MEIN OFFENBURG: Süchtig nach Snooker

ges

Von ges

Sa, 25. April 2009

Offenburg

AM SÄGETEICH im Vereinsheim ist Florian Werres im Element

OFFENBURG. Noch denken die meisten Offenburger, wenn sie den Namen Werres hören, nur an die lustigen Vogelmenschen, etwa jene vor dem Rathaus. Der Sprössling des Künstlerpaares in der Gymnasiumstraße aber ist auf dem besten Wege, für eine weitere Assoziation zu sorgen: Denn Florian Werres ist bei der Deutschen Jugendmeisterschaft Billard in Bad Wildungen Jugendmeister (U 21) im Snooker geworden. Und weil der 19-Jährige vom Snooker geradezu besessen ist, wird es auf seine Initiative hin und mit Unterstützung von Bürgermeister Christoph Jopen von 1. Mai an bei der DJK Offenburg eine eigene Snooker-Abteilung geben. Der große Raum unterm Dach im neuen Vereinsgebäude der Sportgemeinschaft am Sägeteich ist bereits bezogen, zwei riesige Zwölf-Fuß-Tische ziehen die Blicke auf sich. Mit Peter Wagner als Abteilungsleiter konnte ein richtiges Zugpferd gewonnen werden: Wagner war Anfang der 90er Jahre dreimal Deutscher Snooker-Meister. Sein Stellvertreter ist Paul Butz, Trainingspartner von Florian Werres.

"Snooker ist enorm vielseitig", schwärmt Werres, derzeit Zivi im Familienzentrum Albersbösch. Daher werde auch vom "Schach auf grünem Wolltuch" gesprochen, von der "Königsdisziplin". Die Technik muss stimmen. Und das Nervenkostüm sitzen. Wem die Hände zittern, kann einpacken: "Man muss voll durchziehen und darf keinen Moment nachlassen." Florian Werres grinst: Beim Abitur im vergangenen Jahr am Grimmelshausen-Gymnasium habe er einen Ruhepuls von 80 gehabt. Der wettkampferprobte Offenburger bringt die Veranlagung mit, etwas cooler zu bleiben. Hinzu kommt die Erfahrung, die er seit zweieinhalb Jahren bei Turnieren sammelt. Der heutige Spieler für den Bundesligisten SC 147 Karlsruhe entdeckte Snooker im Fernsehen – und blieb daran hängen. Zu Hause wurde ein Tisch eingerichtet, die Nächte wurden durchgespielt. Die eigene Homepage heißt http://www.snookersuechtig.de.tf "Man kann das schon als Sucht bezeichnen", gibt Florian Werres ganz locker zu. Morgen aufhören? "Das könnte ich nicht."
Fünf- bis sechsmal pro Woche wird trainiert. Der Einsatz trägt Früchte: Mit dem Titelgewinn in Hessen am vergangenen Wochenende hat sich die Nachwuchshoffnung einen Traum erfüllt. Mit einem "Jetzt zeige ich es ihnen" hat er sich auf den Weg gemacht, nach einem aufwühlenden Herzschlagfinale stand er als strahlender Sieger ganz oben auf dem Treppchen. Dort stünde er in nächster Zeit auch gern bei einem internationalen Wettkampf. Europameisterschaft oder gar Weltmeisterschaft der U 21: "Das ist mein großes Ziel." Doch dafür muss ihn Bundestrainer Thomas Hein nominieren. Kaum vorstellbar, dem sympathischen Sportler diesen Wunsch abzuschlagen.