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07. Januar 2009

"Landrat verspielt Glaubwürdigkeit"

Harsche Kritik des Ärztenetzes Mittleres Wiesental an Chirurgie-Verlegungsplänen / Heute Gespräch zur Klinik-Zukunft.

SCHOPFHEIM. Eine Amputation der Chirurgie in Schopfheim? Für das Ärztenetz Mittleres Wiesental wäre das Vertragsbruch und das Ende der Glaubwürdigkeit des Landrats. Dieser lädt heute nichtöffentlich zum Gespräch zur Klinik-Zukunft ein. Die Gemeinderäte sind entgegen bisheriger Gepflogenheit nicht eingeladen – ebensowenig Ärztenetzsprecher Dr. Fritz Lenz.

"Wir Schopfheimer sind halt etwas rebellischer. Wahrscheinlich sind wir deshalb nicht eingeladen", so der süffisante Kommentar von SPD-Fraktionschef Artur Cremans gestern am Rande des SPD-Dreikönigshocks (siehe auch Seite 18). Auch Ärztenetzsprecher Dr. Fritz Lenz steht nicht auf der Teilnehmerliste. Seine Meinung zu den Plänen des Landrats macht das Netz gleichwohl einen Tag vor dem Gespräch kund. Und die ist deutlich. So habe der Landrat "mit seinem der Presse gegenüber vorgestellten Plan, das Wahrzeichen des Schopfheimer Krankenhauses, die Hand- und Plastische Chirurgie nach Rheinfelden zu verlegen, seine Glaubwürdigkeit endgültig verspielt."

Würde das Chirurgieangebot tatsächlich verlegt, sei das ein Bruch des Vertrags, geschlossen bei der Übergabe des ehemals Städtischen Krankenhauses Schopfheim an den Landkreis. In dem heiße es wörtlich: "Der Landkreis verpflichtet sich, die derzeitige Versorgungsstufe für die Raumschaft zu erhalten, beziehungsweise nach dem ihm gegebenen Möglichkeiten auszubauen."

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Ein solcher Plan auch ein Wortbruch mit Blick auf alle Zusagen und Versprechungen, die der Landrat als Aufsichtsratsvorsitzender der Kliniken GmbH dem Bürgermeister und dem Schopfheimer Gemeinderat, dem Krankenhausförderverein und dem Ärztenetz gegeben habe. "Was nützt unseren Patienten Schneiders Bekenntnis zu den drei Standorten und zu einer bevölkerungsnahen medizinischen Versorgung, wenn die Kreiskrankenhäuser in Schopfheim und Rheinfelden systematisch kaputt gespart werden. Wir fragen uns, ist es betriebswirtschaftliche Unfähigkeit von Geschäftsführung und Aufsichtsratsvorsitzendem, oder Absicht?", heißt es in der Stellungnahme.

Aufsichtsrat und Kreistag müssten diesem Treiben schleunigst ein Ende setzen. Es könne nicht sein, dass "annähernd 100 Millionen Euro in den Lörracher Weg gesteckt und dafür in Rheinfelden und Schopfheim die Stellen so gestrichen werden, dass in Schopfheim das nötige OP- und Anästhesie-Personal fehlt und in Rheinfelder sogar die innere Abteilung zugemacht werden muss." Offenbar, so das Ärztenetz, "wollen Kliniken-Geschäftsführer Ahlbrecht und Landrat Schneider nicht verstehen, dass die Attraktivität von Kliniken vor allem am Ruf ihrer Chef- und Oberärzte hängt." Es sei "ein Skandal", dass viele Ärzte wegen den sich stetig verschlechternden Arbeitsbedingungen in den Kreiskliniken von sich aus den Hut genommen haben.

Was das Ärztenetz dabei nicht versteht, ist "dass Aufsichtsrat und Kreisräte diesen Qualitätsverlust kommentarlos hinnehmen." Der Kreis mache sich bundesweit lächerlich, wenn der ärztliche Nachrichtendienst meldete, dass dem Rheinfelder Krankenhaus die Ärzte davonlaufen.

Der Geschäftsführer in Rheinfelden und Schopfheim unternehme offenbar alles, "dass in diesen beiden Häusern die Einnahmen wegbrechen" – nur um dann in der Öffentlichkeit den Eindruck vermitteln zu können, dass hier untragbare Millionen-Defizite eingefahren würden. "In Wahrheit hat Schopfheim noch 2007 schwarze Zahlen geschrieben, 2008 ist noch nicht abgerechnet." Schopfheim sei das mit Abstand wirtschaftlichste Haus der Kliniken-GmbH gewesen. Geändert habe sich das erst, als es "unter der Regie von Geschäftsführer und Wissen des Aufsichtsratsvorsitzenden scheibchenweise abgewrackt wurde". Das sei vermutlich auch der Grund, warum der Landrat unter allen Umständen eine öffentliche Diskussion über die Zustände in den Kreiskliniken vermeiden wolle. Allerdings akzeptiere das Netz den Maulkorb nicht länger, "weil fast alle, uns hinter verschlossener Türe gegebenen Versprechungen, nicht eingehalten wurden."

Ärztenetz: Nur öffentlicher Druck kann noch etwas bewirken

Nur öffentlicher Druck auf Geschäftsführer und Aufsichtsratsvorsitzenden könne noch etwas Positives bewirken. Die Forderungen des Ärztenetzes sind eindeutig: "Für Schopfheim die Beibehaltung einer chefarztgeführten Allgemein-, Hand- und Plastischen Chirurgie mit Wiederaufstockung der Anästhesie sowie des chirurgischen und anästhetischen Assistenz-Personals neben einer chefarztgeführten inneren Abteilung mit Ausbau des Diabetes-Zentrums."

Für Rheinfelden fordert das Netz "die Beibehaltung einer chefarztgeführten inneren Abteilung und den Ausbau der chirurgisch-orthopädischen Abteilung. Auch hier ist die Wiederaufstockung wie in Schopfheim unumgänglich." Wichtig sei, "dass die Häuser in Rheinfelden und Schopfheim personell in die Lage versetzt werden, das zu zeigen, was sie leisten können."



Autor: André Hönig