denkbar wären auch Spielmöglichkeiten für Erwachsene, darunter eine Boule-Bahn, mit dem Element Wasser als Belebung. Wieder andere wollen dort Parkplätze erhalten, aber ausschließlich für Anrainer.

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Ganz gleich was Verwaltung und Gemeinderat aus diesen Vorschlägen machen – sie werden Befürworter wie Gegner haben. Jene Werkstatt-Teilnehmer, die sich mit dem südlichen Stadteingang beschäftigten, beschäftigtes sich neben dem Stadttor auch mit der Frage, wie man Fußgänger am Stadtbuckel ampel- und barrierefrei über die Grabenallee bringt. Tunnel? Brücke? Aufzüge? Alles ist schwierig und teuer.

Martin Maldener stellte die Ergebnisse der Gruppe "Gustav-Rée-Anlage" vor. Die waren konkret und im Konsens: Man wünscht sich viel Grünfläche: Im Falle einer Einbahnstraßenregelung für die Lange Straße soll Fahrradverkehr in beide Richtungen möglich sein. Ein "Radhaus" könnte bei der Gustav-Ree-Anlage stehen und eine klare Verbindung zum Park an der Stadtmauer geschaffen werden. Gewünscht wird weiter, dass die Stadt den Lieferverkehr für die nördliche Hauptstraße und das kommende Einkaufsquartier so lenkt, dass er die Anlage möglichst wenig stört. In einem ersten Schritt sollten am Freitag die Gestaltungsvorschläge von Stadtplaner Martin Schirmer bewertet werden. Die stießen teils auf Zustimmung, teils auf Ablehnung. "In unserer Gruppe hieß es zunächst, nichts daran sei gut", sagte Regina Geppert, "aber das hat sich im Laufe der Diskussion und der Arbeitsschritte dann relativiert."

Bei den Teilnehmern stieß diese Weise der Mitgestaltung am städtischen Raum durchweg auf Zustimmung. "Es ist toll, wie sich die Leute mit den Themen auseinandersetzen", fand Kulturbüro-Mitarbeiter Marlon Grieshaber, der sich an der "Gerichtsplatz"-Gruppe beteiligte. Man spüre das Bedürfnis, sich einzubringen. Er habe nicht erwartet, dass der Diskurs so lebhaft werde. Interessant sei zu erleben, wie sich in der Diskussion konträre Positionen annähern.

Das Augenmerk auf einen bestimmten Aspekt, von dem man aus persönlicher Betroffenheit nicht abrücke – das gebe es auch. "Aber in der Diskussion relativiert sich da viel." Auch Armin Fink vom Vorstand der Bürgerstiftung Sankt Andreas findet diese Weise der Bürgerbeteiligung eine tolle Sache.

"Die Bürgerwerkstatt

hätte viel mehr

Teilnehmer verdient."

Armin Fink, Vorstandssprecher

der Bürgerstiftung St. Andreas
"Die Bürgerwerkstatt hätte viel mehr Teilnehmer verdient", sagt er. Es sei sehr zielorientiert gearbeitet worden.

Um fünf konkrete Straßen oder Plätze in der Innenstadt ging es, darunter auch die Lange Straße und der Marktplatz. Weitere vier Gruppen beschäftigten sich unter anderem mit dem Grüngürtel und dem Thema Innenstadt-Rundgang, eine zehnte Gruppe hatte die Aufgabe, allgemeine Gestaltungsprinzipien für die Innenstadt zu erarbeiten. Diese Gruppe wollte mehr Fahrradabstellplätze, einen Mindeststandard für die Außenmöblierung. Diskutiert würde über den Bodenbelag der Innenstadt – einheitlich oder nicht? – und ob ein Bächle die Stadt durchfließen soll, was man eher nicht will. Was man will: Eine sichtbare "Offenburg-Identität". Als Grundproblem wurde der Busverkehr in der Südlichen Hauptstraße ausgemacht: "Wenn der draußen ist, kann man viele Ideen realisieren."

Autor: Robert Ullmann