Warm-Up

Vor dem Spiel gegen SC Freiburg: 1. FC Köln schwitzt in Schallstadt an

Moritz Lehmann

Von Moritz Lehmann

Sa, 11. Februar 2017 um 00:00 Uhr

Schallstadt

Der SC Freiburg hat am Sonntag den 1. FC Köln zu Gast. Zuvor bereiten sich die Kölner in Schallstadt vor. Dort freut man sich – und macht eigens für die Kölner den Rasen fit.

Nebel hängt über dem Platz des FC Wolfenweiler-Schallstadt (FCW), der Rasen ist feucht. Manfred Breßmer zeigt auf einen einsamen Storch, der dort nach Würmern sucht. "Mein Freund ist auch schon da", sagt der 78-jährige Platzwart beim FCW. Ein Hinweis darauf, warum in dieser Jahreszeit hier eigentlich nicht trainiert wird, sondern auf dem Kunstrasen nebenan. "Unsere Mannschaften spielen erst ab März wieder auf dem Rasen", sagt Breßmer. Trotzdem sitzt er jetzt auf seinem knatternden Rasenmäher.

Ehemaliger Köln-Profi holt den FC nach Schallstadt

Der Grund: Der Verein, dem Breßmer seit 1952 angehört, hat am Sonntag prominente Gäste. Bevor der 1. FC Köln am Sonntagnachmittag gegen den Freiburger SC antritt, kommt er nach Schallstadt – zum "Anschwitzen", also zum Aufwärmen vor dem Spiel. Weil im Dreisam-Stadion aber auch nicht auf Kunstrasen gespielt wird, möchte sich der Verein lieber auf echtem Gras warm machen.

Eingefädelt hat den Besuch der ehemalige FC Köln-Profi und jetzige Bahlinger SC-Trainer Alfons Higl, der in Wolfenweiler lebt.

Eine tolle Werbung für den Verein

Dessen ehemaliger Verein hatte sich bei ihm erkundigt, ob er einen Platz empfehlen könne. Higl befand den Platz des FC Wolfenweiler-Schallstadt für tauglich und wandte sich am Mittwoch an Werner Müller, den anderen Platzwart des FCW und dabei für den Kunstrasen sowie Organisatorisches zuständig. "Klar sagt man da zu", sagt dieser der BZ. "Das ist eine Riesenchance, da setzt man alles dran, dies möglich zu machen." Auch FCW-Vorstand Roland Beckert war sofort begeistert: "Für unseren Verein ist das eine tolle Werbung", sagt er der BZ. Vor allem für den Nachwuchs sei der prominente Besuch spannend.

Die Witterung macht das Mähen schwierig

Bei gutem Wetter dauert das Rasenmähen dreieinhalb Stunden, wegen der Nässe braucht Breßmer jetzt fast doppelt so lang für die Arbeit. Unter anderem, weil das feuchte Gras das Mähwerk immer wieder verstopft. Gleich am Mittwoch hat er sich für dreieinhalb Stunden auf den Rasenmäher gesetzt, und am Donnerstag nochmal für drei Stunden. Danach waren zumindest drei Viertel des Platzes nutzbar – mehr brauchen die etwa 18 Kölner Spieler gar nicht. Etwa eine Dreiviertelstunde werden sie auf dem Platz verbringen, und dort vor allem Lauf- und Torwarttraining machen. Die Kabinen werden sie gar nicht in Anspruch nehmen, sondern bereits in Trainingsklamotten per Mannschaftsbus anreisen, dann nur noch die Kickschuhe anziehen und im Anschluss gleich wieder abfahren.

Stammgäste haben Späßle im Sinn

Für den Verein ist das trotzdem ein besonderes Ereignis. Das Clubheim öffnet deshalb bereits um 9 Uhr, die Betreiberin Branka Lasic will vorsichtshalber ein paar mehr Brezeln und belegte Brötchen vorbereiten. Ihre beiden Töchter kommen am Sonntag extra aus Freiburg, um sie zu unterstützen. Das eine oder andere Späßle haben einige ihrer Stammgäste auch schon im Sinn: Man würde gerne einen Geißbock organisieren und diesen beim "Anschwitzen" spazieren führen. Ein Geißbock mit dem Namen Hennes ist das berühmte Maskottchen des 1. FC Köln.

Eine "Ehre" für den Schallstädter Verein

Auch wenn man in Schallstadt überwiegend zum SC Freiburg hält – der Vorsitzende Roland Beckert etwa ist dort seit 25 Jahren Vereinsmitglied – will man ein guter Gastgeber sein. "Zumindest bis Sonntag 17.30 Uhr", sagt FCW-Kassenwart Edgar Lupberger scherzhaft. "Dann wird die Gastfreundschaft für anderthalb Stunden ausgesetzt". Dann fügt er ganz ernsthaft hinzu: "Das ist eine große Ehre für uns." Besuch aus der ersten Liga habe man bisher nur vom SC Freiburg gehabt.
Info: Für die Öffentlichkeit zugängliches "Anschwitzen" des 1. FC Köln am Sonntag, 12. Februar, ab 9.30 Uhr auf dem Sportplatz in Schallstadt, Waldseemüller-Straße 1.

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