Der Schnellsprecher der Nation

Jürgen Ruf

Von Jürgen Ruf

Fr, 29. Dezember 2017

Computer & Medien

Er moderierte, produzierte, sang und sprach: Showmaster-Urgestein Dieter Thomas Heck wird am heutigen Freitag 80 Jahre alt.

Dieter Thomas Heck genießt sein Rentnerleben. "Ich verbringe es so, wie ich es gerade möchte", sagt er. Heck ist einer der letzten Showmaster-Urgesteine im deutschen Fernsehen. Als "Mister Hitparade" und "Schnellsprecher der Nation" erreichte er Kultstatus, stand ein halbes Jahrhundert lang vor Mikrofon und Kamera. Vor zehn Jahren gab er seinen Rücktritt bekannt und zog sich nach aus Show und Fernsehen zurück. Am heutigen Freitag wird er 80 Jahre alt.

Mit seiner zweiten Ehefrau Ragnhild, mit der er seit 41 Jahren verheiratet ist und die er Hildchen nennt, lebt Heck in Berlin sowie in der spanischen Hafenstadt Águilas. Dort, das Mittelmeer direkt vor der Tür, feiert er auch Geburtstag, den er "Tag der offenen Tür" nennt: "Ich habe die Bekannten und Freunde gebeten, ihn zu nutzen, wenn sie mich sehen und mir gratulieren wollen." Zuvor lebte der leidenschaftliche Hundebesitzer und bekennende CDU-Anhänger 23 Jahre lang im Schwarzwald, im Schloss Aubach in Lauf, südlich von Baden-Baden.

Heck, geboren in Flensburg, fand als Moderator von Unterhaltungsshows und Musiksendungen ein Millionenpublikum. "Mein Leben war es, Menschen zu unterhalten. Dass mir dies gelungen ist, macht mich glücklich", sagte er zum Ende seiner Fernsehkarriere. Bürgerlich heißt er Carl-Dieter Heckscher. Sein Berufsleben begann 1957 in Hamburg. Dort arbeitete er vier Jahre lang als Autoverkäufer, was er im Rückblick als gute Schule für seine spätere Tätigkeit als Showmaster bezeichnete. 1961 wurde er in der Fernseh-Nachwuchssendung "Toi-toi-toi" von Peter Frankenfeld als Sänger entdeckt. Er begann im gleichen Jahr beim damaligen Südwestfunk (SWF) in Baden-Baden als Sprecher und arbeitete bei Radio Luxemburg als Disc-Jockey, an der Seite des damals ebenfalls nach oben strebenden Frank Elstner.

Einem großen Fernsehpublikum wurde Heck als Moderator der "ZDF-Hitparade" bekannt. Er führte 183 Mal, von Anfang 1969 bis Ende 1984 live aus Berlin durch die Musiksendung. Seine Begrüßung "Hier ist Berlin" wurde legendär. "Ich werde oft auf die Hitparade reduziert", sagt er: "Aber ich habe ja noch viel mehr gemacht."

Heck stand für Samstagabendshows wie "Melodien für Millionen", "Musik liegt in der Luft", "Die Super-Hitparade" (alle ZDF), für die "Deutschen Schlagerfestspiele" oder "Die Schlagerparade der Volksmusik" (ARD) vor der Kamera. Und er präsentierte viele Jahre erfolgreiche Unterhaltungssendungen wie "Die Pyramide" (1978 bis 1994) und "Ihr Einsatz bitte" (1987-1990). "Die Liebe zur Musik war immer einer meiner Antriebe", sagt Heck. Dem Schlager hielt er stets die Treue – als Produzent, Texter, Sänger und als Moderator.

In Wolfgang Menges legendärem medien- und gesellschaftskritischem Fernsehklassiker "Das Millionenspiel" mimte Heck 1970 den Spielshowmoderator. Auch spielte er im "Tatort" ebenso wie bei "Praxis Bülowbogen", "Soko Stuttgart", "Die Rosenheim-Cops" und "Manta – Der Film" mit. Auch als Radiomoderator arbeitete Heck. Er präsentierte die Südwestfunk-Sendungen "Vom Telefon zum Mikrofon" und "Gute Laune aus Südwest", moderierte beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). "Dieter Thomas Heck hat über viele Jahrzehnte das Gesicht des ZDF mitgeprägt", sagt ZDF-Showchef Oliver Heidemann: "Seine Shows waren große Publikumserfolge, seine Liebe zur Musik und zu den Künstlern waren hierbei seine starken Leitlinien."

"Die ZDF-Kultnacht" am 30. Dezember 2017, von 00.20 bis 02.50 Uhr.