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25. Januar 2017

"Große Ernüchterung"

Abschlussbericht über das Forschungsprojekt "Dezent Zivil" (Windpark Gersbach) im Gemeinderat.

  1. Auf gute Animationen und verständliche Dokumente legten die Mitarbeiter des Forschungsprojektes „Dezent Zivil“ wert. Foto: Screenshot

SCHOPFHEIM. "Dezent Zivil" heißt das vom Bund mit 800 000 Euro finanzierte Forschungsprojekt, das speziell die Stadt Schopfheim und die Gemeinde Hasel bei der Windkraftplanung begleitete und sie in ihrem Bemühen unterstützen sollte, Konflikte um die geplanten Windenergieanlagen sachlich zu klären. Im Gemeinderat gab Konrad Götz (Institut für sozial-ökologische Forschung Frankfurt) hierzu einen Abschlussbericht.

Der finanzielle Aufwand sei nicht zuletzt deshalb so hoch, weil gute Animationen die Dokumente bestückten. Nicht jedes Unternehmen sei dazu in der Lage, erklärte der Referent. Auch handle es sich um empirische Untersuchungen, die wiederum in andere Forschungsvorhaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung einfließen sollen, erklärte Konrad Götz. Für Gersbach – wie auch für Hasel – sei es das Ziel gewesen, die Konflikte um dezentrale Anlagen erneuerbarer Energien (Windkraft) zu verstehen und die Bevölkerung frühzeitig ins Verfahren einzubeziehen. "Eine Auflösung der Konflikte im Sinne einer Mediation war nicht vorgesehen", verdeutlichte Götz. Erfolgreich gesucht worden war eine Bürgervertrauensperson zur Stärkung der Prozesslegitimität. Angenommen worden seien die Gruppendiskussionen mit Expertengesprächen.

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Zwei Telefonbefragungen zum Windpark

Zwei Telefonbefragungen, die zweite mit rund 500 Gesprächsteilnehmern, davon 220 aus der Stadt Schopfheim, gaben im Detail Auskunft. Über die erste Befragung wurde bereits berichtet; Konrad Götz stellte im Gemeinderat am Montagabend die Ergebnisse der zweiten Befragung in den Vordergrund. Es zeigt sich, dass ältere Menschen über das Projekt besser informiert seien als jüngere. Während sich die persönliche Betroffenheit durch den Windpark in der Stadt Schopfheim eher in Grenzen hält (64 Prozent eher nicht), sei sie in Gersbach sogar noch einmal gestiegen (von 88 auf 90 Prozent).

Wissen wollten die Projektforscher von "Dezent Zivil" auch, ob es einen Unterschied macht, wenn Bürger(innen) ihre Meinung bei der Planung einbringen können. "Da hat eine große Ernüchterung stattgefunden", meinte Konrad Götz.

Im Vergleich zur ersten Befragung (70 Prozent) waren bei der zweiten Befragung noch 40 Prozent davon überzeugt, dass die Windstärke falsch prognostiziert worden sei; gestiegen allerdings sei der Eindruck, dass das Landschaftsbild beeinträchtigt werde (von 56 auf 57 Prozent). Dass von Windrädern Gesundheitsgefahren ausgehen, glaubten nur noch 28 Prozent (vorher 48 Prozent); allerdings seien die Prozentsätze bei der Beantwortung der Fragen in Gersbach um einiges höher. Das betreffe nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Landschaft und die persönliche Betroffenheit. In Gersbach meinten die Befragten, dass es sich beim Thema Windkraft um normale Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Bevölkerung handele. Ob sich das Dorf in zwei Lager gespalten habe, beantworten 40 Prozent mit Ja. In Gersbach sei "Dezent Zivil" von über 80 Prozent wahrgenommen worden, in der Stadt von 32 Prozent, beobachtete Konrad Götz. Der Konflikt, der mit dem Windpark zu tun hatte, sei sehr klar ausgesprochen worden.

Artur Cremans (SPD) wollte von Gersbachs Ortsvorsteher Christian Walter wissen, ob der Einsatz von "Dezent Zivil" dem Ortsteil geholfen habe. "Ja, aber zu spät", so Christian Walter. Die Bevölkerung sei zu spät eingebunden worden: "Da war alles schon entschieden."

Autor: Marlies Jung-Knoblich