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06. Juni 2012 12:37 Uhr

Freiburg

Priester-Erklärung: Erzdiözese will Verstöße nicht dulden

Zoff in der Erzdiözese Freiburg: Eine Gruppe von Priestern erteilt wiederverheirateten Geschiedenen das Sakrament – und verstößt damit gegen Kirchenrecht. Das will Erzbischof Zollitsch nicht dulden. Der Vorstoß sei "weder hilfreich noch konstruktiv".

  1. Freiburgs Erzbischof Zollitsch. Foto: dapd

Die Pressestelle der Erzdiözese Freiburg hat am Mittwoch Stellung zu der Erklärung genommen, die im Internet bislang 144 Priester und Diakone der Diözese unterzeichnet haben. Darin fordern sie, wiederverheiratete Geschiedene nicht mehr länger vom Kommunionempfang auszuschließen. Einer der 144 Unterzeichner, Pfarrer Herbert Malzacher aus Ehrenkirchen, sagte der BZ dazu: "Ich habe unterschrieben, weil es an der Zeit ist, dass es auf diesem Gebiet der Seelsorge weiter gehen muss. Das Thema ist schwierig – das war mir beim Unterschreiben bewusst. Dass es in diesem Fall keine einfache Lösungen gibt, ist aber kein Grund, die Sache auf sich beruhen zu lassen."

Laut Erzdiözese greift die Initiative der Priester ein Thema auf, das Papst Benedikt XVI. am vergangenen Wochenende beim Weltfamilientreffen in Mailand als "ein großes Leiden in der heutigen Kirche" bezeichnet habe. Weil es in dieser Frage jedoch keine "einfachen Rezepte" gebe, sei die Erklärung von Priestern und Diakonen zum Thema "Wiederverheiratete Geschiedene" weder hilfreich noch konstruktiv. "Denn die katholische Kirche sucht hier derzeit intensiv nach Lösungen im Dialog – nicht durch medial multiplizierte Forderungen und Unterschriftenaktionen", so die Erzdiözese.

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Grundsätzlich sei es zu begrüßen, wenn sich Priester, Diakone und Gemeinden darum bemühen, dass sich wiederverheiratete Geschiedene "geliebt, akzeptiert und nicht ausgeschlossen fühlen". Es sei aber auch jetzt möglich, dass ein Seelsorger im konkreten Einzelfall eine verantwortlich und begründet getroffene Gewissensentscheidung respektiert.

Erzbischof will nicht dulden, dass die Priester gegen Kirchenrecht verstoßen

Die unterzeichnenden Priester haben in ihrer Erklärung im Internet auch offen zugegeben, dass sie sich in ihrem pastoralen Handeln gegenüber den wiederverheirateten Geschiedenen "von der Barmherzigkeit leiten lassen" – im vollen Bewusstsein, damit gegen Kirchenrecht zu verstoßen. Darauf kommt nun eine klare Antwort aus dem Ordinariat: "Der Erzbischof von Freiburg kann jedoch auf keinen Fall eine generelle und undifferenzierte Praxis billigen, die eigenmächtig gegen Vorgaben der Weltkirche verstößt", heißt es in der Stellungnahme. Deshalb werden nun Verantwortliche des Ordinariates mit den 13 Initiatoren dieser Erklärung Gespräche führen. "Im Rahmen unserer Dialog-Aktivitäten ist es im Erzbistum Freiburg bewährte Praxis, dass wir nicht übereinander, sondern miteinander reden und gemeinsam Lösungen suchen."

"Wiederverheiratete Geschiedene" sind in der katholischen Kirche von den Sakramenten und damit auch von der Kommunion ausgeschlossen. Die Forderung nach einem neuen Umgang ist alt: Der frühere Freiburger Erzbischof Oskar Saier hat bereits 1993 einen Hirtenbrief dazu verfasst. Er hatte sich damals gemeinsam mit den heutigen Kardinälen Karl Lehmann, dem Bischof von Mainz und damaligem Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz sowie Walter Kasper, damals Bischof von Rottenburg-Stuttgart, in der Frage stark engagiert. Die drei Bischöfe sind in Rom heftig gerüffelt worden.

Auch Erzbischof Robert Zollitsch, der amtierende Chef der Bischöfe in Deutschland, hatte im vergangenen Jahr das Thema vorsichtig in einem Interview angesprochen: Er bezeichnete in der Wochenzeitung "Zeit" den Umgang mit den wiederverheirateten Geschiedenen als eine "Frage der Barmherzigkeit". Zollitsch erntete Kritik von konservativen deutschen Bischöfen. Und aus Rom kam die erneute Ansage: kein Pardon für wiederheiratete Geschiedene.

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Autor: Joachim Röderer, Tanja Bury