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25. Januar 2016 20:08 Uhr

Flüchtlingsfeindliche Haltung

Spätaussiedler: Kinder sollen keinen Kontakt mit Flüchtlingskindern haben

Die Ängste sind diffus, die Vorurteile groß: Spätaussiedler-Eltern aus Offenburg wehren sich dagegen, dass ihre Kinder in der Schule in Kontakt mit Flüchtlingskindern kommen könnten.

  1. Spätaussiedler-Eltern aus Offenburg wollen nicht, das ihre Kinder Kontakt mit Flüchtlingskindern haben. Foto: dpa

Die flüchtlingsfeindliche Haltung, die sich am Sonntag in hochemotionalen Demonstrationen ehemaliger Spätaussiedler in Offenburg, Lahr und Achern Bahn gebrochen hat, ist auch in der Schule angekommen. An der Konrad-Adenauer-Schule in Offenburg haben besorgte Eltern dagegen protestiert, dass ihr Nachwuchs in Kontakt mit Kindern einer neu eingerichteten Vorbereitungsklasse für Flüchtlinge kommt. Schule und Schulamt reagieren mit einem Infoabend am Mittwoch.

Diesen Montag ist an der Konrad-Adenauer Schule im Offenburger Süden eine Vorbereitungsklasse für Flüchtlinge neu eingerichtet worden. In dieser Klasse können Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren gemeinsam Deutsch lernen, um dann nach und nach auch an Fächern wie Sport oder Musik teilzunehmen.

Solche Klassen werden in der Regel sehr kurzfristig und nach Bedarf aus dem Boden gestampft: "Am Freitag wusste ich noch nicht, wie viele Kinder kommen", sagt Schulleiterin Monika Doberitz. Im Fall der "Kasch" waren zunächst 16 Kinder gemeldet, 13 kamen letztendlich, alle aus der Notunterkunft beim Kreisschulzentrum in der Zähringer Straße. Die Vorbereitungsklasse kann bis zu 20 Kinder aufnehmen – und wird das in Kürze wohl auch: Die Schule liegt im Einzugsgebiet der geplanten großen Containersiedlung am Südring für bis zu 530 Menschen. Dann muss anderweitig nach Möglichkeiten gesucht werden, denn an der Kasch ist kein weiterer Raum mehr frei.

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Noch war der erste Schultag nicht zu Ende, da meldeten sich besorgte Eltern zu Wort. Sie alle kommen BZ-Informationen zufolge aus Kreisen früherer Spätaussiedler und sind offenkundig Opfer derselben gezielten Desinformationen über Internet-Netzwerke, die auch die Demonstrationen am Sonntag ausgelöst hatten. Die Bandbreite an diffusen Ängsten ist groß: Da wird befürchtet, die Flüchtlingskinder könnten ansteckende Krankheiten verbreiten – dabei sind sie alle geimpft.

Infoabend soll für Beruhigung sorgen

Da werden Befürchtungen geäußert, die neuen Schüler könnten gefährlich sein – und wenn nicht die Kleinen, dann ihre Eltern. Und es werden Ängste laut, in die Schule könnten gefährliche Dinge mitgebracht werden. Wo Kinder verschiedener Herkunft und Abstammung erfahrungsgemäß völlig unbefangen miteinander umgehen, da macht sich unter Eltern regelrecht Hysterie breit.

Die Botschaft ist dieselbe wie bei den Sonntagsdemonstrationen: "Wir wollen das nicht." Laut Monika Doberitz gab es ähnliche Vorfälle etwa an der Georg-Monsch-Schule, wo es schon länger drei Vorbereitungsklassen gibt, bisher nicht. Aber auch an der Eichendorffschule sollen sich besorgte Eltern gemeldet haben.

Auch diese Schule liegt im Einzugsgebiet der Stadtteile Albersbösch und Kreuzschlag, wo der Spätaussiedler-Anteil besonders hoch ist. Selbst Gerüchte, auf dem Schulhof der Kasch würden Container für Flüchtlinge aufgestellt, hielten sich hartnäckig.

Vom Elternprotest überrascht

Monika Doberitz gibt offen zu, dass der Elternprotest sie völlig überrascht hat: "Damit habe ich nicht gerechnet." Sie hat nach den Beschwerden umgehend mit dem Staatlichen Schulamt in Offenburg Kontakt aufgenommen, auch Schulbürgermeister Hans-Peter Kopp ist informiert. "Es war das erste Mal, dass wir so etwas hören", sagt er. So geht es auch Gabriele Weinrich, der Chefin des Schulamtes Offenburg. Mittlerweile gebe es mehr als 60 Vorbereitungsklassen in der Ortenau: "Bisher klappt das hervorragend." Nun müsse man sich gemeinsam mit dem Kreis und den Schulträgern überlegen, wie man mit der neue Situation umgehe.

Monika Doberitz reagiert in Abstimmung mit Stadt und Schulamt durch schnelle Information und lädt für Mittwochabend zu einer öffentlichen Veranstaltung in der Schule ein: "Ein Brief an die Eltern aller unserer 165 Kinder ist heute bereits rausgegangen", sagt sie. An dem Abend, der die sich aufschaukelnde Hysterie bremsen und zu einem normalen Umgang miteinander beitragen soll, werden auch das Staatliche Schulamt, die städtische Integrationsbeauftragte Regina Wolf und ein Sozialarbeiter des Landratsamtes teilnehmen. Monika Doberitz hofft, dass das Angebot auch angenommen wird: "Ich wünsche mir sehr, dass die Eltern kommen!
Infoabend für Eltern und Interessierte am Mittwoch, 27. Januar, 19 Uhr, Konrad-Adenauer-Schule (Bewegungsraum)

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Autor: Helmut Seller