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15. November 2017

Für G9-Zug die Weichen auf Weiterfahrt gestellt

Gemeinderat befürwortet Verlängerung des Schulversuchs am Theodor-Heuss-Gymnasium / Bei zu vielen Anmeldungen: Vorrang für Schüler der Verwaltungsgemeinschaft.

  1. Klare Tendenz: Wo Schüler die Wahl zwischen G8 und G9 haben, entscheiden sich die meisten für den neunjährigen Weg zum Abitur. In Schopfheim gibt es seit 2014/15 nur noch G9-Klassen. Foto: A. Weigel (dpa)

SCHOPFHEIM. Die Weiterfahrt des G9-Bildungszugs am Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) ist aufgegleist: Der Gemeinderat gab am Montag grünes Licht für eine Verlängerung des Schulversuchs. Damit ist das THG weitere fünf Jahre lang eine von nur 44 Schulen in Baden-Württemberg, die den neunjährigen Weg (G9) zum Abitur anbietet. Allerdings wurde auch nochmal deutlich: Eine räumliche Erweiterung des THG ist kein Thema. Es gilt für Anmeldungen weiter eine jährliche Obergrenze von 150 Schülern.

Über was wurde entschieden? Zum Schuljahr 2013/14 war das THG mit dem Segen der Stadt auf den G9-Zug aufgesprungen. Seitdem kann das THG – wie 43 weitere Modellschulen im Land Baden-Württemberg – das "Turbo-Abitur" in acht oder eben Abitur in neun Jahren anbieten. Die Landesregierung bietet nun diesen 44 Schulen die Option, den Schulversuch um weitere fünf Jahre zu verlängern. Mit ein Grund dafür ist, dass sich an den 44 Versuchsschulen die Schüler größtenteils für G9 entscheiden, so auch in Schopfheim. Hier ist die Nachfrage nach G9 so groß, dass es seit dem Schuljahr 2014/15 nur noch G9 gibt, weil das Interesse an G8 zu gering ist.

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Um die jetzt angebotene Verlängerungsoption ziehen zu können, muss der Schulträger – in diesem Fall die Stadt Schopfheim – allerdings eigens einen Antrag stellen. Dieser stand nun auf der Tagesordnung des Gemeinderats – und wurde einhellig befürwortet (bei einer Enthaltung). So schloss sich der Gemeinderat der Auffassung der Stadtverwaltung an, dass eine "Weiterführung des G9-Zugs logische Konsequenz ist und der Rolle Schopfheims als Schulstandort im Mittelzentrum gerecht wird". Zumal es nicht nur Vorteile für das THG, sondern auch für die Gemeinschaftsschule (Friedrich-Ebert-Schule) hat: Bei einem neunjährigen Weg zum Abitur können Gemeinschaftsschüler nach ihrem Abschluss auf diesen Bildungszug des THG aufspringen und das allgemeinbildende Abitur machen.

Debatte: Die Verlängerung des Schulversuchs an sich war im Gemeinderat unumstritten. Wohl aber gab es mahnende Stimmen mit Blick darauf, dass G9 die Schule für auswärtige Schüler zusätzlich attraktiv macht. Das belegen die aktuellen Zahlen: 49 Prozent der 1045 Schüler am THG sind direkt aus Schopfheim, wie Jürgen Sänger (Leiter Fachbereich Bürgerservice und Ordnung) erläuterte. 13 Prozent kommen aus Gemeinden der gemeinsamen Verwaltungsgemeinschaft (Hausen, Maulburg, Hasel). 14,5 Prozent kommen aus Wehr, zehn Prozent aus Steinen, 3,5 Prozent aus Rheinfelden, 3,4 Prozent aus dem Kleinen Wiesental und einige wenige Schüler aus Schwörstadt, Zell, Grenzach-Wyhlen und Lörrach.

Im März hatte der Gemeinderat auch deshalb eine Obergrenze für Neuanmeldungen beschlossen – maximal 150 Schüler dürfen demnach neu aufgenommen werden (also höchstens fünf neue Klassen). Mehr gibt das Raumangebot nicht her. Oder anders gesagt: Bei höheren Zahlen müsste die Schule erweitert werden – das aber soll tunlichst vermieden werden. Doch stellt sich da die Frage: Wie genau soll die Einhaltung der Obergrenze geregelt werden? Das wollte unter anderem Teresa Klein (SPD) wissen, die sich erkundigte, wie so ein Auswahlverfahren konkret aussehen soll.

Bürgermeister Christof Nitz teilte mit, dass für den Fall, dass tatsächlich die Anmeldezahlen die Obergrenze übersteigen sollte, Schülern aus Schopfheim und den Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft der Vorzug gegeben werden soll sowie Schülern aus Wehr – einfach weil es "gute Tradition" sei, dass Schüler aus Wehr aufs THG gehen. Hildegard Pfeifer-Zäh (Freie Wähler) gab zu bedenken, dass so eine Regelung womöglich nicht mit der freien Schulwahl vereinbar sein könnte, es gäbe da aktuell in Deutschland ein schwebendes Verfahren und deshalb eine gewisse "Rechtsunsicherheit". Nitz indes hält eine Gebietsregelung für einen begründbaren und vermittelbaren Ansatz. Im Übrigen sei es ohnehin schwierig, vorherzusagen, wie sich die Anmeldezahlen entwickeln – die Stadt geht derzeit davon aus, dass diese in den nächsten Jahren zwischen 120 und 144 schwanken. Genauso schwierig sei es abzusehen, wie es generell mit G9 weitergeht – so wies Thomas Gsell (SPD) darauf hin, dass Bayern gerade zum G9 zurückkehre, hingegen in Baden-Württemberg Bildungsministerin Susanne Eisenmann einen solchen Schritt ablehne. Dazu Nitz: "Das ist ein Blick in die Zukunft mit ungewissem Ausgang."

Autor: André Hönig