"Kunst ist eine Idee, die Tatsache geworden ist"

bpo

Von bpo

Do, 07. Dezember 2017

Offenburg

Großes Interesse an der Weihnachtsausstellung im Dietrich -Areal / 36 Künstler stellen ihre Werke noch bis Sonntag aus.

OFFENBURG (BZ). Mit so einem Andrang hatte niemand gerechnet. Rund 350 Gäste tummelten sich bei der Vernissage in der weihnachtlich dekorierten weitläufigen Halle der ehemaligen Spedition Georg Dietrich, in der es adventlich nach Kaffee, Tee und Glühwein duftete. Man konnten sich an der Vielseitigkeit der Werke erfreuen, bei Plätzchen und Nachmittagskaffee miteinander und mit den Künstlern ins Gespräch kommen und vielleicht sogar das eine oder andere Weihnachtsgeschenk erstehen. Auch für die kleinen Besucher war gesorgt, mit bunten Stiften malten sie an einem Extratisch ihre eigenen Kunstwerke.

72 Kunstschaffende wollten ausstellen

Jahrzehntelang hatte es in Offenburg eine Weihnachtsausstellung regionaler Künstler gegeben, die aktuelle Ausstellung schließt offenbar eine Marktlücke für Offenburger Kunstinteressierte. Zu sehen sind Malerei, Grafik, Fotografie und Skulpturen in der ganzen Bandbreite der bildnerischen Kunst, Landschaftsaquarelle, Akte, Blumen, Früchte und Abstraktes.

"Wir sind sehr stolz die Künstler hier im Hause zu haben", eröffnete Rainer Herrfurth, zuständig für Kommunikation, Verwaltung und Veranstaltungen, die Ausstellung. Schon früher hatte es in den Räumen der Spedition eine Präsentation der Werke von Max Köhler und Andreas Fahr gegeben, auch künftig wolle man zwei bis drei Veranstaltungen im Jahr anbieten. "Wir hatten die Idee uns künstlerisch zu engagieren und haben deswegen "Kunst im Areal" gegründet.

Zunächst sollte die Weihnachtsausstellung auf 25 Künstler beschränkt bleiben, dann meldeten sich 72 Kunstschaffende aus der Region, also wurde das Angebot ausgeweitet. Alles noch etwas improvisiert – Skulpturen bekamen ihren Platz beispielsweise auf firmeneigenen Paletten – aber gerade deswegen reizvoll. Schon die Hängung am Vortag in bunter Künstlerrunde habe Spaß gemacht, wie Herrfurth zufrieden anmerkte. Diese Räumlichkeiten, ehemals ein Großraumbüro für 200 Mitarbeiter, seien frei geworden. Bis zu einer Vermietung bieten sie mit großer Fensterfront ideale Bedingungen für die Präsentation der Kunstwerke. "Wir dachten, Leerstand muss nicht sein, wir stellen die Räume zur Verfügung für junge und älter gewordene Kunstschaffende und kunstinteressierte Menschen", sagte er. Damit sollen Leute zusammengebracht und Ideen generiert werden. "Kunst ist für uns eine Idee, die Tatsache geworden ist", da fände sich auch die Parallele zur Alltagsarbeit, so der Veranstalter. Mit dieser Ausstellung würdet eine Tradition im Hause weitergeführt, denn Georg Dietrich sei ein großer Kunstmäzen gewesen, wie Kuratorin und Mitorganisatorin Erika Hansen-Lorenzen erinnerte.

Man habe die Bilder nach Gefallen ausgewählt, auch der soziale Aspekt sei mit eingeflossen. So seien manche dabei, die sich das erste Mal in der Öffentlichkeit präsentieren und andere, die in der Offenburger Kunstszene bekannt sind. Als "Special Guests" habe man zwei Künstlergruppen eingeladen, zum einen sechs Künstler und Künstlerinnen der Gruppe "Les anges du boulevard" aus Paris, die sich auch sozial engagiert und mit einer alljährlichen Spendenaktion Menschen unterstützt, die auf der Straße leben. Zum anderen die Kunstgruppe der Ortenauer Reha-Gesellschaft für psychisch Kranke.

Fazit: Gute Idee, weitläufiger Ausstellungsraum, der als Galerie kaum geeigneter sein könnte, eine ansprechende vielseitige Zusammenschau teils traditioneller, teils abstrakter Werke – eine gelungene Neuauflage der Offenburger Weihnachtsausstellung.

Ausstellung: Zu sehen noch bis 10. Dezember täglich von 10 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr, Georg-Dietrich- Areal, Am Güterbahnhof 1, Offenburg