Nachholbedarf bei der Frauenquote

Christine Storck

Von Christine Storck

Fr, 18. Januar 2019

Offenburg

100 Jahre Frauenwahlrecht: Auch wenn sich seit 1919 viel getan hat, sind Frauen in Kommunalparlamenten noch unterrepräsentiert.

OFFENBURG. Vor 100 Jahren, am 19. Januar 1919, konnten Frauen zum ersten Mal den Reichstag mitwählen. Seither hat sich in Punkto Gleichberechtigung viel getan. In der regionalen Politik ist das weibliche Geschlecht dennoch unterrepräsentiert: Die Frauenquote im Kreistag liegt aktuell nur bei 16, in den Gemeinderäten der Ortenau im Schnitt bei 25 Prozent. "Ich hoffe, dass wir bei der Kommunalwahl im Mai Fortschritte machen", sagte Offenburgs Gleichstellungsbeauftragte Regina Geppert im BZ-Gespräch.

Mit unterschiedlichen Formaten hat die Stadt Offenburg schon vor einigen Kommunalwahlen in der Vergangenheit die Werbetrommel gerührt, um Frauen für politische Ämter zu begeistern. 2018 gab es erstmals eine spezielle Seminarreihe auf Kreiseben unter dem Motto "Den Alltag gestalten – Frauen engagieren sich in den Kommunen" in Kooperation mit der Gleichstellungsbeauftragten des Ortenaukreises, Pascale Simon-Studer, und der Landeszentrale für politische Bildung. Dadurch sollten Berührungsängste abgebaut und kommunalpolitisches Wissen vermittelt werden. "Von den rund 20 Teilnehmerinnen wollen sechs kandidieren", zog Regina Geppert jetzt eine Erfolgs-Bilanz.

Frauen auf den Listen seien allerdings keine Seltenheit. "Sie müssen halt gewählt werden", sagte Geppert. Es gebe immer noch Menschen – darunter im übrigen auch Frauen – die anderen Frauen offenbar weniger zutrauen. Das liege unter anderem an Geschlechterstereotypen, die sich hartnäckig halten. "Wenn Frauen in vielen Bereichen engagiert sind, und dann in die Politik wollen, heißt es oft, auch das noch", kritisierte die Gleichstellungsbeauftragte. Das müsse sich dringend ändern. Es sollte selbstverständlich sein, dass sie in allen Gremien sitzen. Auch im Offenburger Gemeinderat gebe es Nachholbedarf – dort liege die Frauenquote aktuell bei 25 Prozent. "Da fehlen nochmal 25 Prozent, aber wenn ich das sage, werde ich immer ausgelacht", meinte Geppert. Frauen sollten gemäß ihres Bevölkerungsanteils gewählt werden.

Die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises, Pascale Simon-Studer, sieht ein weiteres Manko: "Vielleicht bekommen Frauen deshalb nicht so viele Stimmen, weil sie nicht dieselbe Präsenz zeigen wie Männer". Dem pflichtete Regina Geppert bei. "Frauen sind oft nicht so bekannt durch Vereine oder andere Strukturen", sagte sie. Nicht aufgeben sei deshalb die Devise für den weiblichen Nachwuchs in der Kommunalpolitik. "Ich sage immer, macht Euch nichts daraus, wenn es nicht beim ersten Mal klappt, bleibt aktiv und versucht es weiter."

Drei, die es weit geschafft haben, sind Daniela Paletta in Biberach, Sonja Schuchter in Sasbachwalden und Helga Wössner in Mühlenbach. Sie sind 2014, 2016, und 2017 zur Bürgermeisterin gewählt worden. Nach Angaben des Landratsamtes sind sie jedoch die einzigen drei Rathaus-Chefinnen im Ortenaukreis, der 51 Städte und Gemeinden beheimatet. "Als Edith Schreiner noch Oberbürgermeisterin in Offenburg war, hatten wir den höchsten Anteil, den es bis dato im Kreis gab", sagte Herbert Lasch, Leiter des Kommunalamtes. Bei der Zusammensetzung des Kreistags hat sich in Sachen Geschlechterverteilung allerdings einiges getan. 1994 zum Beispiel lag die Frauenquote laut Statistik noch bei 7,6 Prozent (sieben Kreisrätinnen), 2004 bei 14 Prozent (zwölf Kreisrätinnen), heute sind es 16,1 Prozent (14 Kreisrätinnen). 2014 standen insgesamt 144 Frauen auf den Listen, teilte Julia Schenk von der Geschäftsstelle des Kreistags mit.