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25. Januar 2010 18:09 Uhr

Jobmotor

Rotzler-Seilwinden gehen vom Wiesental in alle Welt

Schon zu Beginn des 20.Jahrhunderts zogen Schwarzwälder Bauern ihr Heu mit Ernst Rotzlers Heuaufzügen unters Scheunendach. Sie machten den Schmiedemeister aus Steinen im Wiesental bekannt – und seine Nachfahren sind dem Kerngeschäft treu geblieben.

  1. Seilwinden aus Steinen kommen beispielsweise bei Rettungsfahrzeugen der Feuerwehr zum Einsatz. Foto: pr

STEINEN. Der Enkel Jürgen Rotzler (48) produziert und vertreibt immer noch Seilwinden für Ladekrane, Bohrgeräte, Schiffe, Rettungsfahrzeuge und Armeefahrzeuge. Natürlich nicht allein, sondern mit einer Stammbelegschaft von 188 Mitarbeitern, darunter 17 Auszubildenden.

Aus der 1919 gegründeten Dorfschmiede ist im Steinemer Gewerbegebiet ein hochmodernes Unternehmen gewachsen, das Tochterunternehmen in Kanada und Südkorea betreibt und zu fast 90 Prozent im Export aktiv ist. "Wir sind voll in die Globalisierung hineingezogen worden", sagt Geschäftsführer und Gesellschafter Jürgen Rotzler, der das Unternehmen von Vater und Patenonkel 1992 übernommen hat. Eigentlich wollte er Chemiker werden, studierte dann aber doch Maschinenbau und wurde mit jungen 30 Jahren in die Verantwortung genommen. Ausgerechnet als es mal nicht so gut lief in der Firma und Arbeitsplätze abgebaut wurden.

DAS RUHEKISSEN IST NICHTS FÜR ROTZLER

Das ist schon längst Geschichte, mit der Internationalisierung hat sich Rotzler so gut erholt, dass er auch in der derzeitigen Krise keine Bange hat. Was nicht heißt, dass man in Steinen auf einem Ruhekissen liegt. "Wir sind im Projektgeschäft", betont Jürgen Rotzler, "das muss man aushalten können – oder es bleiben lassen!" Gemeint ist damit: Keine Serienproduktion mit Standardprodukten, die im Schaufenster stehen. Sondern – hier trifft das Schlagwort mal wirklich voll zu – spezielle Lösungen, die gemeinsam mit den Kunden erarbeitet werden müssen. Denn jeder Kran und jeder LKW, der mit einer Rotzler-Winde ausgestattet wird, ist anders oder hat andere Aufgaben. Das bedeutet: Einem Auftrag geht immer eine lange Entwicklungszeit voraus, mit entsprechender Vorleistung und auch mit dem Risiko, am Ende noch von anderen Bewerbern ausgestochen zu werden.

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ZIVILE UND MILITÄRISCHE NUTZUNG

Drei Geschäftsfelder hat Rotzler, in denen die Winden zum Einsatz kommen: Bei Ladekränen auf Baustellen, in Häfen oder Schiffen. Dann auch noch in Feuerwehr- und Rettungsfahrzeugen und in militärischen Bergefahrzeugen. Sowohl bei ziviler als auch militärischer Nutzung der Winden ist der Kunde immer der Fahrzeughersteller. Die Wehrtechnik ist für Rotzler daher kaum anders als das zivile Geschäft, die Winden werden in Militärfahrzeugen eingebaut, die an verschiedene Nationen gehen, nicht nur zur Bundeswehr. "Mal sind sie schwarz, mal sind sie olivgrün", sagt Jürgen Rotzler, "das macht für uns von außen gesehen, kaum einen Unterschied."

Allerdings ist der Aufwand für extreme Verhältnisse und Anwendungsgebiete zuweilen sehr viel größer, so muss beispielsweise die Winde für einen Bergepanzer 50 Tonnen ziehen können. Je nach Leistungskraft liegt der Preis für eine Winde zwischen 1000 und einer halben Millionen Euro. Im vergangenen Jahr machte Rotzler 43 Millionen Euro Umsatz, so viel wie im Vorjahr.

Winden – mit Seil, Haken, Befestigung und Steuerung – sind heutzutage keine rein mechanischen, sondern elektronische Komplettsysteme. Der hohe technische und Materialaufwand ist nur mit ausgesprochen qualifizierten und motivierten Fachkräften zu bewältigen. "Der Star ist die Belegschaft", könnte Jürgen Rotzler sagen. Tut er zwar nicht, er schwärmt jedoch von seinen treuen, vom Geist des Familienunternehmens geprägten Mitarbeitern: "Die sind zum Teil schon länger dabei als ich." Manch einer schon vierzig, einer sogar fünfzig Jahre.

Wettbewerb Jobmotor
Zum vierten Mal findet der Wettbewerb Jobmotor statt. Wir suchen Unternehmen in Südbaden, die dauerhaft Jobs in der Region schaffen. Wir verleihen den Preis Jobmotor 2009 an diejenigen Betriebe, die die meisten Arbeitsplätze schaffen. Außerdem loben wir einen Sonderpreis aus für das Unternehmen, das am meisten tut für die Weiterbildung der Beschäftigten. Bis zum 31. Januar 2010 sind Bewerbungen möglich. Die Ehrung der Sieger findet am 19. März in der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau statt.

Autor: Heinz Siebold