Vom Hochzeitskleid bis zum Spättle-Häs war alles dabei

Barbara Puppe

Von Barbara Puppe

Mi, 16. Januar 2019

Offenburg

Beim ersten Offenburger Fasnachts-"Flo#Markt" konnten sich die Besucher in der Reithalle auf die Fasentzeit einstimmen und närrisch einkleiden .

OFFENBURG. Ein Sammelsurium an Kostümen und Zubehör für die tollen Tage war beim jüngsten "Flo#markt" in der Reithalle zu bestaunen und zu erwerben. Fantasievolle handgenähte Klamotten, traditionelle Masken, Spättle, Schminksachen und Piratenhüte, bis hin zu CDs oder Schallplatten – es gab ein kunterbuntes Durcheinander von kreativen Ideen und witzigen Accessoires für die fünfte Jahreszeit.

Die Idee zum Offenburger Fasnachts-"Flo#markt" sei durch Anregung von zahlreichen Marktbeschickern entstanden. "Das haben wir aufgegriffen und probieren es zum ersten Mal. 20 Plätze sind vergeben worden", zog Marlon Grieshaber vom Fachbereich Kultur eine vorerst zufriedenstellende Bilanz. Das städtische Konzept des Flohmarktes war im vergangenen Jahr unter Flohmarktbesuchern und -händlern kritisiert worden, Grieshaber erklärte die neue Handhabung mit notwendigen Sicherheitsauflagen, durch den Vorverkauf könnten Plätze reserviert werden, man brauche nicht mehr um fünf oder sechs morgens zu kommen, um einen Platz zu ergattern und könnte in aller Ruhe aufbauen. In der Reithalle gab es am Samstag keine Platzprobleme, die Tische verteilten sich großzügig im Raum. Die "Offenburger Schwellkepf" hatten die Bewirtung übernommen und sorgten mit ihrem Guggenmusik-Auftritt für Stimmung. Vom Hochzeitskleid bis zum Häs gab es kaum etwas, was es nicht gab. Am "Sächelestand" der Althistorischen Narrenzunft wurden zum 175. Jubiläum Eintrittsbändel, die Festschrift und schöne "Sächele" rund um die Fasnacht angeboten, wie Simone Gaiser-Lau erklärte. "Die stellen wir selber her, das kommt alles der Zunft zugute", meinte sie. Der Flohmarkt sei eine gute Sache, um sich für die Fasnacht einzudecken. Ganz besondere Kleider und Kostüme gab es am nächsten Stand zu bestaunen, alles selbst entworfen und selbstgenäht von Pia Spicker und ihren Mitstreiterinnen aus Zell am Harmersbach. Die Sachen seien alle für Kostümprämierungen und Motto-Feste gefertigt worden, ein Kostüm sei bereits 20 Jahre alt. Statt auf dem Speicher zu hängen, solle es hier verkauft werden. Passend dazu die aufwändigsten Hutkreationen: Ein rotes Exemplar mit Tüll umwunden, obendrauf ein Teddybär, daneben ein futuristisch anmutendes Kunstwerk aus blau-lila Glitzerstoff mit bemalten Klopapierrollen und einer gepolsterten Stoffschnecke dekoriert. "Das hat mal eine Freundin gemacht zum Thema Außerirdische", lacht Spicker, das dazugehörige Kostüm hängt am Kleiderständer neben anderen unglaublichen Teilen: Ein Kleid beispielsweise aus lauter Kaffeebeuteln, ein Regenkostüm mit zahllosen Glasperlen beklebt, ein Barockkleid mit Falten, Spitzen und Blüten mit passender Perücke, es soll etwa 50 Euro kosten. Ziemlich günstig für dieses Meisterwerkes der Schneiderkunst. "Aus meiner Sicht läuft es prima, wir sind überrascht, wie gut es ankommt", freute sich die Anbieterin.
Fasnachtsschmuck, Hemdklunkersachen, künstliche Blumen und mehr bot Sylvia Scheurer am Stand der "Trödlerkiste" an. Von den Hexenfiguren seien fast alle schon weg, die kleinen Masken würden als Deko gesammelt und verkauften sich gut. Eine Frau habe vorhin eine alte Trachtenhaube aus dem Schwarzwald erstanden, sie wolle als Schwarzwald-Marie gehen.

Dirk Zimmermann aus Offenburg wollte seine beiden Gengenbacher Spättle-Häs loswerden. Die von ihm selbst mit 1000 bis 1500 kleinen Stoffstücken benähten Anzüge wurden in der Familie nicht mehr gebraucht und zum Liebhaberpreis von 200 Euro angeboten. Eine Interessentin habe sich schon gemeldet. Insgesamt fand er die Veranstaltung interessant, allerdings gebe es wenig Anbieter und auch Flohmarksachen, wo er den Bezug zur Fasnacht nicht sehe. Der Besuch könnte etwas besser sein, meinten einige, andere waren ganz zufrieden mit dem Interesse der Fasnachtsfans. Bei Simone Labiche konnte man Blümchenschuhe im Mary Poppins-Stil bewundern, eigens in London für einen Maskenball gekauft, wie sie verriet. Superschick aber leider die falsche Größe für eine potentielle Kundin. Eine Besucherin hatte eine Kaffeekanne günstig erworben – wahrscheinlich für den Morgen nach der langen Partynacht.