Seidenpapier trifft Holz

Susanne Ramm-Weber

Von Susanne Ramm-Weber

Fr, 21. Oktober 2011

Offenburg

Ein Großer des Farbholzschnitts: Manfred Schlindwein stellt aus.

OFFENBURG. "Alles hat seine Zeit". Zuletzt hatte Manfred Schlindwein im Jahr 1989 eine Einzelausstellung beim Künstlerkreis Ortenau, damals noch in der alten Wäscherei. Mit einzelnen Werken war er in den Mitgliederausstellungen präsent und vor annähernd vier Jahren sah man etwas von ihm in der Eröffnungsausstellung der Galerie oh in Schutterwald. Sonst sind seine Arbeiten eher in Krefeld oder Hamm zu finden. Umso spannender ist nun, was Schlindwein aktuell in der Produzentengalerie im Artforum präsentiert, eine sprühende Lebendigkeit. Heute, Freitagabend, ist um 19 Uhr Vernissage.

Im Laufe der Jahre hat Schlindwein seine Drucktechnik mehr und mehr verfeinert. Die Werke sind farbiger geworden, auch das Spiel mit den Formaten nimmt zu. Dünnes Seidenpapier wird mehr oder weniger stark eingefärbt, bevor einzelne Elemente, derer jedoch viele und verschiedene unter gezielter Berücksichtigung des Verhältnisses von Spannung und Ausgewogenheit, aufgedruckt werden. Die Elemente sind meist frei gestaltete Liniengebilde, eigentlich Zeichnungen, die ins Holz geschnitten werden. Erst in ganz neuen Arbeiten aus diesem Jahr meint man Gegenständliches zu erkennen.

Schlindwein, der das Drucken von der Pieke auf gelernt hat, verwendet auch gerne aphoristische Halbsätze, die im Bild sowohl eine graphische, bildgestaltende Funktion übernehmen, als auch auf ihren Sinngehalt verweisen. Der Zyklus "mitten in der nacht" ist farblich dunkler gehalten. Zudem spielt der Künstler mit den drucktechnischen Bedingungen, wenn der Schriftzug seitenverkehrt zu lesen ist. Transparenz ist ein weiteres Merkmal der Arbeiten. Das dünne Seidenpapier wird eingeölt und auf Acrylglas in verschiedenen Stärken aufgezogen, so dass manche Arbeiten Objektcharakter erhalten, so wie die mehrere Meter hohen, farbenfrohen Fahnen, die sich frei im Raum hängend, luftig bewegen, ein Format für sich sind. Der Variantenreichtum ist groß, und wie um die Verankerung selbst zu verdeutlichen, zeigt der Künstler, der per Handabrieb druckt, auch einen Original-Druckstock. Manche Gestaltungselemente finden sich in mehreren Arbeiten wieder, oft jedoch in anderer Position, gedreht, verkürzt, oder in anderer Farbe. Das verleiht dem Werk seine bestechende Konsistenz und macht die Handschrift des Künstlers, der ein Großer ist, aus. Schlindwein ist Mitglied der internationalen Vereinigung der Holzschneider Xylon.

Galerie im Artforum, Okenstraße 57 (Haupteingang Tullastraße), 77652 Offenburg, Tel. 0781-73622, Freitag 17 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr, Vernissage heute 19 Uhr, bis 20. November.