Astronomie

Zu Weihnachten haben Himmelserscheinungen seit jeher Konjunktur

Julia Jacob

Von Julia Jacob

Mo, 24. Dezember 2018 um 11:16 Uhr

Bildung & Wissen

Der Sonntag Den Weisen aus dem Morgenland soll ein Stern den Weg zum Stall gewiesen haben, in dem das Christuskind lag. Dass es sich um einen Kometen gehandelt haben soll, ist eine Annahme, die sich bis heute hält.

Jede Weihnachtskrippe ziert der Stern mit Schweif. Martin Federspiel, der im Freiburger Planetarium als wissenschaftlicher Mitarbeiter interessierte Laien in die Geheimnisse des Universums einführt, hält die Theorie schon alleine deshalb für wenig stichhaltig, weil das Ereignis außer in den Schriften der Evangelisten Lukas und Matthäus in keiner Quelle auftaucht – etwa in Schriften aus China, wo man sich schon früh für die Bewegungen am Firmament interessierte.

War’s ein Komet oder nur helle Planeten?

Wie also gelangte ein Komet in das Bildnis der Christgeburt? Eine mögliche Erklärung liefert die Kunstgeschichte: 1304 gestaltete der italienische Maler Giotto di Bondone ein Fresko, das die Krippenszene unter einem geschweiften Stern zeigt. Das Werk entstand wohl unter dem Eindruck des Halleysche Kometen, der 1302 zu sehen war. Das Mysterium des Weihnachtssterns ist damit aber noch nicht geklärt. Hier kann ist die Astronomie gefragt.

Im Freiburger Planetarium ist Martin Federspiel der Herr über die Zeit. In den dunklen Kuppelraum projiziert er den Sternenhimmel aus dem Jahr sechs vor Jesu-Geburt. Die Berechenbarkeit der Planetenbewegungen macht es möglich. Und siehe da, dreimal begegnen sich die Planeten Jupiter und Saturn. Federspiel spricht von einer Konjunktion. Diese hält er für die plausibelste Erklärung, die die Wissenschaft hat, um das Phänomen des Weihnachtssterns zu erklären, denn auch für eine Supernova, die den hellen Lichtschein erklären würde, gibt es keine Evidenz. Die Überreste einer solchen Explosion würden 10 000 Jahre lang sichtbar bleiben. "Es müsste Überreste geben, die sieht man aber nicht", sagt Federspiel. Noch heute lassen sich hingegen die im All umherschwirrenden Fragmente einer Supernovaexplosion aus dem Jahr 1054 bei guter Sicht mit dem Feldstecher beobachten. Die plausibelste Erklärung bleibt also die der nachträglichen Konstruktion. Der Komet als Stilmittel. Was also bleibt vom kosmischen Weihnachtszauber?

Aktuell ist der Komet Wirtanen unterwegs

Auch wenn die Wissenschaft sich einig ist, dass da im Grunde nichts war, ist der Blick in den Sternenhimmel gerade um die Weihnachtszeit ein lohnender. In diesem Jahr ist sogar ein Komet unterwegs. Wirtanen – so lautet sein Name – ist bereits seit Anfang Dezember zu sehen. An Heiligabend, so haben es die Astronomen berechnet, steuert er auf den Stern Capella im Sternbild Fuhrmann zu. "Mit bloßem Auge aber wird er nicht zu sehen sein", schraubt Martin Federspiel die Erwartungen herunter. Da die Weihnachtstage mit dem Vollmond zusammen fallen, ist es am Nachthimmel schlichtweg zu hell, um den Kometen zu sichten. Da hilft es auch wenig, das Teleskop auszurichten.

Wenn der Mond ab dem 28. Dezember wieder abnimmt, könnte sich ein Spaziergang unter dem Sternenhimmel aber durchaus lohnen. "Der Winter ist eigentlich die schönste Zeit für Sternbilder", sagt Martin Federspiel. Auch mit bloßem Auge gut zu sehen sind Orion, die Sternbilder Stier und Zwillinge. Gasnebel und Sternhaufen der Milchstraße lassen sich mit dem Teleskop beobachten. Um die ganze Pracht des winterlichen Sternenhimmels zu erleben, müsse man aber unbedingt raus aus der Stadt und weg von den Lichtern, rät Federspiel. In aller Klarheit und ohne kalte Füße gibt es die Himmelsphänomen natürlich auch im Planetarium zu erleben.
Planetarium Freiburg

"Kometen – Eisberge aus der Tiefe des Alls" am 30. Dezember 2018, 16.30 Uhr. Am 7. Januar um 19.30 Uhr führt Martin Federspiel in die totale Mondfinsternis ein, die am 21. Januar 2019 stattfindet und erklärt die winterliche Milchstraße.