Integration? "Das läuft"

Michael Behrendt

Von Michael Behrendt

Mi, 06. Juni 2018

Schliengen

Diana Krüger kümmert sich in Schliengen derzeit um 77 Flüchtlinge / "Gute Integration nur mit gutem örtlichen Netzwerk".

SCHLIENGEN. Bei der Integration von Flüchtlingen auf kommunaler Ebene müssen etliche Rädchen gut geölt ineinandergreifen, damit sie funktioniert. Da ist Schliengen keine Ausnahme. Auch dort wird die Arbeit mit Flüchtlingen in der Anschlussunterbringung von mehrerem Seiten her bewältigt. Eine wichtige Rolle spielt dabei neben der Gemeinde und dem in Schliengen fest etablierten Helferkreis die Integrationsmanagerin Diana Krüger. Sie ist Diplom Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin (FH) und erfasst den aktuellen Stand der Flüchtlingsintegration kurz und bündig so: "Das läuft."

Diana Krüger ist seit Oktober 2017 beim Diakonischen Werk in Lörrach angestellt. Kurz darauf kam sie nach Schliengen, um die Arbeit als Integrationsmanagerin zu übernehmen. Grundlage dafür ist der Pakt für Integration, ein Förderprogramm des Landes, aus dem 40 Prozent ihrer 70-Prozent-Stelle im Schliengener Rathaus finanziert werden. 30 Prozent übernimmt die Gemeinde, sagt Diana Krüger, ihre Stelle ist auf zunächst zwei Jahre, also bis zum Oktober 2019, angelegt. Sie ist weiterhin bei der Diakonie und nicht bei der Gemeinde angestellt.

Seither kümmert sich die 38-Jährige, verheiratet und Mutter zweier Kinder, um gegenwärtig 77 Flüchtlinge. Zum überwiegenden Teil sind das Menschen aus den kriegsgeschüttelten Ländern Syrien und Afghanistan. Dabei arbeitet sie eng mit Jörg Korn von der Gemeindeverwaltung zusammen, mit dem sie sich den Fachbereich im Rathaus teilt. Er ist für die Unterbringung der Flüchtlinge und das Management der Gebäude, in denen sie leben, zuständig. Ebenso eng verzahnt ist ihre Arbeit mit der des ehrenamtlich tätigen Helferkreises. Gemeinde, Krüger und Helferkreis informieren sich regelmäßig gegenseitig und kommen alle zwei Wochen auf unterschiedlichen Ebenen zusammen. Auf weitere Zuweisungen von Flüchtlingen in die Anschlussunterbringung müssen sie sich nach Krügers Einschätzung für dieses Jahr nicht einstellen.

Diana Krüger, die in Dortmund Soziale Arbeit studiert hat, seit 2011 im Markgräflerland lebt und bis zu ihrer Elternzeit beim Jobcenter in Bad Säckingen gearbeitet hat, sucht ihre "Klienten", wie sie die Flüchtlinge nennt, in der Regel nicht auf. Sie kommen zu ihr. Auch so sollen sie Selbstständigkeit in einem fremden Land erlernen. Da geht es zunächst um die Feststellung, ob die Flüchtlinge Sprach- und Integrationskurse besuchen. Das Erlernen der deutschen Sprache ist enorm wichtig, damit die Integration gelingt. Wenn die Betreffenden noch keinen der erforderlichen Kurse besuchen, werden sie vermittelt, nach Müllheim zur Volkshochschule oder nach Lörrach in die kooperierenden Bildungseinrichtungen.

Außerdem geht es in den Kontakten zwischen der Integrationsmanagerin und den Flüchtlingen um Hilfe bei Behördengängen, die Kontaktaufnahme mit Ausländerbehörden sowie um Kontakte mit dem "Netzwerk vor Ort", wie es Krüger nennt. Gemeint sind damit etwa Ärzte und Vereine. Ebenso geht es im Zusammenhang mit Ausbildung und Arbeit um die Vermittlung zur Einrichtung Projektverbund Baden. Zusammengefasst kann man sagen, dass sich Diana Krüger um den rechtlichen und sozialpädagogischen Bereich der Flüchtlingsintegration kümmert.

Der ehrenamtliche Helferkreis hingegen ist Krügers Definition zufolge für die konkrete Integration der Menschen vor Ort zuständig. Während die Flüchtlinge zu Diana Krüger kommen, gehen die Helfer zu den Flüchtlingen. Denn die kennen die Verhältnisse vor Ort am besten. Die Tätigkeiten von Diana Krüger, Jörg Korn und dem Helferkreis ergänzen sich also. Und man hilft sich: Als Diana Krüger kürzlich keine Zeit hatte, eine Flüchtlingsfamilie zum Arzt zu begleiten, übernahm dies der Helferkreis. Und dabei erfuhr jene Familie wie das mit einer Busfahrt zum Arzt funktioniert.

Diana Krüger: "Eine gute Integration funktioniert nur mit dem guten örtlichen Netzwerk." Kein Wunder, dass die Integrationsmanagerin froh ist, dass es den Helferkreis gibt (siehe dazu auch den BZ-Beitrag auf dieser Seite vom 4. Mai). Der fängt einiges auf, weiß sie. Außerdem weiß sie, dass sich der Kreis im Laufe der Zeit eine spezielle Kompetenz angeeignet hat, etwa in einer Sprachgruppe. Übrigens sucht der Helferkreis nach weiteren Mitstreitern.

Diana Krüger stellt fest: Die Kooperation mit dem Helferkreis läuft "super" und reibungslos bei der Kommunikation. Auch die mit der Gemeinde laufe gut, weil sie einen direkten Draht zu Jörg Korn hat. Und die Flüchtlinge? Die sind alle kooperativ, sagt Krüger. Es sind viele darunter, die Wert auf Integration legen und sich aktiv beteiligen. Die Sprachenkompetenz hat spürbare Fortschritte gemacht. In Schliengen, sagt Krüger, gibt es keinen Flüchtlingsfall, der ihr "Bauchschmerzen" bereiten würde.

Ihre Arbeit hat sich also gut fortentwickelt. Ebenso die des Helferkreises, wie Krüger feststellt. Anfangs hatte der Kreis viel im Zusammenhang mit Behördengängen zu tun. Jetzt konzentriert er sich auf die eigentliche Integrationsarbeit. So soll sich ein Café International für die Flüchtlinge etablieren. Bisher hat es einmal im katholischen Pfarrsaal in Schliengen stattgefunden – und kam gut an. Am 22. Juni soll es zum zweiten Mal öffnen.

Kontakt: Diana Krüger, Diakonie, Rathaus, Zimmer 6, Tel. 07635/310942 (Integration), Jörg Korn, Rathaus, Zimmer 2, Tel. 07635/310917 (Unterbringung). Verein Hilfe für Flüchtlinge Schliengen, Internet: http://www.hilfe-für-flüchtlinge-schliengen.de