Hinter den Kulissen

Mack Media kümmert sich um die digitale Welt des Europa-Parks

Christian Kramberg

Von Christian Kramberg

Sa, 21. Juni 2014

Rust

Die Firma Mack Media ist noch ein relativ junges Kind im Europa-Park-Familienunternehmen, doch seine Bedeutung ist in den Zeiten der zunehmenden Digitalisierung und Visualisierung in den vergangenen Jahren immer mehr gestiegen. Und die Entwicklung ist noch längst nicht zu Ende.

Wenn Michael Mack über Mack Media redet, dann sprudelt es aus ihm heraus: Content, Gamification, Goodies, Footage, Social Media oder App sind die englischen Fachbegriffe, mit denen der Sohn von Roland Mack all die Trends und Ideen, die es schon gibt, unterfüttert. Mack Media – das ist deutlich zu spüren – ist sein Kind, dem er sich sehr verbunden fühlt. Angefangen hat die Geschichte im Grunde genommen mit dem guten, alten VHS-Band. Auch der Europa-Park hatte einen etwa halbstündigen Imagefilm, der zum Verkauf angeboten wurde. Als es um das Jahr 2000 von der modernen DVD abgelöst wurde, da hat Michael Mack das Potenzial des neuen Mediums erkannt: "Es war mir klar, das wir unbedingt etwas auf DVD haben mussten."

Und es musste sich vom bisherigen Produkt unterscheiden. Es gab zum ersten Mal Backstageberichte zu sehen, der Europa-Park ließ sich hinter seine Kulissen schauen: "Das ist eigentlich unüblich für einen Freizeitpark. Früher wurde den Kunden nur gezeigt, was zuvor schon 100 mal nachbearbeitet wurde." Die Illusion sollte nicht zerstört werden. Der 35-Jährige verschweigt nicht, dass er auch Widerstände in der Familie überwinden musste. Er sollte aber bestätigt werden: "Der Verkauf lief sehr gut, nach einem Jahr wusste jeder, dass es die richtige Entscheidung gewesen war."

"Wir müssen noch

mehr Content entwickeln:

Inhalt, Inhalt, Inhalt."

Michael Mack über die

zukünftigen Projekte
Die Anfänge von Mack Media waren klein, "wir haben anfangs aus der Garage heraus gearbeitet", erzählt Michael Mack, der während seines Studiums unter anderem bei Hubert Burda Media in Offenburg ein Praktikum absolviert hat. Das Personal hat er sich aus anderen Abteilungen "zweckentfremdet". 2002 wurde die Mack Media GBR gegründet, 2012 in eine GmbH & Co KG umgewandelt. Von der Garage ist die kleine Firma zumindest räumlich schon einmal aufgestiegen. Über eine schmale, steile Treppe geht es ins Dachgeschoss, man muss aufpassen, dass man sich nicht den Kopf anstößt. In dem kleinen Raum mit den Dachschrägen stehen zwei Computerarbeitsplätze, eingezwängt neben der Tür ist ein Minitonstudio untergebracht. Bald schon wird die Firma ein neues Büro beziehen. "Dann bekommt Mack Media den Stellenwert, die sie verdient", sagt Michael Mack. Immerhin: Vor einem halben Jahr hat die Firma ihren eigenen Elektrowagen bekommen.

Reinhold Lamers stellt gerade für die Fernsehsender Rohmaterial – sogenanntes Footage – zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Roland Mack zusammen, Fabian Primsch bearbeitet einen TV-Spot für die Schweiz. Matthias Schilling sitzt an seiner Seite und gibt Tipps. Der 32-jährige Herbolzheimer – Sohn des Bürgermeisters – arbeitet bereits seit zwölf Jahren im Europa-Park, hat dort ein duales Studium absolviert. Angefangen hat Schilling in der Pressestelle, war dann für die TV-Produktionen zuständig und landete schließlich vor drei Jahren bei Mack Media, bei der er die Bereiche Videos und Social Media verantwortet. Weitere Mitarbeiter sind Miriam Mack und Sina Krenz.

Die Aufgaben des Teams sind vielfältig: Es werden Werbespots und Eventfilme produziert, Berichte und Interviews gedreht, Erklärfilme für die Fahrattraktionen, Schulungsfilme für die Mitarbeiter, die diversen Facebook-Seiten werden mit Videos befüllt und der eigene Youtube-Channel befüttert. 13 000 Abonnenten hat der Europa-Park-You-Tube-Channel und elf Millionen Videoaufrufe. 80 bis 90 Prozent der Videos werden von Schilling & Co. selber produziert, etwa 15 bis 20 pro Monat, für die großen Projekte wird unter anderem der bekannte Regisseur Jan Reiff aus Offenburg hinzugezogen.

Die strategische Entwicklung nimmt bei der Arbeit zunehmend einen breiten Raum ein, rund um den Europa-Park werden bestehende Charaktere entwickelt oder neue geschaffen. Für die ganz kleinen Besucher gibt es zum Beispiel Zeichentrickfilme über die Quipse im Märchenwald, die Rustis sind eine Band mit eigener CD, das bisher größte Projekt war gemeinsam mit dem Digitalstudio Ambient Entertainment aus Hannover die Entwicklung des 4D-Films "Das Geheimnis von Schloss Balthasar". 2,5 Millionen Menschen haben den Film bislang gesehen, er wird mittlerweile in 15 Ländern vertrieben.

"Der Europa-Park wird

seine Seele nicht verlieren."

Michael Mack über die

neue "Arthur"-Attraktion
Der Europa-Park war in vielen Bereichen ein Vorreiter, andere Freizeitparks haben mittlerweile nachgezogen. Jetzt stellt sich für Mack die Frage: "Wo können wir uns wieder nach vorne drängen?" Die Antwort heißt für ihn: "Wir müssen noch mehr Content entwickeln: Inhalt, Inhalt, Inhalt." Das bedeutet zum Beispiel einen neuen 4D-Film – das Drehbuch wird gerade entwickelt –, die Weiterentwicklung der Europa-Park-App ist ein großes Projekt, Gamification – Spiele, die in den Warteschlangen der Attraktionen gespielt werden können, um die Zeit zu verkürzen, – ist für Mack ein wichtiges Thema, die Oculus-3-D-Brille, mit der digital Achterbahn gefahren werden könnte, findet er faszinierend, eine weitere Idee ist ein digitales "Arthur"-Fotoalbum fürs Smartphone.

Die Verbindung von digitaler mit analoger Welt will Michael Mack herstellen, wobei das Park-Erlebnis immer im Vordergrund stehen soll: "Es ist immer noch das Schönste, mit der Familie eine Show anzuschauen." Für ihn gilt deshalb: "Wir müssen das Eine tun und dürfen das Andere nicht lassen." Auch da hat er Überzeugungsarbeit in der Familie leisten müssen. Vater Roland hatte erst nicht daran geglaubt, dass die Euromaus als Figur auch im Ausland erfolgreich sein könnte. Als ihm sein Sohn aber einen Prospekt eines spanischen Freizeitparks gezeigt hat, auf dessen Titelseite die Euromaus abgebildet war, da war auch Roland Mack überzeugt. "Da wurde klar, was der Wert einer Marke ist", sagt Michael Mack.

Das gilt zum Beispiel auch für "Arthur und die Minimoys", die Filmreihe des französischen Regisseurs Luc Besson, nach deren Vorbild der Europa-Park eine neue Attraktion gebaut hat. "Wir hätten ,Arthur’ nicht gebraucht, um unsere Besucherzahl zu steigern, aber unser strategisches Ziel war es, den Europa-Park in Frankreich bekannter zu machen." Lizenzen bekannter Filmfiguren als Thema für Freizeitparks zu nutzen, ist seit einigen Jahren ein internationaler Trend, der Harry Potter-Freizeitpark der Universal Studios in Florida ist das eindrücklichste Beispiel. Michael Mack will aus dem Europa-Park aber keinen "Arthur"-Park machen: "Der Europa-Park wird seine Seele nicht verlieren.,Arthur’ soll für uns eine Ausnahme bleiben." Michael Mack erzählt dazu die Geschichte seines kleinen Sohnes, der zu ihm kam und sagte: "Die Euromaus hat einen neuen Freund." Michael Mack fragte: "Wer?". Sein Sohn antwortete: "Arthur".

Weitere Informationen unter http://www.mackmedia.de. Porträts, Berichte, Informationen, Fotos und Videos über den Europa-Park gibt es im Online-Dossier der Badischen Zeitung unter http://www.badische-zeitung.de/europa-park-rust.