Markgräflerland

Bauern klagen gegen die Erweiterung des Vogelschutzgebiets

Hannah Fedricks Zelaya

Von Hannah Fedricks Zelaya

Do, 09. August 2018 um 11:11 Uhr

Kreis Breisgau-Hochschwarzwald

Mini-Vogel mit Maxi-Wirkung: Ein bis zwei brütende Triel-Paare sind bei Buggingen seit 2011 gesichtet worden. Daraufhin wurde das bestehende Vogelschutzgebiet erweitert – auf die mehr als dreifache Fläche. Dagegen klagen nun zwölf betroffene Landwirte.

Der taubengroße Triel muss unter Schutz gestellt werden. Da wiederholt ein bis zwei brütende Paare bei Buggingen beobachtet wurden, ist im vergangenen Jahr das bestehende Vogelschutzgebiet Bremgarten von 500 auf rund 1700 Hektar erweitert worden. Dagegen klagen nun zwölf betroffene Landwirte. Sie befürchten Einschränkungen und halten das geschützte Gebiet für zu groß.

Die Kritik der Landwirte

"Wir Landwirte sind bereit, den Triel zu schützen und tun das auch bereits seit 2011 im Rahmen des Artenschutzes", betont Tobias Kraus, einer der Sprecher der klagenden Landwirte, zu Beginn des Gesprächs. Bei anderen geschützten Vögeln, wie beispielsweise dem Kiebitz, würde der Schutz gemeinsam mit den Landwirten erfolgreich praktiziert. "Uns wird hier jedoch eine pauschale Verordnung übergebügelt. Diese halten wir nicht für sinnvoll." In Gesprächen mit dem Regierungspräsidium (RP) hätten die Landwirte ihre Kritikpunkte vorgebracht, seien aber nicht auf Verständnis gestoßen, so Kraus.

In der Klage haben sich zwölf Landwirte aus den Gemarkungen im Umfeld stellvertretend für rund 45 betroffene Landwirte zusammengeschlossen. Zudem unterstützen 25 weitere Personen die Klage. Die Landwirte befürchten durch die Verordnung in den kommenden Jahren Einschränkungen für ihre Arbeit.

Im seit 2010 bestehenden Vogelschutzgebiet Bremgarten stehen zehn Vogelarten unter Schutz. Für den Triel wurde vom RP kein neues Schutzgebiet eingerichtet, sondern dieses bestehende um 1200 Hektar erweitert. Hauptkritikpunkt der Landwirte ist die Größe dieses Gebiets: Pro Brutpaar veranschlage das Regierungspräsidium eine Ausgleichsfläche von maximal zehn Hektar; bei den zwei Paaren, die bisher gesichtet wurden, wäre demnach eine Fläche von 20 Hektar ausreichend. Das Kerngebiet, in dem sich die Gelege der Trielpaare in den vergangenen Jahren befanden, umfasst rund 150 Hektar. Die Landwirte halten diese Fläche – anstatt der 1200 Hektar – für ausreichend.



Sie stellen zudem infrage, ob das Schutzgebiet überhaupt nötig ist: Auf der anderen Seite des Rheins besteht bereits ein Vogelschutzgebiet für Triele, in dem sich die Tiere stetig vermehren. Daher weichen nun immer wieder Trielpaare auf die Randgebiete um das Schutzgebiet aus. "Eine Erweiterung des Schutzgebietes steht aber in Frankreich nicht zur Diskussion", sagt Peter Neusüß, der Anwalt, der die Landwirte vertritt. "Europarecht unterscheidet nicht nach Staatsgrenze", sagt er. Es dürfte daher unerheblich sein, ob sich die Randpopulation der Triele in Frankreich oder Deutschland ausbreite. "Ein anderer Fall wäre es, wenn der Triel in Mecklenburg-Vorpommern auftauchen würde. Dann müsste man ein neues Schutzgebiet ausweisen. Hier handelt es sich aber um einen einheitlichen Lebensraum." Er räumt der Klage der Landwirte daher gute Chancen ein. Die Landwirte bemängeln außerdem, dass etwa ein Fünftel des Schutzgebiets als Lebensraum für den Triel ungeeignet sei, da es dort keine steinigen Böden gebe. Diese braucht der Triel aber, weil er unter Steinen seine Nahrung sucht.

Unabhängig vom Triel stehen auf der gesamten Fläche durch die Erweiterung des bestehenden Gebiets auch noch zehn weitere Vogelarten unter Schutz. Das bedeutet einen zusätzlichen bürokratischen Mehraufwand für die Landwirte. Sie müssen bei jedem neuen Projekt – wie etwa der Änderung der Fruchtfolge oder der Beregnungsanlagen – nachweisen können, dass keine der Vogelarten durch die Veränderung beeinträchtigt wird.

Die Landwirte erhoffen sich von der Klage eine Aufhebung oder Verkleinerung des Vogelschutzgebiets. Sie fordern, dass Flächen, die keine steinigen Böden beinhalten, aus dem Schutzgebiet herausgenommen werden und der Schutz auf den Triel beschränkt wird. "Wir wollen eine Konzentration auf das, was wirklich gebraucht wird, keinen Rundumschlag", sagt Kraus.

Das Regierungspräsidium

Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer bedauert in einer Pressemitteilung die Klage gegen die Erweiterung des Vogelschutzgebiets. "Wir waren deshalb mit den Betroffenen in einem intensiven Austausch. Unser Ziel ist und bleibt, die Interessen und Bedürfnisse von Vogelschutz und Bewirtschaftung in Einklang zu bringen", so Schäfer. Nach Meinung des RPs sei dies gelungen.

Ein neues, unabhängiges Vogelschutzgebiet nur für den Triel einzurichten, sei nicht in Betracht gezogen worden, da in dem Gebiet auch die geschützten Arten des bestehenden Vogelschutzgebiets vorkommen, so das RP auf Anfrage der BZ. Dass es im Elsass bereits ein Vogelschutzgebiet für den Triel gibt, ändert laut RP nichts an der Verpflichtung Deutschlands, ein Schutzgebiet auszuweisen. Auch die Kritik der Landwirte, dass für den Triel ungeeignete Flächen mit in das Schutzgebiet aufgenommen worden sind, weist das RP zurück: "Es wurden bei der Erweiterung Flächen mit einbezogen, die aufgrund ihrer Steinigkeit und offenen Landschaft geeignete Habitateigenschaften für den Triel aufweisen." Die Größe der Fläche begründet das RP damit, dass Flächen aufgenommen wurden, die ein hohes Potenzial für eine weitere Besiedlung durch den Triel aufweisen.
Der Hintergrund

Seit 2011 sind wiederholt ein bis zwei brütende Trielpaare bei Buggingen gesichtet worden. Sie sind aus Frankreich eingewandert: In einem Schutzgebiet im Elsass leben mehr als 150 brütende Paare. Nur wenige Kilometer entfernt, in Deutschland, gilt der Triel allerdings als vom Aussterben bedroht – nach EU-Recht gelten dann strenge Schutzmaßnahmen. Daher hat das Regierungspräsidium im vergangenen Jahr das bestehende Vogelschutzgebiet Bremgarten von 500 auf 1700 Hektar erweitert. In ihm soll jedoch kein flächendeckender Schutz gelten, sondern Gelegeschutz: Dort, wo ein Triel brütet, gilt eine Schutzzone von zehn mal zehn Metern. Außerhalb dieser Schutzzone darf landwirtschaftlich gearbeitet werden.