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28. Juli 2010

Schönheit in Bewegung

Ballettstudio Gründler präsentiert Tanzkunst an zwei ausverkauften Abenden in der Reithalle.

  1. Einer der umjubelten Höhepunkte : die Choreographie „Orchid“.

OFFENBURG. Anmut ist Schönheit in Bewegung. Dieser Definition von Tanz fügten die beiden ausverkauften Tanzabende des Ballettstudios Gründler am Wochenende in der Reithalle weitere hinzu. Klassische bis multikulturelle Tanzkunst wurde hier zelebriert, aber auch ein Hochamt der Weiblichkeit.

Es ist ein überaus glanzvoller Rahmen, den Studioleiterin Nausikaa Gründler-Stammberger ihren Schützlingen alle zwei Jahre in der Reithalle bietet. Licht, Bühneneffekte, Kostüme, Musikauswahl und nicht zuletzt die 26 Choreographien, von denen 14 aus der Hand der Chefin stammen, präsentieren die hervorragenden Leistungen der Tänzerinnen und Tänzer wie auf einem silbernen Tablett.

Das beginnt mit den von Studio-Gründerin Lilo Gründler betreuten Kleinsten. Sie sammeln erste Bühnenerfahrungen und entzücken mit maximalem Süüüß!!-Faktor. Bei den Acht- bis Neunjährigen beginnt dann die klassische Ballettausbildung Früchte zu tragen. Zu Johann Strauss’ Violetta-Polka sieht man schon herrliche Gruppenarrangements, schöne Drehungen auf der ganzen Linie, aufrechte Haltung, schöne Hände, schöne Füße. Da steckt viel Disziplin dahinter, die aber mit Leichtigkeit daherkommt. Dasselbe gilt bei gesteigertem Schwierigkeitsgrad und einer die Konzentration herausfordernden langen Choreographie für die große Gruppe der Mädchen, die zu Tschaikowskys Blumenwalzer den Saal verzauberte.

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Nausikaa Gründler-Stammberger hat auch ein Händchen fürs komische Fach. Wie die Sekretärinnen auf dem Tisch tanzen, wenn die Chefin den Rücken dreht, zeigte die lustige Nummer: "Im Büro". Dabei offenbarten sich auch schauspielerische Talente. Ganz im Geist des genial-albernen jungen Mozart hat die Chefchoreographin mit ihren 15- bis 16-jährigen Elevinnen zu fünf Tänzen des Meisters einen herrlich überdrehten Tanz geschaffen, der das Ideenfeuerwerk der Musik eins zu eins in getanzte Komik umsetzt.

Ganz im Geist des jungen Mozart

Dass Anmut und Ästhetik aber auch ernste Angelegenheiten sind, zeigten die großartige Choreographie im Modern-Stil zu einem Mozart-Adagio und eine Szene aus dem berühmten Dornröschen-Ballett: Zu Mozarts Musik gab es mit feierlichem Ernst vorgetragene pure Bewegung, die nichts über die eigene Schönheit hinaus bedeuten will. Und als zu Tschaikowskys Musik das weiße Ballett auf Zehenspitzen hereinschwebte, teilte sich die Faszination, die der klassische Tanz seit mehr als 100 Jahren ausübt, jedem im Saal mit.

Schließlich huldigte der Abend noch der Orientwelle, die seit einigen Jahren das Repertoire bereichert. Ein Gruppe junger Tänzerinnen vermittelte den Zauber des orientalischen Tanzes mit seiner Dynamik und seinen schlangenartigen Armbewegungen. Umjubelter Schluss- und Höhepunkt des ersten Teils war die Choreographie "Orchids". Schön wie Orchideen standen die jungen Frauen auf der Bühne und verbanden Orient und Okzident. Eine geniale Musik, die indische Trommelkunst und Johann Sebastian Bachs Komponistengenie miteinander verschmolz, lieferte den Hintergrund für eine Choreographie nach dem Motto "Bach meets Bollywood".

Der zweite Teil des Abends ist traditionell den populäreren Tanzstilen vorbehalten. Ausnahmen waren die tiefgründig-berührende Choreographie "Stay" und die Nummer "Offshore", die das Meer – in Tanz verwandelt – in die Reithalle holte. Tolle Swing-, Flamenco-, Stepp-, Jazz-, HipHop- und Breakdance-Nummern wechselten sich ab: Höhepunkte waren der ausdrucksstarke Fächertanz der Gruppe um Flamenco-Lehrerin Michaela Wenzlaff, das virtuos-witzige Steppduo zweier Kellnerinnen von Vivian Kleisers, die superdynamische "HipHop-Hochzeit" sowie die Performance der Gruppe 13 Grad, die unter ihrem Lehrer, Denis Craciun, den zweiten Platz bei der Hip-Hop-Europameisterschaft geholt hatte. Ein großartiges Spektakel zur Filmmusik von "Fluch der Karibik" setzte jeweils den furiosen Schlussakkord.

Autor: rab