Ruhige Nacht im Museum

Gertrude Siefke

Von Gertrude Siefke

Mo, 11. Mai 2009

Offenburg

Trotz eines attraktiven Programms konnte die Museumsnacht nicht an frühere Erfolge anknüpfen

OFFENBURG. Der große Ansturm ist ausgeblieben: Rund 250 Gäste kamen am Freitag zur fünften Museumsnacht und tauchten ein in die Welt der Wende vom 19. aufs 20. Jahrhundert. In den vergangenen Jahren schoben sich bis zu 500 Leute durch das Museum im Ritterhaus. Eine Erklärung für den Besucherschwund hatte auch Museumsleiter Wolfgang Gall nicht parat: "Wir haben alles getan."

Mit einem kompakten Programm habe man für Anziehungskraft sorgen wollen, so Gall. Doch an die Erfolgsgeschichte der vorangegangenen Museumsnächte konnte nicht angeknüpft werden. Mitunter mochten sich die Besucher fast ein bisschen verloren vorgekommen sein, wenn sie durch die Ausstellungsräume schlenderten. Da es früher mitunter ein zu dichtes Gedränge gegeben habe, sei versucht worden, "das Ganze zu entzerren", verwies Gall auf die neue Strategie. Die ist vielleicht ein bisschen zu gut aufgegangen.

Während im Museum selbst nach dem fulminanten Auftritt der Sangeskünstlerin Heike Charlotte Päuser und ihrer Begleiter zunächst gähnende Leere herrschte, spielte sich das Leben im Innenhof des Museums sowie im Narrenkeller ab, der an diesem Abend zum Varieté-Keller wurde. Dem Duft von Erdäpflsupp’ und Fleischtaler folgend (beides gab’s für 3,50 Euro), wurde in dem unterirdischen Gewölbe Salonmagie und Can-Can-Tanz geboten. Günter A. Buchwald aus Freiburg griff energisch in die Tasten und begleitete Stummfilme am Klavier und an der Geige. Die Zuschauer erfuhren, dass am 25. Dezember 1895 der erste Streifen in Paris gezeigt wurde, dass Filme von vier Minuten Länge bereits als extrem lang galten und dass die Kinobetreiber je mehr Steuern zu zahlen hatten, desto breiter der Saal war.

Museumsleiter Gall: Irgendwann ist wohl eine Sättigungsgrad erreicht


Der Kraftsportverein Germania stellte sich in der Nummer "Starke Männer" vor: Sechs Herren machten mit 15 Kilo schweren Rundgewichten eine attraktive Figur und ließen die Muskeln spielen. Seit 1997 haben die Gewichtheber diese Showeinlage im Programm, einstudiert wurde sie damals anlässlich des Freiheitsfests.

Im kleinen Ausstellungsraum im ersten Obergeschoss des Museums hielten Mitarbeiter des Schulmuseums Zell-Weierbach eine historische Unterrichtsstunde ab nach dem Motto: Damals herrschte noch Zucht und Ordnung. Einen Raum weiter führte Constanze Albecker-Gänser durch die Fotoausstellung. Während sich inmitten der Kolonialsammlung im zweiten Obergeschoss Museumsdirektor Carl Frowin Meyer (Edgar Common) mit skurrilen Ausstellungsstücken beschäftigte und sich die Kommentare des Stipendiaten Fritz Hasenklein (Klaus Fischbach) gefallen lassen musste, trat Sigi Schwarz im Innenhof als urwüchsige Arbeiterin auf, die ihre Brötchen in der Spinnerei-Weberei verdient hatte, jetzt aber ohne Job dastand: "Uns Alde schmisse se russ." Mit ihrer Familie habe sie eine neue Wohnung in der Kronenstraße mit Stuck und Jugendstil bezogen. Lange aber sollten sie dort nicht bleiben, da ihre Aufgabe lediglich darin bestand, die Räume durch kräftiges "Usschnufe" trocken zu wohnen.

Am Programm kann es wahrlich nicht gelegen haben, dass diese Museumsnacht nicht zum Publikumsrenner wurde. "Ich bin froh, dass die Stimmung gut ist", tröstete sich Wolfgang Gall zurecht. Man sei halt erfolgsverwöhnt. Er gab zu bedenken, dass das kulturelle Angebot von Jahr zu Jahr wachse. Irgendwann ist dann wohl ein Sättigungsgrad erreicht.