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28. Januar 2009
Sonet hilft auch gegen Einsamkeit
Im Verein Soziales Netz Offenburg-Süd-Ost organisieren Helfer und Bedürftige gemeinsam die Nachbarschaftshilfe
OFFENBURG. Es geht um Geben und Nehmen: Der Verein "Soziales Netz Offenburg Süd-Ost", kurz: Sonet, will für Nachbarn ein Netz knüpfen und den Boden für unbürokratische und preiswerte Hilfe bereiten. Der Erstkontakt wird im Stadtteil- und Familienzentrum Oststadt hergestellt, Evi Sachs vom Tabakladen in der Weingartenstraße kümmert sich um die weiteren Begegnungen.
Die einen benötigen Hilfe, die anderen wollen sie gern geben: Die allein stehende ältere Frau sucht eine Begleitung für den nächsten Arztbesuch, der 80-jährige Rentner freut sich darüber, wenn ihm regelmäßig vorgelesen wird, die Familie will mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen und ist dankbar, wenn sie nicht auch noch das Laub im Garten zusammenkehren muss.Auf der anderen Seite stehen Menschen, denen es gut tut, gebraucht zu werden, die zu ihrer Rente oder dem Arbeitslosengeld ein paar Euro hinzuverdienen möchten. Denn "Sonet" gibt es nicht zum Nulltarif: Wer Hilfe beansprucht, zahlt fünf Euro für die Stunde. Eine Helferstunde wird mit 6,50 Euro verrechnet. Die Differenz von 1,50 Euro übernimmt der Verein: "So lange das Konto gedeckt ist, machen wir das so", sagt Anette Lampe, die Leiterin des Stadtteil- und Familienzentrums Oststadt. Schließlich gehe es dem Verein nicht darum, ein Guthaben anzuhäufen. Bewusst habe man sich für eine Vergütung entschieden: "Die Leute sollen sich auf Augenhöhe begegnen können", so Lampe. Oft sei es so, dass es denjenigen, die Geld hätten, an Zeit fehle – und umgekehrt: Wer viel Zeit habe, dem mangele es oft an Barem.
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Wer helfen will oder Hilfe braucht, muss Mitglied im Verein sein. Einzelpersonen zahlen 15 Euro Beitrag im Jahr; Paare, Haushalte und Familien 20 Euro. Wobei Lampe versichert: "Es ist noch nie am Geld gescheitert." Beim Erstgespräch wird ein Fragebogen ausgefüllt. Es geht darum, den richtigen "Partner" zu finden – "die Chemie muss stimmen". Und es geht darum, das Tätigkeitsfeld abzustecken. "Pflege machen wir nicht", betont Lampe. Auch wer eine Putzhilfe sucht, ist bei "Sonet" fehl am Platz. "Wir wollen Unterstützung im Alltag bieten", so Lampe. Ziel sei nicht, dass jemand Sachen billig erledigt bekomme. Die Grenzen verschwimmen mitunter allerdings.
Die Idee entstand 2005. Der evangelische Pfarrer Wilhelm von Ascheraden kam bei seiner kirchlichen Tätigkeit immer wieder in Haushalte, in denen ältere Menschen allein und isoliert lebten, die aber auf jeden Fall so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden bleiben wollten. Das Stadtteilzentrum startete eine Umfrage im Quartier und stellte fest, dass der Bedarf an Nachbarschaftshilfe groß ist: "Das hat uns Mut gemacht." Die Gruppe informierte sich bei der Seniorengenossenschaft in Riedlingen, die ein vergleichbares Projekt seit zehn Jahren erfolgreich betreibt.
Dass "Sonet" in der Oststadt entstand, sei kein Zufall: Es gebe hier ein großes Potenzial an Menschen, die bereit seien, sich nachbarschaftlich zu engagieren. Lampe ist davon überzeugt: "Diese Form von Hilfe wird in Zukunft noch stärker werden."
60 bis 70 Mitglieder hat der Verein. Wer sich engagieren will, ist willkommen. Sie treffen sich regelmäßig zu Veranstaltungen und Aktionen im Stadtteilzentrum: "Ein optimales Vereinsheim", wirbt die Hausherrin für die städtische Einrichtung an der Grimmelshausenstraße.
Autor: Gertrude Siefke
