Schwabe, der nicht fragt, ob’s Geld langt

Carola Bruhier

Von Carola Bruhier

Do, 07. Dezember 2017

Offenburg

Der Sternekoch, Musiker und Autor Vincent Klink berichtet in Offenburg von seinen Streifzügen durch die Hauptstadt des Genusses.

OFFENBURG. Der "Bauch" gehört Meisterkoch Vincent Klink. Am vergangenen Sonntagnachmittag spazierte dieser zwar nicht durch Paris, dafür aber ins Offenburger Forum Kino, wo er sich gemütlich vor den vollbesetzten Reihen mit Kinogästen niederließ. Auf Einladung der Buchhandlung Roth las Klink, bekannt aus verschiedenen ARD-Kochsendungen, aus seinem Buch "Ein Bauch spaziert durch Paris".

Dabei erzählte er Anekdoten aus seinem Leben und von Paris. Ganz aus dem Bauch heraus. Dieser macht ihn wegen seines beeindruckenden Umfangs zwar nicht unbedingt zum Kunden der Pariser Haute Couture, dennoch hat Klink ein "Faible für Handwerk jeder Art" und bewundert die kunstvolle Arbeit der Pariser Näherinnen. Im Louvre scheitert er: "Ich, der ich bekanntlich den Schatten einer Telefonzelle werfe, habe keine Chance an den Horden von Japanern vorbeizukommen, die sich vor der Mona Lisa aufgebaut haben." Launisch und mit schwäbischem Akzent, auch wenn es um französische Eigennamen geht, nimmt er das Offenburger Publikum mit durch die Straßen von Paris, hinein in die kleinen und großen Bistrots und Restaurants mit ihren großen Gourmet-Freuden und den kleinen Genüssen der französischen Regionalküche.

Die "Grande Cuisine" ist ein Erbe der Monarchie, erklärt er. Während der französischen Revolution wurden viele erstklassige Köche arbeitslos, ihren Brötchengebern hatte man die Köpfe abgeschlagen. Die Küchenchefs eröffneten daraufhin Restaurants in Paris und Umgebung.

"Der Franzose sitzt freudiger zu Tisch als der Deutsche, besonders der Schwab‘, der sich insgeheim fragt, ob’s Geld langt", charakterisiert Klink die national unterschiedliche Einstellung zum guten Essen. Er macht es dem Offenburger Publikum einfach, ihm und seinem Humor durch Paris zu folgen: Sein Buch soll dem Leser helfen, die Franzosen besser zu verstehen. Da brauche es im pietistischen Stuttgart sicher mehr aufklärerischen Ehrgeiz als im genussfreudigen, frankreichnahen Baden. "Ich selber habe die Kocherei im Badischen gelernt, nicht im Schwäbischen" erzählt der Sternekoch, der in Stuttgart selber das Restaurant Wielandshöhe führt. Ursprünglich habe er ja Künstler werden wollen, in der Nachbarschaft habe ein Bildhauer gelebt, ein Schüler von Auguste Rodin.

Klink schweift ab, erzählt Anekdoten aus dem Paris der modernen Künstler, Picasso, Chagalle, sein Idol sei der russische Maler Chaim Soutine. Und landet immer wieder bei Tisch.

Genuss sein eine Lebenseinstellung. "Wenn man genießen gelernt hat, hat man den Genuss im Griff", erklärt er mit zufriedenem Blick auf seinen Bauch. Und holt aus zu einer Typologie des Saufens und Prassens rund um den Planeten. "Die Finnen und die Russen sind entschuldigt, da ist es einfach immer zu dunkel."

Klink, der seit den 70er Jahren in Paris unterwegs ist, beobachte eine stetige Übernahme der großen Pariser Häuser und der damit verbundenen Lebensart durch das neue Geld. Und konstatiert: "Frankreich ist arm dran. Vierzig Prozent aller Gehälter hängen direkt oder indirekt vom Staat ab, das ist fast wie in der ehemaligen DDR. Wenn Macron das rumreißt, ist er der Politiker des Jahrhunderts."

Zum Bauch gehört auch ein schwäbischer Kopf und der weiß einiges über Politik, Geschichte, Kultur und Literatur Frankreichs.

Barbara Roth wollte anlässlich des 120-jährigen Jubiläums ihrer Buchhandlung mit dieser Lesung ihren Kunden ein besonderes Geschenk zum Jahresende machen. Das ist ihr gelungen.