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23. März 2017

Handys an, jetzt ist Unterricht

Das Friedrich-Gymnasium probt die digitale Revolution.

  1. Die Schüler pfeifen aufs Handy, aber nur, um mit einer App den Schallpegel zu messen. Foto: Michael Bamberger

Ausgerechnet die Humanisten führen die digitale Revolution an Freiburgs Schulen an. Das Friedrich-Gymnasium unterrichtet mit Smartphone und Tablets, alle Klassenzimmer haben W-Lan und die Schüler mehr Spaß. Die Modellschule zeigt, was möglich ist – und dass auf die Stadt Millioneninvestitionen für ihre gut 70 Schulen zukommen.

Die Tafel ist runtergeschoben, der Beamer wirft ein Video an die Wand. Es geht um Lärm, und es ist still in der 8a, die Schülerinnen und Schüler müssen nebenbei einen Lückentext ausfüllen. Lehrer Volker Scheuring drückt auf sein Smartphone, das auf einem Ständer über dem Pult liegt, eine Schülerin legt ihr Arbeitsblatt darunter, das Bild der Handykamera wird an die Wand gebeamt. Alle gehen die Lückenaufgabe zusammen durch.

In der letzten Reihe scannt Hermann Maier den QR-Code vom Arbeitsblatt ein. Auf dem Smartphone des Schulamtsleiters erscheint die App Schallanalysator, die auch an der Wand läuft. Die Klasse muss die Stille messen, ein Schüler husten und alle lachen – 79,8 Dezibel. Dann schreien die Schüler, alle halten die Ohren zu, auch die letzte Reihe mit Maier, Bürgermeisterin Gerda Stuchlik, Thomas Steiner vom Regierungspräsidium und Sandra Boser, di

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e bildungspolitische Sprecherin der Landtagsgrünen schaut sich gute Beispiele im Land an.

Das FG ist eines von 14 Gymnasien, die zwei Jahre mit Siebtklässlern testen, ob und wie Tabletcomputer das Lernen fördern. Die App zeigt 86 Dezibel, da stimmt was nicht.

Technisch hat eigentlich nichts funktioniert, als das FG vor zwei Jahren anfing, sagt Patrick Bronner. Er unterrichtet Physik an der über 100 Jahre alten Schule, ließ seinen Leistungskurs 2015 was Neues ausprobieren und einen verbotenen Gegenstand benutzen, den sie eh alle in der Tasche haben: Die Schüler zeigten, wie man Smartphones im Unterricht nutzen kann – auch Lehrern. Sie präsentierten an der Pädagogischen Hochschule 60 Experimente, fix und fertig für den Unterricht: die Flugbahn eines Schokokusses berechnen, die Beschleunigung des Motorrads messen und andere Aufgaben.

Motivierende Apps statt langer Debatten

Das war der erste Schritt des Medienkonzeptes, das Bronner und Kollegen entwickelten, und wofür sie den Deutschen Lehrerpreis bekamen, weil es innovativ ist und langsam vorangeht. Der zweite Schritt ist der Schulversuch mit eigenen Geräten im normalen Unterricht, der dritte die Ausstattung der Räume und der vierte in Arbeit: Lehrertablets.

Das Land zahlt 54 000, die Stadt wird gut das Doppelte drauflegen für 170 Geräte. Denn die Modellschüler sollen 2018 auch Tablets bekommen. Das Rathaus will, dass die Anschaffung komplett übernommen wird. "Die Schüler sollen nicht durch Technik abgehängt werden, sondern unterstützt", sagt Maier. Er findet es gut, dass die Stadt mit dem Schulversuch Erfahrung sammeln kann. Es gibt auch einen an beruflichen Schulen.

Bronner nutzt sein privates Tablet. Scheuring schnappt sich sein Smartphone, schüttelt es und schon hat die App "Team-Shake" Zweierteams für die Gruppenarbeit gebildet, ohne lange Debatten. Außer den Namen sind auch Noten hinterlegt, so dass auch gute und schlechte Schüler zusammengewürfelt werden.

Die Schüler messen mit der App Geräusche. Damian Kils pfeift ins Handy. Katharina Kluthe notiert den Verlauf. "Es macht mehr Spaß", meint Domenico Palmisano nebendran. Die Drei zeigen, wie sie mit dem Handy Lateinvokabeln über eine Website eines Schulkameraden lernen.

Die Geräte, meint Bronner, bleiben nur ein Mittel: Ob der Unterricht gut ist, liegt immer noch am Lehrer.

Handy-Regeln

Am Friedrich-Gymnasium waren Handys verboten. Die Schule hat ihre Schulordnung geändert – und klare Regeln aufgestellt. Der Lehrer muss den Einsatz von Smartphones für eine Aufgabe erlauben. Die Schüler dürfen nur übers W-Lan mit Jugendschutz-Filter ins Internet und bekommen dafür eine Freigabe, die in der Pause verfällt. Hausaufgaben mit dem Smartphone dürfen keine Pflicht sein, weil nicht jeder eins hat. Apps dürfen nichts kosten. Für Bilder von Personen in der Schule ist deren Zustimmung ein Muss. Fürs W-Lan-Gerät gibt es in jedem Klassenzimmer einen Schalter, es wird zum Schutz vor Strahlung nur zeitweise aktiviert. Schüler und Lehrer loggen sich ein, das Protokoll soll Sicherheit schaffen. Das FG verfügt über eine eigene Cloud. Wenn die städtischen Tablets angeschafft sind, läuft darauf kein Whatsapp, Drop-Box und Co.

Mehr zum digitalen FG unter http://mehr.bz/fg-digi und die 60 Experimente mit Smartphones samt Apps unter http://mehr.bz/smarteschule
 

Autor: sh

Autor: Simone Höhl