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23. Februar 2011
Nur eine Minute für Susi
Der Mappenvorbereitungskurs der Kunstschule stellt aus.
OFFENBURG. Einmal im Jahr kommt Susi in die Kunstschule und sitzt Modell. Kursleiterin Maria Dinger gibt ihren Schülerinnen und Schülern eine Minute Zeit zum Zeichnen. Gearbeitet wird mit Pastellkreide, Bleistift, Feinliner und Aquarell-Farben. Die Schüler nehmen an einem Mappenvorbereitungskurs teil, der die Bewerbung an einer Hochschule für Gestaltung oder auch am Berufskolleg Grafik-Design in Lahr ermöglichen und erleichtern soll. Nun hat der Kurs eine Ausstellung in den Fluren der Kunstschule unter dem Titel "Susi und das Liegengebliebene" organisiert.
Susi, eine 13-jährige disziplinierte Jack-Russell-Terrier-Dame, erscheint in vielfacher Weise an den Wänden. Mehrfach-Zeichnungen auf weißem Papier, Susi von links, von vorne, auf rotem Kissen liegend oder sitzend. In anderen Arbeiten ist Zeichenobjekt Susi mit weißer Pastellkreide auf schwarzem Papier festgehalten. Die Zeitbeschränkung kommt den Arbeiten zugute, da sie zur Konzentration zwingt und die Präzision fördert.
Maria Dinger geht es nicht darum, den Schülern ein vorgefertigtes Wissen an die Hand zu geben, sondern darum, dass sie selbst ihren eigenen Zugang zu Themen und der zeichnerisch-malerischen Auseinandersetzung finden. So kann ein gefundenes Zweiglein, ein vertrocknetes Blatt, ein Schnipsel aus einer Zeitschrift, ein Kronkorken, was auch immer, der Ausgangspunkt für eine kleinformatige skizzenhafte Zeichnung werden. Da wird das vertrocknete Blatt zu einer Blüte ergänzt, der Papierschnipsel zu einem Fantasie-Gesicht, das Zweiglein zum Stamm eines Baumes. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.
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Eine andere Vorgehensweise besteht darin, dass sich ein Kursteilnehmer ein Bild von einem arrivierten Künstler, Edward Hopper, Umberto Boccioni oder Gustav Klimt, aus einem Kunstbuch erwählt und dann eine Beschreibung abgibt, nach der die anderen ihre Arbeit anfertigen. Es ist erstaunlich, wie dabei die zentralen Merkmale des beschriebenen Bildes erfasst werden und sich dann in der Ausführung doch bei jedem Teilnehmer in eigener Weise konkretisieren. Andere Studien befassen sich mit dem Meer, dem perspektivischen Raum oder strenger Geometrie. Beteiligt sind Fabienne Mayer, Sarah Dycker, Rosaleen Kraus, Sibel Gök, Anna Höfer, Miriam Ehrke, Lena Klausmann, Raphael Völk, Ira Wacker und Eric Otto.
Viele Arbeiten von Schülern der Kunstschule verbleiben dort, selbst wenn die Schüler längst weiter gezogen sind. Mit derartigen "liegengebliebenen" Arbeiten ist eine weitere Ecke im Atelierraum gestaltet.
Autor: Susanne Ramm-Weber
