Genzach-Wyhlen

Raubüberfall auf einen Kiosk: 30-Jähriger muss zwei Jahre und vier Monate in Haft

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Fr, 14. Dezember 2018 um 16:34 Uhr

Grenzach-Wyhlen

Der Mann hatte mit einer echt aussehenden Pistole einen Kiosk überfallen. Gericht verurteilt ihn wegen schweren Raubes.

Der zweite junge Mann, der am 23. Juli mit einer echt aussehenden Pistole erst versucht hat, eine Spielothek auszurauben und später den Kiosk am Bahnhof in Grenzach ausgeraubt hat, wurde jetzt zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt. Eine Strafe in dieser Höhe kann nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden. Der jetzt verurteilte 30-Jährige hat die beiden Taten ausgelöst und seinen verhaltensauffälligen, psychisch labilen 19-jährigen Mittäter hineingezogen. Der 19-Jährige war bereits vor zwei Wochen zu einer Jugendstrafe von einem Jahr auf Bewährung, 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit, enger Betreuung sowie einer Therapie verurteilt worden.

Schreckschusspistole sah echt aus

Das Verfahren gegen den 30-Jährigen hatte das Gericht nochmals ausgesetzt, um ihm die Chance zu einem Täter-Opfer-Ausgleich mit dem Kioskbetreiber zu geben. Während der erste Raubüberfall auf die Spielothek wegen eines aufmerksamen Sicherheitsmitarbeiters scheiterte, wurde der Raubüberfall am frühen Morgen des 23. Juli 2018 vollendet. Der 30-Jährige hatte dazu eine nicht geladene Schreckschusspistole mitgenommen, die echt aussah, und den Kioskbetreiber damit bedroht. Erbeutet haben die beiden 285 Euro.

Dem 49-jährigen Kioskbetreiber ging der Überfall sehr nach, er hat seitdem am frühen Morgen einen zweiten Mann im Kiosk mit dabei, und da sich Täter und Opfer immer wieder begegneten, löste das ein ungutes Gefühl aus.

Auf Initiative von Rechtsanwalt Markus Reiser, der den Kioskbetreiber vertrat, setzten sich Täter und Opfer Anfang dieser Woche in seinem Büro zusammen. "Das Gespräch war eine gute Idee, es hat mir geholfen, und mein Angstgefühl ist besser geworden", sagte der Kioskbetreiber. Der Angeklagte hat sich nochmals entschuldigt und ihm 2000 Euro Schmerzensgeld sowie seine Rechtsanwaltskosten bezahlt. Deshalb sagte der Kioskbetreiber nun: "Gefängnis muss nicht sein, da lernt er nur andere Kriminelle kennen." Auch sein Anwalt hielt deswegen eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren für ausreichend, die zur Bewährung ausgesetzt werden könne, da der Angeklagte in stabilen Verhältnissen lebt.

Dieses Strafmaß beantragte auch Verteidigerin Angela Furmaniak. Wegen der aufrichtigen Reue des Angeklagten und weil die Tat aus einer außergewöhnlichen Stimmung heraus nach vorangegangenem Drogenkonsum entstanden sei und zudem ein Täter-Opfer-Ausgleich stattgefunden habe, könne die Strafe gemildert werden, sagte sie. Der Staatsanwalt, der ursprünglich eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten beantragte hatte, forderte auch nach dem Gespräch mit dem Kioskbetreiber noch eine Haftstrafe von drei Jahren.

Richter lässt keine Milde walten

Wegen schweren Raubes und eines versuchten schweren Raubes verhängte das Schöffengericht eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten. Der Vorsitzende des Gerichts, Richter Martin Graf sagte: "Das war eine absolut brutale Tat. Auf dem Video sieht man, dass Sie die Waffe die ganze Zeit auf den Kopf des Kioskbesitzers gerichtet haben und der Mann den Kopf einzieht, weil er Angst hat." Die Mindeststrafe für schweren Raub beträgt drei Jahre und reicht bis zu 15 Jahren. Ein minder schwerer Fall komme hier nicht in Betracht. Es sei auch nicht nachzuvollziehen, weshalb nach dem ersten gescheiterten Raub noch ein zweiter begangen wurde.

Gemildert hat das Gericht die Strafe aber wegen des Täter-Opfer-Ausgleichs. "Ohne den wäre die Strafe deutlich höher ausgefallen", stellte der Richter fest. Eine Strafaussetzung zur Bewährung wäre aber auch bei einer geringeren Strafe nicht in Frage gekommen, weil die Tat so gravierend war und der 30-Jährige vorbestraft ist. Das Gericht meinte aber, nach vier bis fünf Monaten sei es möglich, in den offenen Vollzug zu kommen, damit der Angeklagte wieder an seinem Arbeitsplatz als Mechaniker arbeiten könne. Doch der Angeklagte schüttelte den Kopf. Auch das Gericht vermutete, dass gegen das Urteil Berufung eingelegt wird.