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17. Dezember 2009
Wo die Windräder willkommen sind
Spanien ist der drittgrößte Windenergieproduzent der Welt / Konflikte zwischen Parkbetreibern und Anwohnern sind selten
Spanien ist einer der großen Treibhaussünder des Planeten. Im Kyoto-Abkommen von 1997 verpflichtete sich das Land, seinen Ausstoß an Treibhausgasen bis 2012 um nicht mehr als 15 Prozent gegenüber dem Niveau von 1990 anwachsen zu lassen. Doch kein anderes industrialisiertes Land entfernte sich so weit von den Kyoto-Vorgaben wie Spanien. Bis 2007 war der jährliche Ausstoß um 52,6 Prozent gewachsen. Das "Neureichensyndrom" nannte das die damalige spanische Umweltministerin Cristina Narbona: Während das Land wirtschaftlich vorankam, blieb es ökologisch zurück. Nun holt es endlich auf.
Dieses Jahr, das erwartet jedenfalls die spanische Staatssekretärin für den Klimawandel, Teresa Ribera, werden die spanischen Treibhausgas-Emissionen zum zweiten Mal in Folge zurückgehen, womit das gefährliche Plus gegenüber dem Jahr 1990 auf rund 34 Prozent sinkt. Immerhin.
Eine der Ursachen dieses Rückgangs ist die schwere Wirtschaftskrise, die Spanien zurzeit durchmacht. Die zweite Ursache hat mit guter Politik zu tun: Spanien fördert mit aller Kraft die Nutzung erneuerbarer Energiequellen. Mehr als ein Viertel des spanischen Stroms wird dieses Jahr aus sauberen Quellen stammen, an erster Stelle aus Windkraftanlagen. Mit einer Gesamtkapazität von 16 754 Megawatt (Ende 2008) ist der spanische Windmühlenpark nach den USA und Deutschland der drittgrößte der Welt. Was die Dienstbarmachung des Windes betrifft, läuft Spanien einmal nicht dem Rest der Welt hinterher.
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Der Erfolg der Windenergie ist die Folge einer konsequenten Förderung seit Mitte der 1990er Jahre. Sowohl die sozialistischen als auch die konservativen Regierungen haben diese Förderung unterstützt. Die Stromkonzerne sind inzwischen zur Abnahme des Windstroms zu garantierten Preisen verpflichtet. Das macht den Bau von Windmühlenparks zu einem sicheren Geschäft. Die Subventionen für den Windstrom summierten sich im vergangenen Jahr auf über eine Milliarde Euro, der Stromkunde zahlt. Was die Betreiber konventioneller Kraftwerke murren lässt. Der Präsident des spanischen Erdölkonzerns Repsol, Antonio Brufau, forderte vor kurzem, der Staat solle lieber in die Erforschung der Einfangmöglichkeiten von Kohlendioxid investieren. Doch die Regierung des Sozialisten José Luis Rodríguez Zapatero will weiter die erneuerbaren Energien fördern. Der gesamte spanische Windpark soll bis zum Jahr 2020 auf eine Kapazität von insgesamt 40 000 Megawatt wachsen.
Die geografischen Bedingungen für den Ausbau der Windkraft sind günstig. Spanien ist ein relativ dünn besiedeltes Land, weswegen es selten zu Konflikten zwischen den Windparkbetreibern und genervten Anwohnern kommt. Vielen Dörfern sind die Anlagen eine willkommene Einnahmequelle – für jede Mühle zahlen die Betreiber rund 2000 Euro im Jahr an den Besitzer des Landes, auf dem sie ihre Generatoren installieren.
José Donoso, der Präsident des spanischen Windkraft-Unternehmerverbandes AEE, spricht von den "nicht quantifizierbaren Vorteilen" seiner Branche wie dem "Anheben des ländlichen Lebensniveaus oder dem Schaffen des Markenimages eines technologischen Spaniens". In der Windenergie gehört Spanien tatsächlich zur Weltelite. Der spanische Energiekonzern Iberdrola ist der größte Windparkbetreiber der Welt, Acciona, Gamesa und Ecotecnia sind Spitzenunternehmen beim Bau und der Entwicklung von Windturbinen.
Der spanische Wind spielt mit. Vor gut einem Monat stellten die Windparks zum ersten Mal für ein paar Stunden mehr als die Hälfte des spanischen Stroms zur Verfügung.
Und sie liegen mit ihrer Förderung der Windenergie im Trend. Der Technologiekonzern Siemens etwa sieht in den kommenden beiden Jahrzehnten ein riesiges Wachstumspotenzial bei der Windenergie. "Der Windenergiemarkt weltweit wird bis 2030 von heute rund 30 Milliarden Euro pro Jahr auf über 200 Milliarden Euro wachsen", schätzte der Chef der Siemens-Geschäftseinheit Wind Power, Andreas Nauen.
Autor: Martin Dahms
