"Gemeinsam den letzten Weg gehen"

Marlies Jung-Knoblich

Von Marlies Jung-Knoblich

Fr, 07. Juli 2017

Schopfheim

Ehrenamtliche Mitarbeiter der Hospizgruppe Schopfheim erzählen, warum sie sich engagieren und für eine Ausbildung entschieden haben.

SCHOPFHEIM. Wer sich ehrenamtlich für die Schopfheimer Hospizgruppe einsetzt, hat sich diesen Schritt genau überlegt. Allein die Ausbildung, die zur Mithilfe im Hospiz berechtigt, ist zeitintensiv und erfordert persönliche Kraft. Gleich im Anschluss machen die Ehrenamtlichen noch ein Praktikum. In einer Gesprächsrunde im Diakonischen Werk, dem die ambulante Hospizgruppe angeschlossen ist, erzählten erfahrene Ehrenamtliche, aber auch Neueinsteiger, weshalb sie sich für die Sterbebegleitung anderer Menschen entschieden haben.

Fast alle haben bereits im persönlichen Umkreis mit dem Tod zu tun gehabt, sei es im Familien- oder im engen Freundeskreis. Agnes Huber aus Maulburg ist jetzt Rentnerin, war von Beruf Krankenschwester. Und der ließ ihr wenig Zeit, sich intensiv um die Patienten zu kümmern. Genau das kann sie bei der Sterbebegleitung jetzt tun.

Monika Bläsi aus Präg ist voll berufstätig, und doch möchte sie ihre freie Zeit Menschen geben, die sterben müssen – "wie auch deren Angehörigen", sagt sie. Sie ist abends und an Wochenenden in Sachen Hospiz im Einsatz. Sabine Kiefer aus Muggenbrunn ist in der Altenbegleitung tätig und hat dabei erste Erfahrungen mit Sterbenden gemacht.

"Ich wollte mehr darüber erfahren, um besser zur Seite stehen zu können", erzählt sie. Monika Stöcklin aus Schopfheim hat 2009 ihre Ausbildung zur Sterbebegleiterin gemacht. "Ich wollte im Ruhestand etwas machen, was ich selbst einmal erfahren werde", erzählt sie. "Wie gehen Menschen mit dem Alter und mit dem Sterben um?"

Die sieben Jahre Hospizarbeit hätten ihr Leben sehr bereichert, sagt Monika Stöcklin. Und sie nehme etwas die Angst vor dem eigenen Tod. Friederike Schweigler aus Steinen ist von Beruf Sozialarbeiterin und hat die Ausbildung 2013 gemacht. Der Tod gehöre zum Leben dazu, sagt sie. Das habe sie auch im Familienkreis erlebt. "Ich gebe für die Hospizarbeit von meiner Zeit, gewinne aber etwas für mich selbst", erklärt Friedrike Schweigler. Sie macht derzeit einen Kurs zur Koordinatorin und ist begeistert von der Ambulanten Hospizgruppe. "Wir nehmen einander so an, wie wir sind", hat sie erlebt. "Wir lernen uns in die Tiefe gehend kennen und haben eine Verbindung zueinander, die intensiv ist", sagt Friederike Schweigler. Bärbel Parblies aus Zell hat ihre Mutter beim Sterben begleitet, was für sie eine sehr wertvolle Erfahrung gewesen sei. Begleitet habe sie auch zwei ihrer besten Freundinnen. Die Altenbetreuerin begleitet im Altenheim Bewohner, die im Sterben liegen. "Ich gehe mit ihnen gemeinsam den letzten Weg."

Derzeit sind es 36 Ehrenamtliche

Bislang hat Bärbel Parblies zwar praktische Erfahrung, aber noch keine Hospiz-Ausbildung. "Ich bin noch ein Greenhorn", gesteht sie. Im September wird sie mit der Ausbildung beginnen.

Von den derzeit 36 Ehrenamtlichen, darunter etliche neue, sind lediglich fünf Männer, sagte Lore Barnet, die Leiterin der Ambulanten Hospizgruppe. Zwei davon sitzen mit in der Runde. Edwin Seger aus Häg-Ehrsberg ist jetzt Rentner und hatte immer schon mit Menschen zu tun. Er wollte etwas Ehrenamtliches machen, was sinnvoll sei und Menschen helfe. Weil Maschinenschlosser Jörg Würger bereits als Sterbebegleiter bei Freunden und Bekannten dabei war, habe er sich mit dem Tod auseinandergesetzt, erzählt er. Er hat seine Ausbildung gerade hinter sich.

"Es ist tatsächlich eine Ausbildung, die sehr viel Wissen vermittelt, intensiv ist und Engagement abverlangt", sagt Karin Racke, stellvertretende Geschäftsführerin des Diakonischen Werks der evangelischen Kirchenbezirke im Landkreis Lörrach und Fachgebietsleiterin in Schopfheim. Übers Jahr verteilt werden 80 Stunden Theorie vermittelt, in der Regel vier Mal 20 Stunden von freitags bis sonntags in einem Kompakt-Seminar. Danach wird noch ein Praktikum mit 40 Zeitstunden absolviert, für das Altenheime, Krankenhäuser oder Sozialstation in Frage kommen. "Man teilt sich diese Zeit ein, wie es Beruf oder andere Verpflichtungen zulassen", sagt Lore Barnet. Die Kosten für die Kurse werden vom Diakonischen Werk übernommen, die Unterkunft zahle jeder Kursteilnehmer selbst, erklärt Karin Racke, denn die Kompaktseminare finden nicht in Schopfheim statt. Sie werden fachspezifisch angeboten, können schon mal in Bühl, Schramberg oder anderswo sein. Vom Praktikum werde ein Bericht angefertigt, den sich der Ausbilder ansehe.

Theorie sei schön und gut – vorm ersten Einsatz hatte Friederike Schweigler dennoch eine gehörige Portion Lampenfieber. Die Praxis erfordere eine hohe Kompetenz und die nötige Sensibilität, sich in die Person hineinzuversetzen.

Obwohl sich derzeit 36 Ehrenamtliche engagieren, ist Lore Barnet über weitere Mitstreiter(innen) froh. Das Angebot der ambulanten Hospiz sei kostenlos und unterliege der Schweigepflicht.

Spenden sind jederzeit hochwillkommen

Sie beobachtet immer wieder, dass Angehörige von Sterbenden eine Hemmschwelle haben, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Dabei könne gerade durch diese Unterstützung viel Stress vermieden werden. In der Ausbildung werden auch Kenntnisse über Demenzerkrankung vermittelt. Die Gespräche mit Angehörigen seien ebenfalls ein ganz wichtiger Faktor bei der Sterbebegleitung.

Lore Barnet erzählt, dass sie seit 2000 in der Ambulanten Hospizgruppe ist und vor sechs Jahren die Einsatzleitung übernommen hat. Sie habe ihre Mutter beim Sterben begleitet, was bei ihr den Samen für die Arbeit in der Hospiz gelegt habe. Durch eine Freundin sei sie dann hinzugekommen. Lore Barnet bedauert, dass es keine Palliativplätze in der Nähe gebe. Der Gesetzgeber fördere inzwischen die Hospiz und den Palliativbereich, sagt Karin Racke. Und doch reicht das Geld nicht aus, alle Erfordernisse abzudecken. "Spenden sind jederzeit hochwillkommen", so Lore Barnet.

Hospizgruppe Schopfheim:

Träger: Diakonisches Werk

Kontakt: Lore Barnet, Einsatzleitung; Tel. 07622/697596-50
E-Mail: hospiz-schopfheim@gmx.de
Internet: http://www.diakonie-loerrach.de