Offenburger Weihnachtszirkus

Wie fühlt sich ein Messerwerfer während der Vorstellung?

Cornelia Weizenecker

Von Cornelia Weizenecker

Sa, 07. Januar 2017

Offenburg

LEUTE IN DER STADT: Marco Moressa und Priscilla Errani leben als Zirkusartisten gefährlich.

OFFENBURG. Endspurt im Offenburger Weihnachtscircus: Noch bis einschließlich Sonntag gibt es Vorstellungen. Die Artisten freuen sich am Samstag um 15.30 und 19.30 Uhr sowie am Sonntag um 11 und um 15.30 Uhr über ein volles Zelt – unter ihnen Messerwerfer Marco.

Wie oft Marco schon mit dem Messer nach seiner Frau geworfen hat, kann der Italiener längst nicht mehr zählen. Genauso oft hat er auch mit der Armbrust auf sie gezielt. Dabei ist der 38-jährige Südländer alles andere als gewalttätig – Marco ist Artist. Ein Spitzenartist, mit Leib und Seele. Genau wie Priscilla auch. "Nach jedem gelungenen Wurf bin ich erleichtert", sagt Marco mit liebevollem Blick zu seiner schönen Lebensgefährtin. Die beiden sind bereits mehr als 18 Jahre ein Paar. Und seit knapp einem Jahr begleitet der kleine Alessandro die beiden. "Priscilla ist meine große Liebe und die Mutter meines Sohnes", fügt er stolz hinzu.

Nur zu gut weiß Marco, wie gefährlich Messerwerfer- und die Armbrust-Nummer ist. Doch gerade diesen Kitzel lieben die Zuschauer. Nervenzerfetzende Nummern machen einen Teil der Faszination Zirkus aus. Und Marco versichert, er benutze keine Fake-Messer oder stumpfe. Die echten Wurfgeschosse können tatsächlich zur tödlichen Waffe werden. Also ist äußerste Konzentration gefordert. Täglich kalibriert Marco die Armbrust penibel. Würfe und Schüsse werden täglich trainiert. "Vor und nach jedem Auftritt küssen wir uns", erzählt Priscilla, die in Familienzirkus Errani großgeworden ist. Egal was vor dem Auftritt war, auch wenn sie sich mal gezofft haben – in der Manege werde alles ausgeblendet. "Man gewöhnt sich an das Risiko, es wird normal", sagt Priscilla, die in der Manege auch mal zur Armbrust greift und auf ihren geliebten Marco schießt. Das soll als Teil der Show unvorbereitet erscheinen. "Oh getroffen", soll ihr Gesichtsausdruck vermitteln. Doch weit gefehlt, denn Priscilla hat sich diese Kunst perfekt angeeignet. Ob nicht auch mal ein Schuss daneben gegangen ist?

"Man gewöhnt sich an das Risiko"

"Gott sei Dank, noch nie in einer Show", betont Marco Moressa. Zweimal habe er Priscilla am Oberschenkel getroffen. Das war aber ganz zu Beginn, als das Paar mit dem Messerwerfen begann. Zum Glück habe das Malheur keine Schäden und keine Narben hinterlassen.

"Marco war in unserem Familienzirkus engagiert", erzählt die Artistin, auf die Frage, wie sich die beiden kennengelernt haben. Im Foyer des Offenburger Weihnachtscircus hängt eine übergroße Fotografie der Artistin in ihrem Manegen-Outfit. Weltweit hat das italienische Paar in den letzten Jahren Engagements angenommen. Mit der Geburt des Kindes plant das Künstlerpaar nun etwas ruhiger. Unberührt von Trubel um ihn im Manegen-Vorzelt schläft der 11 Monate alte Alessandro auf Priscilla Erranis Arm. Der kleine Mann im Trikot vom Juventus Turin kuschelt sich an Mamas Brust, die schon für den Nachmittagsauftritt geschminkt ist. "Wenn wir Glück haben, lässt er uns bis 8 Uhr schlafen", lacht Papa Marco. Nach der Abendvorstellung kommen die beiden nämlich erst spät ins Bett.

So sind die Nächte kurz. Ob Alessandro mal Profifußballer werden soll? Papa Marco hätte nichts dagegen. Der Messerwerfer ist nämlich ein eingefleischter Juventus-Fan und begeisterter Hobby-Fußballer. Und auch auf dem Fußballplatz fühlt sich der Artist wohl. Beim Freundschaftsspiel zwischen Zirkus Krone und Charles Knie, dem Ausrichter des Offenburger Weihnachtscircus’, gewann das Knie-Team mit Marco in seinen Reihen 5:4. Da überrascht es kaum noch, dass Alessandro nach dem berühmten Fußballer Alessandro Del Piero benannt wurde. Wobei Priscilla ergänzt, dass sie diesen Vornamen einfach schön findet. Und wie geht es für die kleine Familie nach dem Ende des Offenburger Weihnachtscircus weiter? Es geht zurück in die italienische Heimat, in den kleinen Ort Loretto. Zwei Monate lang werden sich die drei dort eine Auszeit gönnen. Mitte März startet dann die nächste Zirkussaison. Und ein ganz wichtiges Ereignis steht der Familie im Februar bevor. Alessandro wird im Kreis von Familie und Freunden getauft.