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Was Anleger über die Quellensteuer wissen müssen

dpa

Von dpa

Sa, 24. November 2018 um 17:06 Uhr

Geld & Finanzen

Wer in Wertpapiere investiert, sollte ein Auge auf die Steuern haben. Neben der Abgeltungssteuer gibt es die Quellensteuer, die im Ausland für dort erzielte Dividende und Zinsen anfällt.

Was ist die Quellensteuer?
"Der Begriff Quellensteuer kommt im Wertpapiergeschäft zum Tragen, wenn einem inländischen Depotkontoinhaber ausländische Zins- oder Dividendenerträge zufließen", erläutert Mario Labes, Steuerexperte beim Bundesverband deutscher Banken. Die Quellensteuer wird von dem Land festgelegt, in dem die Kapitaleinkünfte erzielt werden, dem sogenannten Quellenstaat. Je nach Land liegt sie aktuell zwischen 0 und 35 Prozent. Ein Beispiel: Ein deutscher Anleger investiert in die Aktie eines US-Konzerns und bezieht daraus 100 Euro Dividende. Darauf fallen in den USA 30 Prozent Quellensteuer an, also 30 Euro. Die Dividende des Anlegers schrumpft also auf 70 Euro. Quellensteuer fällt auch für Dividende und Zinsen ausländischer Wertpapiere an, die von Fonds gehalten werden.

Hilft hier ein Freistellungsauftrag?
Nein. Die Quellensteuer wird selbst dann einbehalten, wenn ein Freistellungsauftrag über die jährlich 801 Euro Sparerfreibetrag vorliegt. "So werden auch Kleinsparer, die weniger als 801 Euro an Kapitalerträgen erzielen und eigentlich steuerfrei bleiben sollten, zur Kasse gebeten", sagt Michael Beumer von der Zeitschrift Finanztest, die von der Stiftung Warentest herausgegeben wird. Allerdings kann man sich die Quellensteuer später erstatten und anteilig auf die Abgeltungssteuer anrechnen lassen.

Wie beantrage ich eine Erstattung?
"Wie viel Quellensteuer man sich zurückholen kann, richtet sich nach dem Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und dem Quellenstaat", sagt Hermann-Josef Tenhagen vom Internetportal Finanztip. Doppelbesteuerungsabkommen verhindern, dass dasselbe Einkommen in zwei Ländern besteuert wird – im genannten Fall die Dividende in den USA mit 30 Prozent Quellensteuer und in Deutschland mit 25 Prozent Abgeltungssteuer. In den meisten Doppelbesteuerungsabkommen ist festgelegt, dass ausländische Investoren 15 Prozent Quellensteuer zahlen müssen. Hat die US-Behörde 30 Prozent einbehalten, können also 15 Prozent erstattet werden. Wer in einen Fonds investiert hat, muss sich darum nicht kümmern. Das macht die Fondsverwaltung. Aktionäre, die einzelne Aktien halten, müssen sich Quellensteuern in Eigenregie zurückholen. In einigen Staaten geht das ohne fremde Hilfe. Andere akzeptieren Anträge nur, wenn sie über die Depotbank eingereicht werden. Dabei fallen oft saftige Gebühren an. Tenhagen erläutert: "Die Nachbarländer Schweiz und Österreich erstatten die Beträge innerhalb weniger Wochen. Andere Länder wie etwa Italien stehen in dem Ruf, sich Jahre Zeit zu lassen."

Wie funktioniert es in Deutschland?
"Seit 2009 wird auf Dividenden und Zinsen in Deutschland eine einheitliche Abgeltungsteuer von 25 Prozent erhoben, wenn man den Sparerfreibetrag ausgeschöpft hat", sagt Labes. Wer im Ausland schon Kapitaleinkünfte versteuert hat, kann sich das auf die Abgeltungssteuer anrechnen lassen. Wer einen ausländischen Fonds besitzt, der Dividende im Fondsvermögen erneut anlegt, muss seit 2018 seine dort erzielten Kapitalerträge nicht mehr in der Steuererklärung angeben. Der Fiskus rechnet stattdessen mit Pauschalen. Eine Anrechnung der Quellensteuer entfällt für diese Fonds.

Gibt es weitere Besonderheiten?
Keinen Stress haben Anleger mit Dividenden aus Großbritannien und Singapur, denn dort gibt es keine Quellensteuer. Auch Kapitaleinkünfte aus den Niederlanden, Luxemburg, Neuseeland, Japan, Griechenland und Thailand sind problemlos – die Quellensteuer dieser Länder wird in Deutschland vollständig angerechnet. In den USA kann die Steuer auf 15 Prozent halbiert werden. "Fragen Sie bei Ihrer Bank nach, ob sie bei der US-Steuerbehörde IRS als sogenannter Qualified Intermediary registriert ist. Dann kommen Sie in den Genuss des verminderten Quellensteuerabzugs", rät Beumer. Und ganz wichtig: Anleger sollten sich vor einer Investition im Ausland jeweils aktuell informieren, damit die Anlage nicht am Ende unrentabel wird.