Nahrung für Gemüt und Seele

Katharina Maß

Von Katharina Maß

Mo, 20. Februar 2017

Schopfheim

Die BZ war am Samstag beim monatlichen Frühstück der Initiativgruppe "Leben mit Demenz im Wiesental" zu Besuch.

SCHOPFHEIM. Trotz Demenz einfach eine schöne Zeit erleben – zusammen mit anderen Betroffenen, aber auch mit Angehörigen. Das ist das Ziel des monatlichen Frühstücks mit Programm der Initiativgruppe Leben mit Demenz im Wiesental in der Alten Scheune. An diesem Samstag waren die Fahrnauer Düfzelgeister und der Schopfheimer Statthalter "Öhrly vom Bugg" mit Gefolge zu Besuch. Die BZ nutzte diesen Anlass, sich einmal selbst ein Bild von diesem besonderen Frühstück zu machen.

Die Tische im Raum der Alten Scheune waren farbenfroh geschmückt und mit Fasnachtsdeko, Luftschlangen und Blumen dekoriert. An mehreren Tischen fanden sich Gruppen zusammen und schnell erfüllte munteres Plaudern den Raum.

Seit Oktober 2014 gibt es das Projekt, bei dem sich Menschen mit und ohne Demenz, Angehörige und andere Interessierte zum Frühstücken treffen. Im Schnitt nehmen mindestens 19 Personen teil, erzählt Monika Bringe, die zusammen mit Chantal Jansen die Idee entwickelt hatte und die nun gemeinsam mit zehn Frauen, alle mit beruflicher Erfahrung in der Pflege, einmal im Monat dieses Treffen organisiert. Das Ziel: Demenzerkrankte sollen mit ihren Ehepartnern und Angehörige zusammen eine schöne Zeit erleben. Dazu gestaltet das Team ein Programm, bei dem die Anwesenden aktiv mitmachen können – in der Art und Weise, wie sie wollen. "Jeder ist, wie er ist, und er ist gut, so wie er ist", erklärt Monika Bringe das Konzept.

Meistens wird bei dem zweistündigen Frühstück zuerst gemütlich gegessen, dann gibt es ein unterhaltsames Programm, wobei das Motto oft der Jahreszeit angepasst wird. Es wird gesungen, getanzt oder auch mal einer Märchenerzählung gelauscht. Bei diesem Termin nun am Samstag war das Frühstück besonders gut besucht. Das Motto hieß Fasnacht – und mehr als 40 Personen nahmen teil. Die Besucher kamen aus ganz unterschiedlichen Orten: Einige aus Schopfheim, andere aus Steinen, Zell oder auch Rheinfelden und Grenzach-Wyhlen. Viele von ihnen sind Stammgäste.

Zuerst marschierten zwei Fahrnauer "Düfzelgeister" ein und veranstalteten mit ihren Rätschen Getöse. Auf Alemannisch erzählten sie den aufmerksam zuhörenden Anwesenden etwas über ihre 1962 gegründete Masken- und Männergruppe. Etwa, dass die Rätschen eigentlich im Weinbau verwendet wurden, um Vögel aus den Reben zu vertreiben. Was ihre Masken angeht, so wird jede individuell aus Lindenholz hergestellt. Das Häs greift die Farben des Waldes auf. Nachdem sich die zwei "Düfzelgeister" verabschiedet hatten, begrüßte Monika Cambeis vom Organisationsteam den Schopfheimer Statthalter "Öhrly vom Bugg", der mit seinem Gefolge ebenfalls zu musikalischen Klängen einlief und auf Alemannisch etwas zu seinen Aufgaben erzählte.

Nach dem anschließenden ausgiebigen Frühstück sangen die Anwesenden gemeinsam Lieder und schunkelten zur Musik. Die Stimmung wurde immer fröhlicher und ausgelassener, eine Polonäse wurde gestartet, die Besucher bildeten einen Tanzkreis, einige tanzten auch pärchenweise. Auch wenn einige Teilnehmer Mühe haben mit dem Erinnern, mancher auch mit dem Sprechen: Bei den gemeinsamen Liedern zeigte sich eine große Textsicherheit und viele sangen freudestrahlend mit. Überhaupt sah man durchweg strahlende Gesichter. Trotz Demenz eine schöne Zeit erleben – ja, dieses Ziel war ganz sicher erreicht.

Info: Finanziell wird das Projekt von der Stadt Schopfheim und der Pflegeversicherung unterstützt. Kooperationspartner sind die Sozialstation, die berät und Flyer druckt, und das Georg-Reinhardt-Haus, das sich um das Programm in der Sommerpause kümmert.

Das nächste Frühstück findet am Samstag, 11. März, von 10 bis 12 Uhr zum Thema "Sitztanz" statt.

Anmeldungen bei Beatrix Wörner unter der Tel. 07622/6848541 oder per E-Mail an beatrix-woerner@gmx.de