"Rot heißt Nein – lass das sein!"

Monika Weber

Von Monika Weber

Di, 17. April 2018

Schopfheim

In Langenau gab es für Kinder, Eltern und Übungsleiter ein Training in Sachen Vorbeugung vor sexuellem Missbrauch im Sportverein.

SCHOPFHEIM-LANGENAU. Mit der Veranstaltungsreihe "Sicher und geschützt im Sport" des Kreisjugendreferats Lörrach sollen Sportvereine zu Präventionsarbeit zum Thema sexueller Missbrauch motiviert werden. Nach einer gut besuchten Einführungsveranstaltung für Vereinsvorstände in Lörrach folgte nun in der Langenauer Halle ein Training, zu dem Kinder, Eltern und Übungsleiter eingeladen waren.

"Rot heißt Nein – lass das sein! Grün heißt ja, das ist doch klar! Gelb dann mag ich’s oder nicht, manchmal sagt das mein Gesicht", tönte es aus dem Rekorder. Das Lied vermittelte die zentrale Botschaft des Präventionstheaterstücks "Anne Tore – sind wir stark", das zur Einführung der Thematik um sexuellen Missbrauch im Sport gezeigt wurde. Kinder sollen geschützt und gestärkt werden. Gleichzeitig will man es den Tätern so schwer wie möglich machen, sagt Sonja Blattmann vom Musik- und Theater (MuT)-Zentrum für Gewaltprävention in Kandern.

Trotz intensiver Werbung waren jedoch nur wenige Teilnehmer (15 Erwachsene und etwa auch 15 Kinder) gekommen, was Sonja Blattmann darauf zurückführte, dass sexueller Missbrauch und sexualisierte Gewalt nach wie vor Tabuthemen seien.

Anja Bechtel und Hansi Schäfer stellten im Theaterstück die Kinder Anne und Tore dar, die in ihren Sportvereinen sehr viele schöne, aber auch einige negative Dinge erleben. Das Theaterstück wurde im Rahmen des Pilotprojektes "Qualitätsbündnis zum Schutz vor sexualisierter Gewalt im Sport" in Nordrhein-Westfalen mit der Dortmunder Theaterpädagogin Anja Bechtel entwickelt. Die Kinder konnten dabei mit roten, gelben und grünen Karten die Gefühlslage der Kinder im Stück ausdrücken. Anne wird bei einer Siegerehrung vom Vereinsvorsitzenden auf die Wange geküsst und bei der Übergabe der Medaille gibt es einen anerkennenden Klaps auf den Hintern. An Annes Gesichtsausdruck wird deutlich, dass ihr die Situation unangenehm ist. An dieser Stelle zeigen die zuschauenden Kindern die rote Karte. Ebenfalls rot gibt es, als Anne ihrem Freund von Grenzverletzungen ihres Trainers erzählt und auch als Tores Teamkameraden ihm in der Umkleide die Hose herunterziehen.

Anne und Tore entscheiden sich in allen Fällen, sich einer Vertrauensperson zu offenbaren, auch wenn das nicht immer auf Anhieb erfolgreich ist. So wird den zuschauenden Kindern gezeigt, dass es richtig ist, Vorkommnisse, die sich nicht gut anfühlen, zu erzählen und sich Hilfe zu holen. Mitunter muss man auch mehrere Anläufe dafür nehmen, wenn man kein Gehör findet oder die Person des Vertrauens nicht gleich reagiert.

Fast alle Übungsleiter der Turnerschaft Langenau, die mit Kindern arbeiten, waren in der Sporthalle dabei und zeigten damit, dass der Verein das Thema sehr ernst nimmt. "Passieren kann immer was", waren sich die Teilnehmer einig. Vor allem im Sport komme es notwendigerweise zu Körperkontakt. Die Hilfestellung beispielsweise beim Turnen oder Schwimmen sei grundsätzlich keine Sexualbezogenheit, da die körperliche Berührung in solchen Fällen notwendig ist, erklärte Blattmann.

Erst wenn die Hilfestellung zu einem zielgerichteten Griff an die Geschlechtsteile des Kindes ausgenutzt wird, liege Sexualbezogenheit vor.

Trainer wollen nicht unter Generalverdacht stehen

Triathlontrainer Hubert Klemm sieht es aber auch als problematisch an, wenn Trainer unter einem Generalverdacht stehen, dies vor allem bei männlichen Trainern, die Mädchen trainieren. Diesem könne man zwar begegnen, indem man das Training zu zweit abhalte und Eltern beim Training zuschauen dürfen, jedoch sei es sehr unangenehm, wenn jeder Handgriff und jede Hilfestellung von misstrauischen Blicken überwacht werde.

Sexualisierte Gewalt käme aber auch häufig unter den Kindern und Jugendlichen untereinander vor, erklärte Sonja Blattmann. In Langenau gäbe es nur eine Umkleidekabine, was die Situation hier zusätzlich erschwere, berichteten die Mitglieder der Turnerschaft. Hierzu wurde geraten, die zuständigen Behörden auf den Missstand hinzuweisen, da es hier Handlungsbedarf gebe.

Marco Petrucci und Katharina Gugel von der Psychologischen Beratungsstelle in Schopfheim und Lörrach berichteten über ihre Arbeit und die Hilfsmöglichkeiten. "So niederschwellig wie möglich" halte man das Angebot, so Petrucci, damit schnelle Hilfe erfolgen kann. Als Rat gab er den Erwachsenen mit: "Seien Sie eine gute Bezugsperson", denn wie auch zu erfahren war, versuchten Kinder, die Missbrauch oder sexualisierte Gewalt erlebt haben, sich mehrmals zu offenbaren.

Die anwesenden Kinder konnten nach dem Workshop in einem sportlichen Kinderrechteparcours erfahren, welche Rechte sie haben. Da Kinder natürlich auch ein Recht auf Nahrung haben, gab es an einer Station gesunde Gemüse-Sticks und Getränke. Zum Abschluss des Aktionsnachmittags wurde gemeinsam gesungen mit dem kräftigen Schluss-Statement "Mein Körper gehört mir".