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12. März 2017 13:19 Uhr

Großeinsatz

Nach Anschlagsdrohung gegen Offenburger Disko ist ein Tatverdächtiger gefasst

Im Internet taucht eine Drohung auf, offenbar ist ein Anschlag gegen eine Disko in Offenburg geplant. Es folgt ein Großeinsatz der Polizei, der Club Online wird geräumt. Mittlerweile sitzt ein Mann in Haft.

  1. Alle fünf Offenburger Diskotheken, die Samstagnacht geöffnet hatten, nahm die Polizei verstärkt ins Visier. Foto: Lukas Habura

  2. Auch an den Bahnhöfen in Offenburg (Foto) und Kehl wurde die Präsenz verstärkt. Fahrgäste wurden kontrolliert. Foto: Lukas Habura

Nach einer Anschlagsdrohung am Samstagabend und einem Großeinsatz der Polizei in Offenburg konnte am Sonntagvormittag Entwarnung gegeben werden. Ein Tatverdächtiger wurde vorläufig festgenommen, ein anderer wurde wieder auf freien Fuß gesetzt. Der Verdacht gegen ihn ging ins Leere. Die Polizei war aufgrund der Drohung vor allem im Bereich von fünf Offenburger Diskotheken im Einsatz, eine davon wurde vorsorglich evakuiert. Zu Kontrollen kam es auch am Bahnhof und in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Hinweis kam über das Internet

Der Hinweis war von einem aufmerksamen Bürger in einem Internetportal entdeckt und seiner örtlichen Polizeidienststelle gemeldet worden, die außerhalb von Baden-Württemberg liegt. Die Polizisten wiederum verständigen ihre Kollegen im Polizeipräsidium Offenburg, die die Drohung laut Polizeisprecherin Karen Stürzel durchaus als ernst einstuften.

Nach Alarmierung des Führungsstabes unter der Leitung von Polizei-Vizepräsident Reinhard Renter bereiteten sich zahlreiche Beamte des Offenburger Präsidiums auf einen Großeinsatz vor, der die Nacht durch bis Sonntagmorgen dauerte. Zur Unterstützung wurden weitere Polizeibeamte aus verschiedenen Teilen des Landes in Offenburg zusammengezogen.

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Vorwurf: Vorbereitung einer schweren staatsgefährdeten Gewalttat"

Als mögliches Zielobjekt stand eine nicht näher benannte Diskothek in Offenburg im Raum. Die Präsenz in der Offenburger Innenstadt und im Bereich der örtlichen Diskotheken wurde in der Nacht stark erhöht, auch die Fahrgäste der öffentlichen Verkehrsmittel, die nach Offenburg unterwegs waren, wurden verstärkt kontrolliert. Insgesamt alle fünf am Samstagabend geöffneten Diskotheken standen zunächst im Blickpunkt – von Etage 1 und Freiraum in der Marlener Straße bis zum Club Online im Industriegebiet Nordwest. Auch die Zufahrtsstraßen wurden verstärkt kontrolliert. Die Bundespolizei behielt mit verstärkter Präsenz die Grenzübergänge zu Frankreich im Blickpunkt, ebenso die Bahnhöfe in Offenburg und Kehl. In das Großaufgebot an Beamten – Zahlen nennt die Polizei in solchen Fällen nie – waren auch Kollegen vom Gemeinsamen Zentrum in Kehl sowie der französischen Polizei eingebunden.

Zwei Männer gerieten ins Visier der Ermittler

Der Schwerpunkt der Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Polizei lag zunächst auf zwei möglichen Verdächtigen. Nach ersten Erkenntnissen waren zwei Männer im Alter zwischen 20 und 25 Jahre ins Visier der Beamten geraten. Einer der Verdächtigen konnte kurz nach 1 Uhr in der Straße "Im Drachenacker" im Bereich des "Club Online" angetroffen und kontrolliert werden. Die Kriminalpolizei hat die Identität des Verdächtigen festgestellt und überprüft derzeit den Zusammenhang mit dem Drohhinweis. Im Rahmen der Ermittlungen wurden auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Karlsruhe zudem zwei Objekte durchsucht. Die Behörde ist im Bereich Staatsschutz als Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft für den gesamten badischen Landesteil zuständig und leitet das Ermittlungsverfahren.

Der Club Online im Industriegebiet wurde in den frühen Morgenstunden aus Sicherheitsgründen geräumt. Nach BZ-Informationen waren zu diesem Zeitpunkt aber nicht mehr allzu viele Gäste betroffen, weil viele über soziale Medien und aufgrund des Polizeiaufgebots von der möglichen Anschlagsdrohung erfahren und das Tanzlokal verlassen hatten. Das gleiche galt für die übrigen Diskos.

Bei der Durchsuchung der Wohnung des zweiten möglichen Tatverdächtigen, traf sie einen Anfang 20 Jahre alten Mann an. Er wurde vorläufig festgenommen. Waffen oder Gegenstände, die mit der möglichen Anschlagsandrohung in Verbindung stehen könnten, wurden nicht gefunden. Auch ein Zusammenhang mit den vermeintlichen Drohungen ergab sich nicht. Deshalb wurde der junge Mann laut einer gemeinsamen Presseerklärung von Polizeipräsidium Offenburg und Staatsanwaltschaft Karlsruhe am Sonntag wieder auf freien Fuß gesetzt.

Gegen den anderen Tatverdächtigen dauern die Ermittlungen dagegen noch an. Die Polizei hält sich daher mit Einzelheiten zu seiner Person noch zurück. Ihm wird die "Vorbereitung einer schweren staatsgefährdeten Gewalttat" vorgeworfen. Ob sich dieser massive Vorwurf erhärten lässt, ist noch offen.

Kein Zusammenhang mit Anschlagsdrohung in Essen

Einen Zusammenhang mit dem drohenden Anschlag gegen ein Einkaufszentrum in Essen, der am Wochenende ebenfalls zu einem Großeinsatz der Polizei in Essen und Oberhausen geführt hatte, schließt die Polizei aus: "Es gibt keinen Bezug zu Essen."

In Offenburg war die Anschlagsdrohung die zweite binnen knapp drei Wochen. Am 20. Februar hatte es wegen eines Drohanrufs im Landratsamt Ortenaukreis wie berichtete zur Mittagszeit "eine Bedrohungslage" gegeben. Mehrere Streifenwagen waren ausgerückt, allerdings konnte nach einer näheren Erkundung Entwarnung gegeben werden.

Autor: Helmut Seller