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17. August 2009

125 Kilometer sind geschafft

KRASTELS WEG: Solidarität und Staunen

  1. Stefan Krastel (r.) beim Start in Offenburg. Foto: Robert Ullmann

"Armut durch Pflege" – unter diesem Motto hat sich Stefan Krastel wie berichtet am 12. August auf den Weg gemacht, um durch einen Fußmarsch nach Berlin auf seine Situation und die Benachteiligung von pflegenden Angehörigen aufmerksam zu machen. Wir begleiten seinen Weg mit regelmäßigen Berichten.

OFFENBURG/STUTTGART. Bis zum gestrigen Sonntagabend hat Stefan Krastel bereits 125 Kilometer seines Protestmarsches nach Berlin geschafft. Wir berichtet, will der Friseurmeister aus der Ortenau mit seinem Fußmarsch ohne Geld nach Berlin gegen die rechtliche und finanzielle Benachteiligung pflegender Angehöriger gegenüber der institutionalisierten Pflege protestieren.

Am Dienstagmittag war Krastel vom Rathaus Offenburg aus aufgebrochen. Am Mittwoch besuchte er in der Renchtalgemeinde Lautenbach die Familie Kiebetsch. Barbara Kniebetsch pflegt ihre nach einem Herzstillstand im Wachkoma liegende 22-jährige Tochter daheim. Sie müsse sich rund um die Uhr um ihre Tochter kümmern. Anerkannt werde Pflegestufe zwei. Barbara Kniebetsch ist aber davon überzeugt, dass bei einer Heimunterbringung eine höhere Pflegestufe anerkannt würde. Bewilligt werde ein Pflegegeld von 675 Euro pro Monat – weit weniger, als bei Heimpflege! Zehrend seien die immer wiederkehrenden Reibereien um Extrakosten. Barbara Kniebetsch nennt als Beispiele einen Katheder zum Ableiten der Lungenflüssigkeit oder spezielle Unterdecken, auf denen die Kranke sich nicht wund liegt. Krastels Protest schließt sie sich an, fürchtet aber, dass die Politik sich nicht bewegen werde.

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Auf der Zuflucht, einem Berg oberhalb von Oppenau, wurde Krastel von Gerhard Lieb erwartet, pflegender Angehöriger aus Freudenstadt, der seit Jahren seine an Multipler Sklerose erkrankte Frau pflegt. Er begleite Krastel nach Baiersbronn, um seine Solidarität mit dessen Anliegen zu bekunden, so Lieb. Am Folgetag kam es vor dem Aufbruch nach Altensteig zu einem Treffen mit einem offiziellen Vertreter der Stadt Baiersbronn – dem einzigen Treffen dieser Art bislang.

"Als ich erläutert habe, dass bei Menschen, die ihre pflegebedürftigen Angehörigen ins Heim geben, die Altersvorsorge nicht als Vermögen angerechnet wird, während daheim pflegende Angehörige diese Mittel verbrauchen müssen, ehe sie Sozialhilfe bekommen, erklärte man mir rundweg, dass das nicht stimmen könne", sagt Krastel. "Man hat mir ganz einfach nicht geglaubt, dass die Gesetzeslage in Deutschland tatsächlich so ist." Nach Stationen in Bad Teinach und Weil der Stadt wollte Krastels im Laufe des Sonntagabends auf dem Stuttgarter Schlossplatz ankommen. Er wisse nicht, ob der Verein "Wir pflegen", der seinen Protestmarsch unterstützte, zur Ankunft in Stuttgart etwas geplant habe. "Ich will mich da überraschen lassen", so Krastel. Seine Erfahrungen seien bislang positiv.

Immer wieder kämen Menschen, welche über das Fernsehen, den Rundfunk oder die Zeitungen von ihm gehört hätten, auf ihn zu und sprächen im Mut zu. Teils sei er auch eingeladen worden zu Gesprächen und zu einem Mittag- oder Abendessen.

Mittlerweile habe sich eine Radiostation aus Brandenburg, das Mitteldeutsche Fernsehen sowie ein großer privater TV-Sender bei ihm gemeldet, die über sein Anliegen und seinen Protestmarsch berichten wollen.

Aktuelle Informationen und Kommentare gibt es im Internet unter http://www.stefankrastel.de und http://www.wir-pflegen.net

Autor: Robert Ullmann