Mit Ziegen und Schweinen im Circus

Cornelia Weizenecker

Von Cornelia Weizenecker

Mo, 02. Januar 2017

Offenburg

Maike und Jörg Probst aus dem Altenburger Land präsentieren sich derzeit in Offenburg.

OFFENBURG. Den fragenden Blick von Patrick Adolph kann man nicht unkommentiert stehen lassen. "Maike und Jörg Probst mit den Bauernhoftieren haben Sie sich für ein Zirkusporträt ausgesucht?", fragt der Pressesprecher des Offenburger Weihnachtscircus und holt ein Programmhest heraus. Spitzenartisten aus der ganzen Welt, wie etwa die fulminanten Springer der "Casablanca Troupe" aus Marokko oder die Hochseil-Akrobaten "The Robles" aus Kolumbien, sind auf den ersten Seiten des Hochglanzheftes attraktiv in Szene gesetzt. Und dann erst die Seelöwen von Laura und William Pedersen oder die sieben Angst einflößenden sibirischen Tiger, die am Hintereingang des Zeltes ihre Lagerstätte haben! Das alles soll für ganz normale Bauernhoftiere in die zweite Reihe rücken?

Denkerfalten haben sich auf Adolphs Stirn breit gemacht. Der Grund für das Begehren ist ganz simpel. Maike und Jörg Probst kommen aus dem Altenburger Land – nur sieben Kilometer von Offenburgs thüringischen Partnerstadt entfernt. Und deshalb haben die beiden aus lokaler Sicht natürlich Vorrang.

"Ich wusste gar nicht, dass Altenburg die Partnerstadt von Offenburg ist", gibt Maike Probst offen zu. Ihr Leben spielt sich nun mal nicht direkt in Altenburg ab, sondern auf ihrem Bauernhof, in einem kleinen Dorf namens Kummer. Ihre Scheune dort wurde zu einer kleinen Manege umgebaut. Esel, Ziegen, Schweine und Hähne lernen und zeigen hier, was sie drauf haben. Warum Bauernhoftiere? "Ich wollte mit Pferden arbeiten", erzählt Maike Probst, die aus einer alten Zirkusfamilie aus dem Osten Deutschland stammt. Schon Opa Max und Vater Rudolf seien mit dem Zirkus-Virus infiziert gewesen. "Mein verstorbener Vater war ein Stehauf-Männchen", sagt sie. Drei Mal wurde die Familie, die immer einen privaten Zirkus besaß, von den Sozialisten in der einstigen DDR enteignet.

Zirkustiere, Zelt und Wagen wurden einfach dem Staatszirkus übergeben. Erst als die Familie 1981 einen Ausreiseantrag stellte, erteilte man ihr eine Lizenz. Der Westen sollte schließlich nicht erfahren, wie man mit den Artisten in der DDR umging. "Es war eine Schmach für mich", erzählt die Tierlehrerin, als Vater Rudolf neben Kamelen und Büffeln Esel und Ziegen mitbrachte. Mit den Bauernhoftieren sollte sie nämlich arbeiten! "Meine anfängliche Abneigung konnte ich aber schnell ablegen", lacht sie und streichelt über die Köpfe der beiden ungarischen Wollschweine.

Doch wie arbeitet eine Tierlehrerin mit Haustieren? "Ich nahm am Anfang die Raubtierrequisiten, um das Bauernvieh zu bändigen", bekennt Maike Probst. Doch Ziegen seien nicht blöd, sondern – wie die meisten Tiere – schlau. "Die ersten roten Schweine hießen Margot und Erich", lacht Jörg Probst, der schon 34 Jahre mit seiner Maike verheiratet ist. Als junger Artist ist er zum Zirkus Probst gekommen – und geblieben. Zwei inzwischen erwachsene Kinder hat das Ehepaar. "Wir sind an die Decke gesprungen, als die Mauer fiel", betont Jörg Probst. Schließlich sei er Artist geworden, weil er reisen wollte.

Dass Artisten in Deutschland nicht so angesehen sind, bedauert er. Artisten und Tierlehrer seien in der ehemaligen DDR mit anderen Künstlern wie Opernsänger oder Schauspieler gleichgestellt gewesen, hatten eine hohe Akzeptanz. Das Reisen hat er immer genossen, inzwischen nimmt das Ehepaar aber nicht mehr allzu viele Engagements an. Dessen Leben spielt sich auf dem Probsthof nahe Altenburg ab. Und wenn es die Zeit erlaubt, und die Tiere versorgt sind, werden Maike und Jörg Probst auch Altenburgs Partnerstadt erkunden. Und zu Hause viel von Offenburg zu erzählen haben.

Offenburger Weihnachtscircus: noch täglich bis einschließlich Sonntag, 8. Januar.