Interview mit Marc Schmid

Was sagt der Freiburger Fanbeauftragte zur Bengalo-Affäre?

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Do, 12. April 2012 um 19:53 Uhr

SC Freiburg

Nach der Pyrotechnikaktion beim vergangenen Heimspiel rumort es in der Fanszene des SC Freiburg. Der Fanbeauftragte Marc Schmid begrüßt die harten Schritte der SC-Führung.

Nachdem beim jüngsten Heimspiel Bengalofeuer auf der Nordtribüne gezündet wurden und sich eine Frau dabei verletzte, greift der SC Freiburg jetzt durch. Den Fans werden Sonderrechte gestrichen. Sie dürfen keine großen Banner und kein Megafon mehr einsetzen. Diese Maßnahmen sollen wohl vor allem die Ultrafans treffen. Wie hat sich die Fanszene in Freiburg verändert? Darüber hat sich Joachim Röderer mit Marc Schmid unterhalten. Der 33-Jährige ist Fanbeauftragter des SC und seit 1999 Vorsitzender der Fangemeinschaft, der 75 Fanclubs angehören, allerdings nicht die Ultras.

BZ: Herr Schmid, SC-Fans galten immer als unproblematisch und pflegeleicht. Jetzt gibt es immer wieder Ärger mit Pyrotechnik, zuletzt im eigenen Stadion. Was ist mit der Fanszene passiert?
Marc Schmid: Die Freiburger Fans werden zum übergroßen Teil nach wie vor ihrem guten Ruf gerecht, darauf sind wir auch stolz. Aber es gibt andere kleine Gruppierungen, die leider diese Philosophie nicht so verfolgen wie die älteren Fans, die schon lange zum SC gehen. Wir wollen es aber hinbekommen, dass alle wieder in der Gesamtheit als positive Fans auftreten.

BZ: Der SC hat jetzt nach den Bengalo-Vorfällen drastische Maßnahmen beschlossen. Wie sehen Sie das als Fangemeinschaft?
Schmid: Wir waren ja mit dabei, wir haben alles kontrovers diskutiert. Und es ist uns sicher nicht leichtgefallen, weil es auch Fans trifft, die nichts mit der Sache zu tun hatten. Aber es ist eben so, dass es diese Gruppe gibt, die schon bei Auswärtsspielen aufgefallen ist und die Regeln und Absprachen nicht einhält. Deswegen war es nötig, dass der Verein die gewährten Sonderregeln für die letzten zwei Spiele zurücknimmt. Wir hoffen, dass wir im Sommer mit dem Klassenerhalt im Rücken gemeinsam überlegen, wie wir als Fans in die neue Saison gehen.

BZ: Kurz vor Weihnachten gab es ein Flugblatt Ihrer Fangemeinschaft als klare Abgrenzung zu den Ultras. Wie ist das Verhältnis untereinander derzeit?
Schmid: Es gibt bei den Ultras auch verschiedene Gruppen. Wir stehen immer in Kontakt. Der ist allerdings in den vergangenen Tagen etwas abgebrochen, wir versuchen ihn wieder aufzunehmen. Es gibt in der Gruppe auch Entscheidungsträger, die sehr zugänglich und sehr vernünftig sind. Unser Ziel ist, wir wollen gemeinsam eine Lösung finden, wie alle ihr Fan-sein ausleben können, bei Verzicht auf Pyrotechnik und Gewalt.

BZ: Gibt es eine Spaltung der Fanszene?
Schmid: Ich würde es nicht Spaltung nennen, sondern vorsichtiger "unterschiedliche Auffassung von Fan-sein". Es war schön zu sehen, wie die Nordtribüne am Samstag beim Nürnberg-Spiel spontan reagiert hat und gezeigt hat, was sie von dem Thema Pyrotechnik hält. Nicht nur die Nordtribüne, sondern das ganze Stadion hat seinen Unmut kundgetan gegen diese Selbstdarstellung. Niemand hat etwas gegen Ultras. Jeder soll alles geben, um den Verein zu unterstützen, aber er darf nicht andere dabei schädigen. Deswegen haben Pyrotechnik und Gewalt bei uns nichts verloren.

BZ: Man weiß ja, dass zu den Ultras viele sehr junge SC-Anhänger gehören. Aus Kreisen der Ultras selbst wird gefordert, der SC soll statt Strafen auszusprechen, lieber mit einem Fanprojekt präventive Arbeit leisten. Als Beispiel wird immer Karlsruhe genannt, wo rund 200 Fans von vier Sozialarbeitern betreut werden. Wie sehen Sie ein solches Projekt.
Schmid: Wir können uns glücklich schätzen, dass wir so viele junge Fans haben. Da haben viele andere Vereine Probleme. Was das Fanprojekt angeht, wir als Fangemeinschaft gehen das Thema mit dem Verein an. Wir wollen dazu in den nächsten Wochen auch Ergebnisse präsentieren. Das etwas kommen muss, ist wohl allen klar.

BZ: Denken Sie, dass sich eine Ebene finden lässt, auf der auch die Ultras einbezogen werden. Der Verein will ja kein Fanprojekt von "Ultras Gnaden", heißt es.
Schmid: So sein Fanprojekt kann und soll nicht von Ultras Gnaden eingerichtet werden. Wir wollen bei einem Fanprojekt ja auch nicht nur Problemfans ansprechen, sondern alle Fans, die Spaß am Fußball haben. Es gibt eben auch Schichten und Gruppierungen, die dann noch etwas intensiver auch außerhalb vom Spieltag betreut werden müssen. Das geht nur mit pädagogischer Arbeit, aber die soll es auch geben.

BZ: Letzte Frage: Ein Thema bei den Fans waren ja bei den Spielen der Rückrunde die vom Stadionsponsor verteilten "Klatschpappen", die für ordentlich Lärm auf allen Tribünen sorgen. Wie stehen Sie persönlich zu dieser Form der Anfeuerung?
Schmid: Am sinnvollsten ist es wirklich, wenn jeder mit seiner eigenen Stimme, so wie man es kennt, den Verein unterstützt. Die Pappen kamen bei der Mannschaft und beim Verein gut an, weil sie die starke Stimmung, die wir bei uns im Stadion ohnehin haben, noch unterstützen. Aber so etwas sollte nicht auf Dauer sein. Lieber natürliche Kräfte einsetzen, ohne irgendwelche Hilfsmittel.

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