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19. Dezember 2011

"Waldhaus" erzittert im Blues-Sound

Fred Chapellier und seine Band entzündeten ein musikalisches Feuerwerk / Ein Können, das alle Fans begeistert und mitreißt.

  1. Blues der Extraklasse: Das bot Fred Chapellier mit seiner Band im Gasthaus „Waldhaus“. Foto: Heiner Fabry

RAITBACH. Dass nach diesem Konzert in Schweigmatt das "Waldhaus" noch steht, grenzt an ein Wunder. Fred Chapellier und seine Band blues-rockten auf eine Art los, dass es niemanden mehr auf den Stühlen hielt. In einem atemberaubenden Feuerwerk tobten die vier Ausnahmemusiker los und ließen die großen Zeiten von Blues und Rock wieder auferstehen.

Wer sich bei den Begriffen "Blues" und "Frankreich" erst einmal nachdenklich am Kopf kratzen muss, hatte im "Waldhaus" Gelegenheit, seinen musikalischen Horizont zu erweitern. In der Reihe "Blue(s) Monday", die von Klaus Deuss im Programm von "Exbluesive" betreut wird, präsentierte das "Waldhaus" eine Band, die in Frankreich zu den festen Größen des Blues gehört, aber bei uns noch als Geheimtipp gelten darf.

Fred Chapellier begann seine Karriere als Schlagzeuger, bis er die Gitarre entdeckte. "Danach gab es für mich nichts anderes mehr", erzählte der Bluesman bei einem Glas Roten.

Fred Chapellier an der Bluesgitarre ist ein Erlebnis, das man nur schwer schildern kann. Ein donnernder Grundton, atemberaubende Soli und eine schwarze Stimme, die die ganz Großen wieder lebendig werden lässt, sind unverkennbare Markenzeichen dieses Wahnsinnsgitarristen. Für diesen Musiker der Extraklasse steht der Blues immer im Vordergrund. So hat er eine Band um sich geschart, die ihm nur wenig nachsteht (wenn überhaupt). Bluesenthusiasten sollten sich den Namen des zweiten Gitarristen unbedingt merken: Charlie Fabert. Erst 23 Jahre jung und schon mit einer eigenen Band unterwegs, ist ein Talent, von dem man noch viel hören wird. Wer in Schweigmatt dabei war, dem werden die Guitar-Battles der beiden unvergessen bleiben. Sie spielten sich ihre Soli zu, legten sich gegenseitig die Messlatten höher, bis der Szenen-Applaus des Publikums zu einer Dauerbegeisterung führte. Manche Battles gefielen den Musikern selbst so gut, dass Fred Chapellier nach dem Schluss erneut einsetzte und zu einem neuen Durchgang ansetzte. Denis Palatin am Schlagzeug leistete einen schier unglaublichen Arbeitseinsatz und legte ein mehrminütiges Solo hin, dass die Gläser auf den Tischen tanzten. Abder Benachour am Bass hielt sich immer bescheiden im Hintergrund, ließ sich dann aber immer wieder von den Gitarren-Soli mitreißen und lieferte Bassläufe, dass das Zwerchfell flatterte.

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Es hielt keinen mehr auf seinen Stühlen

Das Publikum im "Waldhaus" ging aus vollem Herzen mit, und so entstand eine Club-Atmosphäre, die ihrerseits die Musiker wieder zu neuen Glanzleistungen anspornte. War der Beifall im ersten Set noch herzlich und kräftig, wandelte sich der Saal im weiteren Verlauf zum reinen Hexenkessel. Es hielt niemanden mehr auf den Stühlen, getanzt und gehüpft wurde überall, wo auch nur ein wenig Platz war und die Begeisterung sprengte alle Grenzen.

Bis auch Peter Grüninger die Mundharmonika zückte und sich in einer Jam-Session mit in die Band mischte. Publikum und Band waren gleichermaßen erschöpft, als endlich alle ein Einsehen hatten und der Band ihr wohl verdientes Bier gönnten. Glücklich, wer dabei war.

Autor: Heiner Fabry