BZ-Ferienaktion "Mit Ecken und Kanten" (9)

Das Staatsweingut erklärt BZ-Lesern Weinbau und Forschung

Simone Höhl

Von Simone Höhl

Do, 31. August 2017 um 12:28 Uhr

Freiburg

Forschen zum Wohl von Winzern und Umwelt: Das Staatliche Weinbauinstitut Freiburg entwickelt und testet in den Reben. Heraus kommen gute Tröpfchen, wie BZ-Leser nun wissen.

Erst gibt’s mal ein Gläschen Sekt. "Der ist gut", sagt eine Frau über den alkoholfreien. "Er schmeckt irgendwie wie Brause", meint eine andere und probiert den mit Alkohol. "Also der ist sehr gut", meint ein Mann. Und dann zieht die Gruppe los an die Quelle. Leser im Weinberg. Das ist ja eigentlich nichts Besonderes, aber in dem Fall schon: Das Staatliche Weinbauinstitut Freiburg bietet für BZ-Leserinnen und Leser einen zweieinhalbstündigen Einblick in Haus und Reben.



Der Weg ist kurz, aber steil. Die Sonne knallt, was die Wetterstation dokumentiert: Globalstrahlung, Temperatur, Wind, Regen. Mit den Daten berechnet das Institut das Risiko von Pilzen und Co. und stellt die Infos auf die Internetseite vitimeteo.de. Das erlaubt Winzern gezielten Pflanzenschutz, sagt Gottfried Bleyer hoch über der Merzhauser Straße.

Das Institut untersteht dem Agrarministerium des Landes und steht Direktor Rolf Steiner zufolge zwischen Winzern und Uni. Sein Staatsweingut bewirtschaftet 34 Hektar Versuchsfläche am Ihringer Blankenhornsberg und in Freiburg, unterzieht die Arbeit seiner Forscher dem Praxistest und verkauft 200 000 Flaschen im Jahr.

Schnupperkurs in Sachen Aromen

"Ohne die Forschung würde man alle sieben Tage spritzen", sagt Bleyer. So lautet die Faustformel: Nach zwei bis drei Blättern Zuwachs, also abhängig vom Wetter. Einen Kälteeinbruch, wie den im Frühjahr, kann die Forschung vorhersagen, den Schaden nicht: "Das wissen wir wenn die Fässer voll sind – oder nicht."

Bei einem Schnupperkurs erläutert Chemiker Rainer Amann die Aromastoffe, die aus Traube, Gärung oder Lagerung stammen. Die Leser riechen an Fläschchen. Nummer 5? Anis. Nummer 4? "Ein Korn", meint eine Frau. "Ein Kraut", ein Mann. "Das ist Kork", sagt Heinrich Will aus Bad Krozingen und hat Recht. Was in Flasche 2 wie Nagellack riecht, ist Eisbonbon, das bei extrakühler Gärung entsteht.

Weinzüchter brauchen Demut

Nebenan gibt’s Weinsorten-Raten mit der Nase in schwarzen Gläsern. Der Rote ist schnell erkannt. "Aber die anderen beiden sind schwierig", sagt die 69-Jährige Gabriele Anselm, ebenfalls aus Krozingen: Rosé und Weißwein.

Richtig dufte finden die Trauben auch Schädlinge wie der Traubenwickler, erklärt Michael Breuer, der die Abteilung Biologie leitet und einen Eimer im Hörsaal herumgibt: Unter der Folie flattern die Mini-Falter, die sehr schnell sind. "Das macht die Arbeit im Labor nicht einfach", verrät Breuer. Er erläutert mit einem Film die Entwicklung die Larven, die sich durch Beeren fressen. "Damit ist Tür und Tor geöffnet für Infektionen." Dank der Forschung gibt’s kein Gift, sondern Pheromonstäbe, die die Tiere von der Eiablage abhalten: "Biologische Bekämpfung, besser geht’s nicht."

Mehltau und Abwehrkräfte

Auch Krankheiten können große Schäden anrichten, sie waren ein Grund für die Institutsgründung. Der Mehltau wurde einst von Amerika eingeschleppt, wo der Wein resistent war, hier nicht, erklärt Professor Hanns-Heinz Kassemeyer: Doch es gibt "Piwis", pilzwiderstandsfähige Sorten mit schneller Abwehr – zum Beispiel Solaris, Johanniter, Souvignier gris, Muscaris. Das Institut betreibt seit 1952 nur Resistenzzüchtung, so langsam etabliert sie sich, sagt Direktor Steiner: "Als Weinzüchter muss man Demut haben."

Eine Probe Badischer Cuvées aus alternativen Traubensorten (Bacat) gibt es am Hang unterhalb des Gebäudes der früheren Rebveredelung, in der einst der Vater von Erich Bechtold (76) gearbeitet hat. Der St. Georgener Hobbywinzer probiert den Bacat. "Haja, gut", meint er schulterzuckend. Wieder sind die Geschmäcker verschieden: Andere finden ihn top.
Termin

Der Ihringer Blankenhornsberg feiert Jubiläum am 2. und 3. September, Eintritt frei.

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