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31. Oktober 2010 16:24 Uhr

Rheintalstrecke

Rüdiger Grube und die neue Dialogkultur

Der Schock von Stuttgart 21 sitzt tief, auch bei der Bahn. Deshalb will Bahnchef Rüdiger Grube den Ausbau der Rheintalstrecke anders angehen. Das versicherte er vielfach den Bürgern bei seinem Besuch in Südbaden.

  1. Baden 21: Rüdiger Grube in Weil am Rhein. Foto: dpa

Der Bau soll nach seinen Vorstellungen "lehrbuchhaft” ablaufen und die Bürger einbeziehen. "Dabei sage ich auch, dass ich dieses Lehrbuch noch nicht gefunden habe”, meinte Grube im Verlauf seiner zweitägigen Reise entlang der Strecke zwischen Offenburg und Weil am Rhein. "Stuttgart 21 darf sich jedenfalls nicht wiederholen."

Zugleich betonte Grube, er sei nicht gekommen, um Geschenke zu verteilen oder konkrete Zusagen zu machen. Aber er bringe das Versprechen mit, dass es künftig eine neue Dialogkultur geben werde und "dass die Strecke nicht gegen den erklärten Willen von 172.000 Menschen gebaut wird". Er sagte zudem zu, dass an einigen kritischen Punkten die Pläne noch einmal überprüft werden.

172.000 Menschen haben bisher per Unterschrift gegen die Pläne protestiert. Doch es zeichnen sich an einigen Punkten bereits Korrekturen ab. So hat das Eisenbahnbundesamt als Genehmigungsbehörde die Bahn Ende der Woche angewiesen, im Bereich Bremgarten Buggingen eine alternative Trasse zu untersuchen. Es handelt sich dabei um jene Trasse, die das Regierungspräsidium Freiburg im November vorigen Jahres als Kompromiss zwischen der von den Bürgerinitiativen vorgeschlagenen Bürgertrasse und der Antragstrasse der Bahn vorgeschlagen hat.

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Außerdem soll spätestens im ersten Quartal 2011 der Korridor für eine Tunneltrasse in Offenburg festgelegt werden, in dem dann mit den Bodenerkundungen begonnen werden kann. Ziel ist es, den Bau eines Tunnels zu untersuchen. Weiter im Süden werde auf Wunsch der Landkreise und zahlreicher Gemeinden die Autobahntrasse näher untersucht, am Katzenbergtunnel soll das Betriebskonzept überprüft werden.

Auch sein Ziel sei, möglichst viele Güterzüge in den Tunnel zu verlegen, doch er kenne die Details nicht und wisse daher nicht, was dem entgegensteht, so Grube.  "Da gibt es viele, die mitentscheiden, von der Netzagentur bis zu den Konkurrenten und der EU.” Aber er werde das persönlich überprüfen. Auch Verbesserungen bei der Ortsdurchfahrt Weil-Haltingen, die bereits planfestgestellt ist, seien nicht ausgeschlossen, aber die rechtlichen Möglichkeiten seien begrenzt.

Zuhören und lernen

Auf der zweitägigen Tour hatte Grube an zahlreichen Stationen Halt gemacht, darunter in einer Privatwohnung in Ringsheim, einem Bauernhof bei Bremgarten, aber auch im Rathaus von Kappel-Grafenhausen. Dort verlangt die Bürgerinitiative"Bahn an die Bahn” das Festhalten an der alten Planung. Entlang der Strecke demonstrierten immer wieder zahlreiche Menschen für Verbesserungen an der von der Bahn erarbeiteten Trasse. Besonders groß war die Beteiligung in Herbolzheim und Kenzingen, entlang der Strecke im nördlichen Markgräflerland und in Buggingen sowie zum Abschluss in Bad Bellingen und Weil-Haltingen, wo rund 500 Menschen den Bahnchef empfingen.

Der versicherte immer wieder, dass er gekommen sei, um zuzuhören und zu lernen. Er versprach, künftig regelmäßig zu Gesprächen zu kommen. Und das auch dann, wenn er eine schlechte Botschaft zu überbringen habe. "Man kann nicht nur reisen, wenn man Geschenke mitbringt.”

Gleichzeitig verlangte er von der Politik mehr Unterstützung. Aus seiner Sicht müsse das Lärmproblem an der Quelle angepackt werden, also an den Fahrzeugen. "Die Lösung kann nicht darin bestehen, dass wir immer höhere Lärmschutzwände bauen." Für bessere Planungen brauche die Bahn dann aber auch Geld vom Bund. Der Lärm sei "die Achillesferse des Schienengüterverkehr. Wenn wir dieses Problem nicht lösen, verlieren wir die Akzeptanz für die Schiene”, sagte Grube. Genau diese hohe Akzeptanz für die Bahn als Transportmittel habe ihn aber ermuntert.

Regierungspräsident Julian Würtenberger zeigte sich zufrieden mit dem Besuchsverlauf. "Mehr war bei diesem ersten Besuch nicht zu erwarten.” Er sei zuversichtlich, dass die von Grube zugesagte neue Dialogkultur den Prozess verändern werde und die Trasse, wie sie einmal gebaut wird, auf eine größere Akzeptanz stoße.

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Dossier: Alle Texte zur Rheintalstrecke

Autor: Franz Schmider