Mehrere Eimer Farbe schmücken jetzt die Wand

Karin Reimold

Von Karin Reimold

Sa, 26. August 2017

Offenburg

Johannes Mundinger und Elias Errerd präsentierten stolz ihre Malerei unweit der Kreuzung Weingartenstraße/Friedrichstraße.

OFFENBURG. Sechs Tage und 30, vielleicht 40 Liter Farbe später ist die Wandmalerei nahe der Kreuzung Weingartenstraße und Friedrichstraße fertig. Die Künstler Johannes Mundinger und Elias Errerd sind stolz auf ihr Werk, das den Arbeitstitel "Flurstück" trägt. Und nicht nur sie.

"Ich bin ganz begeistert", sagt Elfriede Mundinger, Eigentümerin des Hauses, deren rund 14 Meter hohe Wand nun die abstrakte Kunst ihres Enkels schmückt. Im Vorfeld habe es schon ein wenig Überredungskunst gebraucht, um die Oma vom Projekt zu überzeugen, erzählt sie schmunzelnd. Doch letztlich sprachen die weltweiten Arbeitsproben, wie etwa in Mexiko, Frankreich und Litauen, des heute in Berlin lebenden Künstlers für sich – und die Zweifel vergingen. Zudem war die Zusammenarbeit mit Elias Errerd, Designer und Kunstlehrer an der Offenburger Klosterschule, nichts Neues. "Wir haben schon einige Male miteinander gearbeitet, sind gut aufeinander abgestimmt", sagt Mundinger. Unter diesen positiven Voraussetzungen begann vergangenen Freitag die Arbeit in gut zwölf Metern Höhe auf der Gelenkhebebühne, teilweise mit Hilfe der Teleskopstange, und wurde am Mittwoch fertig. Zur Präsentation kamen jetzt auch Martin Sander vom Kunstverein Offenburg Mittelbaden und Carmen Lötsch vom Fachbereich Kultur der Stadt, die das Projekt finanziell unterstützten. "Es ist für uns sehr wichtig, mit Künstlern aus der Region und mit denen, die hier leben, zusammenzuarbeiten", freut sich Lötsch. Mit dem freischaffenden Künstler Martin Sander hat Mundinger zudem für Dezember und Januar eine Ausstellung auf die Beine gestellt. Wer nicht so lange warten möchte, der kann nun einen Blick auf die Malerei am Eck der Hauswand in der Weingartenstraße und über die Mauer hinweg erhaschen.

Immer wieder die Perspektive zu wechseln war auch für die Wandmaler ein schöpfungsreicher Prozess. "Es ist die Hälfte der Arbeit, wieder einen Schritt zurück zu gehen und zu schauen", erklärt Mundinger. Das Gesamtkunstwerk ist aber nur vom Garten des Nachbarhauses zu bestaunen. "Schade, eigentlich", findet Elfriede Mundinger. Dabei entdecke man immer wieder Neues auf dem Bild, das vorwiegend in Blau gehalten ist. Was die Künstler selbst im Motiv sehen, das sie zum Thema "Freiheit" gestaltet haben, verraten sie nicht. Schließlich bedeute der Begriff für jeden etwas anderes, so Mundinger. "Wir wollen die Leute zum Nachdenken anregen." Dem pflichtet auch Elias Errerd bei: "Das ist wie bei einem Gedicht. Wenn ich nach der Interpretation weiß, worum es geht, wird das entzaubert, was mich beim Lesen noch angeregt hat."

So bleibt dem Betrachter die Freiheit selbst zu erkunden, was das Bild in ihm auslöst. Nur so viel: "Wenn man in der Dämmerung darauf schaut, erzeugt das abnehmende Licht Tiefe, es eröffnet sich ein Raum", erklärt Mundinger. Eben genauso, wie es das Gefühl der Freiheit selbst schaffe.