Zur Untätigkeit verdammt

Silke Hartenstein

Von Silke Hartenstein

Mo, 13. November 2017

Schliengen

Der Verein Bürgerwindrad Blauen musste auf seiner Mitgliederversammlung eine durchwachsene Bilanz ziehen.

SCHLIENGEN-OBEREGGENEN. Weil man mit Blick auf die gewünschte Windkraft am Blauen zum Abwarten gezwungen sei, konnte der Verein Bürgerwindrad Blauen auf seiner Mitgliederversammlung am Freitag nur eine durchwachsene Bilanz über das vergangene Jahr ziehen. Für 2018 plant der Verein, die Zusammenarbeit mit weiteren regionalen Genossenschaften zu vertiefen.

"Wir hadern damit, dass wir nicht tätig werden können", so Vorstandssprecher Kurt Mayer. Denn die Anfragen des Vereins zum Stand der Teilflächennutzungspläne Windkraft an die Gemeindeverwaltungsverbände Schliengen-Bad Bellingen und Müllheim-Badenweiler würden abgeblockt mit der Begründung, die Verfahren liefen. Im Sommer 2016 war im Schliengener Gemeinderat eine Studie zu den vier Windkraftstandorten Blauen, Streitblauen, Leideck und Ameisenbuck präsentiert worden. Ihr Fazit lautete, die Schutzgebietsverordnung könne an keinem der genannten Standorte aufgehoben werden. Das Umweltamt des Landratsamtes Lörrach teilte diese Einschätzung mit Blick auf die Standorte Blauen und Streitblauen nicht. Dennoch, so Vorstandssprecher Mayer, gäbe es bis heute keine verbindlichen Flächennutzungspläne: "Wir sind nicht weiter als vor sechseinhalb Jahren". Auch bedauerte Mayer das Ausscheiden der Gemeinde Bad Bellingen aus dem Verein mit 256 Mitgliedern, dessen Ziel es ist, Bürgerwind- räder auf dem Hochblauen zu fördern. Dennoch habe der Verein Bürgerwindrad Blauen (BwB) in 2017 die Windgeschwindigkeitsmessung am Streitblauen fortgeführt.

Weitere Vereinsaktivitäten im vergangenen Jahr waren die Besichtigungen des EWS-Windparks in Schopfheim-Gersbach, im März referierte Heiko Rüppels über die "Regionale Energiewende durch Windenergieanlagen" in Kandern und die gut besuchten Podiumsdiskussion im August in Schliengen zu Klimawandel und Energiewende, an der die sechs Bundestagskandidaten des Wahlkreises Lörrach-Müllheim eingeladen waren. Seit Oktober ist BwB dem im März 2017 gegründeten Verein für eine nationale CO2-Abgabe beigetreten. Die Öffentlichkeitsarbeit sowie die Förderung der Lidar-Messungen hätten den Kassenstand verringert, dennoch verfüge der Verein über ein gutes finanzielles "Polster".

Auch wenn sie in Sachen Blauenwind-räder abwarten müsse, war die Genossenschaft Bürgerwindrad Blauen Erneuerbare Energien eG aktiv, wie deren Vorstände Peter Schaladja und Manfred Steinbach berichteten. Seit 2014 läuft eine Solarstromanlage in Kandern. Ende August 2017 kam eine auf der ehemaligen Mülldeponie in Rheinfelden-Herten dazu. Daran sei die Genossenschaft mit 25 Prozent beteiligt, die Wirtschaftlichkeitsberechnung sei bereits im September und Oktober übertroffen worden. Überhaupt, so Schaladjas, zeichne sich 2018 erstmals ein Gewinn ab, zu früh aber sei es für Ausschüttungen. Da man gemeinsam stärker sei, kündigte Steinbach an, "die Zusammenarbeit mit weiteren Genossenschaften in der Region suchen".

Zur Lidar-Windmessung am Streitblauen sagte Schaladja, deren Ergebnisse sollten ihre Position bei einer Ausschreibung verbessern, seien daher geheim, doch die Messdaten für ein bankfähiges Gutachten lägen nun vor. Weitere Lidar-Messungen erfolgten auf dem Gebiet Wasen auf Gemarkung Malsburg-Marzell. Dort werde der Bau von vier Windkraftanlagen angestrebt mit Unterstützung der Windkraft Schonach (WKS). Diese, so Steinbach, werde sich um Planung, Verträge mit Grundstückseigentümern und den Bau kümmern, geplant sei ein gemeinsamer Betrieb mit BwB eG, EWS und Bürger-Energie Südbaden.

Die Messergebnisse am Wasen liegen laut Steinbach am unteren Limit, seien jedoch vertretbar. 2018 folgen weitere Messungen, dann per Messmast, für 2020 rechnet er mit dem Baubeginn. Derzeit warte man auf die Ausschreibung des Standorts durch die Forst BW. Allerdings bestehe der Landesminister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Hauk, derzeit auf 1000 Meter Abstand von Windkraftanlagen zu Gebäuden, so Schaladja.

Bestätigt in ihren Ämtern wurden Kurt Mayer (Vorstandssprecher), Petra Kilchling-Hoffmann (Kassiererin), Hans Happle (Beisitzer), Georg Hoffmann tritt als Vorstandsprecher die Nachfolge von Bernhard Genswein an, neuer Schriftführer ist Martin Buchholz. Neue Beisitzer sind Martin Schiestl und Ralf Lacher und ab Frühjahr 2018 Manfred Steinbach.

Weitere Informationen unter buergerwindrad-blauen.de