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21. März 2017 12:04 Uhr

Offenburg / Berlin

Offenburger Arabistik-Professorin erhält Leibniz-Preis

Die Offenburgerin Beatrice Gründler ist mit dem wichtigsten deutschen Forschungspreis ausgezeichnet worden. Die Arabistik-Professorin erhielt den mit 2,5 Millionen Euro dotierten Leibniz-Preis.

  1. Peter Strohschneider, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, überreicht den mit 2,5 Millionen Euro dotierten Leibniz-Preis an die gebürtige Offenburgerin Beatrice Gründler. Foto: DFG/David Außerhofer

In der 31-jährigen Geschichte des Leibniz-Preises ist Beatrice Gründler die erste gebürtige Offenburgerin, die mit diesem wichtigsten deutschen Wissenschaftspreis ausgezeichnet wird. Vergangene Woche war in Berlin die Preisverleihung. Gemeinsam mit acht weiteren exzellenten deutschen Forscherinnen und Forschern wurde der 52-jährigen Arabistik-Professorin der mit jeweils 2,5 Millionen Euro dotierte Preis überreicht.

Damit steht Beatrices Gründlers Name in einer Reihe etwa mit dem Philosophen Jürgen Habermas, einem der herausragenden Repräsentanten der Frankfurter Sozialwissenschaftler- und Philosophenschule (Leibniz-Preis 1986), sowie mit sieben weiteren unter den bislang 348 Preisträgern, die anschließend auch noch den Nobelpreis erhalten haben. Den Nobelpreis gibt es für naturwissenschaftliche und wirtschaftswissenschaftliche Forschungen sowie für hervorragende Beiträge zum Weltfrieden oder zur Weltliteratur. Aber nicht für Geisteswissenschaftler. Insofern ist die 1964 im Offenburger Josefsklinikum geborene Beatrice Gründler jetzt schon auf dem Olymp geisteswissenschaftlicher Anerkennung angelangt. Im Rahmen einer Feierstunde im Domizil der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften am schönen Berliner Gendarmenmarkt wurde ihr jetzt unter höchsten Lobpreisungen die Auszeichnung überreicht.

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Lob der Bundesministerin

Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung, lobte die Ausgezeichneten. Ohne deren Kreativität, Ausdauer, Leidenschaft und Mut seien die Herausforderungen der Zeit nicht zu bewältigen, so Wanka. Unter letztere rechnete die Ministerin durchaus auch das durch Angst und Überforderung genährte Misstrauen vieler Menschen gegenüber Eliten und unliebsamen Fakten. Hier stehe die Forschung vor der Aufgabe, ihre Ergebnisse besser zu erklären, um Skepsis abzubauen. Auch sollte sie laut Wanka kritische Beurteilungskompetenz bereitstellen, um Menschen von der Schule an in die Lage zu versetzen, Desinformationsmechanismen zu erkennen.

Peter Strohschneider, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, moderierte mit leichter Hand durch die Preisverleihung. Er bescheinigte Beatrice Gründler, die nach einer Professur an der Yale University (von 1996 an) seit 2014 an der Freien Universität Berlin als Professorin für Arabistik forscht und lehrt, ein außerordentliches Niveau. Ihre Arbeiten, etwa zu einer umfassenden Mediengeschichte der arabischen Welt, zeichneten sich durch "elegante Weltläufigkeit und analytische Virtuosität" aus, so Strohschneider.

Investition in editierte Fabelsammlung

Das Preisgeld von 2,5 Millionen Euro will Beatrice Gründler in den kommenden sieben Jahren in eine kritische digitale Edition der Fabelsammlung "Kalila wa Dimna" investieren, die als eine der frühesten arabischen Prosaschriften und als zentraler Text der arabischen Weisheitsliteratur gilt. Es sei gewissermaßen ein der Bibel vergleichbares Buch, das in 40 Sprachen übersetzt worden sei. Dieses Buch sei heute weitgehend vergessen. Beatrice Gründler möchte es einer Leserschaft zurückgeben. "Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen aus dem Nahen Osten hier zu neuen Bürgern werden, ist es wichtig, dass die Kultur, zu der sie gehören, besser bekannt ist", schlägt sie eine Brücke zur Aktualität.

Mitglieder der Familie Gründler, darunter auch Schwester Nausikaa Gründler, die in Offenburg ein Ballettstudio leitet, waren zu dem großen Moment für Beatrice Gründler eigens angereist.

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Autor: Ralf Burgmaier