Sicher wie Eigentum, flexibel wie Miete

Dirk Baas

Von Dirk Baas (epd)

Sa, 23. Juni 2018

Haus & Garten

Wohnungsbaugenossenschaften bieten ihren Mitgliedern viele Vorteile / Wartelisten für Genossenschaftswohnungen in der Region.

Das Leben in Genossenschaftswohnungen ist meist günstiger als in Objekten, die auf dem freien Markt gehandelt werden. Das ist sicher der Hauptgrund für das rege Interesse an den Angeboten der rund 2000 Wohnungsbaugenossenschaften in Deutschland. Doch wie kommt man an deren Wohnungen? Und wie funktioniert die Mitgliedschaft in einer Genossenschaft?

Interessenten müssen wissen, dass ohne Mitgliedschaft in einer Genossenschaft keine Wohnung bezogen werden kann. Also müssen die künftigen Nutzer erst Miteigentümer werden und Anteile kaufen. "Die Höhe der Anteile legt jede Genossenschaft selbst fest. Häufig richtet sie sich nach der Größe der Wohnung", teilt die Marketinginitiative der Wohnungsbaugenossenschaften mit.

Also muss zunächst ein Aufnahmeantrag ausgefüllt und vom Vorstand der Genossenschaft angenommen werden. Dann wird der sogenannte Pflichtanteil verlangt. Will das neue Mitglied einziehen, werden weitere Anteile fällig. Eine Maklerprovision oder eine Kaution werden nicht verlangt. Wichtig: Mitglieder von Genossenschaften sind Eigentümer, deshalb mieten sie nichts, sondern nutzen etwas, für das sie ein Entgelt entrichten. Folglich gibt es auch keinen Mietvertrag, die monatliche Zahlung heißt Nutzungsentgelt.

Die gezeichneten Anteile werden in der Regel verzinst und bei Austritt des Mitglieds zurückerstattet. Die Rückerstattung der Geschäftsanteile ist in der jeweiligen Satzung geregelt. Das eingezahlte Geld bildet zusammen mit den Rücklagen das Eigenkapital der Genossenschaft. Damit finanziert sie etwa den Geschäftsbetrieb, aber auch Renovierungsmaßnahmen, Neubauten und weitere Angebote zur Förderung ihrer Mitglieder. Jährlich kommen da den Angaben nach vier Milliarden Euro zusammen. In der Regel erhalten die Mitglieder auch eine Dividende, die vom Ergebnis des Geschäftsjahres abhängig ist.

Wer einmal eine Genossenschaftswohnung bezogen hat, genießt mehrere Vorteile. Vor allem den, vor einer Kündigung sicher zu sein. "Jedes Mitglied hat mit dem Dauernutzungsvertrag ein lebenslanges Wohnrecht in seiner Genossenschaft." Die vier Wände sind vor Verkauf geschützt, Eigenbedarfskündigungen gibt es nicht.

Der Dachverband wirbt zudem damit, dass die Mitglieder als Gemeinschaftseigentümer in allen relevanten Fragen rund um die Immobilie selbst das Sagen haben. Über ihre gewählten Vertreter bestimmen sie auch über die Geschäftspolitik mit, die stets im Sinne der Mitglieder ausgerichtet sein sollte. Darüber hinaus bieten viele Genossenschaften ihren Mitgliedern die Möglichkeit, den Wohnalltag in ihren Siedlungen gemeinsam und eigenverantwortlich zu gestalten: "Wer sich hier einbringt, der entscheidet mit, was in seiner Siedlung läuft."

Doch was geschieht, wenn einem Bewohner seine Bleibe zu klein oder auch zu groß wird? Hier zeigt sich der Anbieter nach Möglichkeit flexibel: Die Genossenschaft versucht Wohnungen anzubieten, die flexibel zur jeweiligen Lebenssituation der Nutzer passt – durch Umzug in eine andere Wohnung des eigenen Bestandes.

Im Herbst des vergangenen Jahres wurden im Durchschnitt für einen Quadratmeter Wohnfläche in einer genossenschaftlichen Wohnung kalt 5,27 Euro verlangt. Auf dem freien Wohnungsmarkt lag der Vergleichswert bei 7,69 Euro. Zu bedenken ist allerdings, dass es mittlerweile in der Region lange Wartelisten für Genossenschaftswohnungen gibt. Je nach Wunschgröße der Wohnung kann die Wartezeit zwischen zwei und zehn Jahren liegen.