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18. Februar 2016

Williams hitziger Geschlechterkampf

Ein vergnüglicher Abend: William Shakespeares "Der Widerspenstigen Zähmung" als Ein-Personen-Stück in Hannas Kulturcafé.

  1. Acht Rollen spielt Schauspielerin Eunike Engelkind in „Der Widerspenstigen Zähmung“. Foto: Frey

SCHOPFHEIM. Kratzbürstige Schönheit trifft auf raubeinigen Macho: Wie bei einem solchen Paar die Fetzen fliegen, hat William Shakespeare in seiner Komödie "Der Widerspenstigen Zähmung" auf die Bühne gebracht. Eine eigene Neufassung dieses Stücks bot jetzt die junge Schauspielerin Eunike Engelkind bei ihrem Auftritt in Hannas Kulturcafé.

Veranstalterin Hanna Sanner freute sich, dass die Schauspielerin Eunike Engelkind, die vor drei Jahren in Zell mit einem Kaspar-Hauser-Stück beeindruckt hatte, nun wieder zu Gast war. Dabei erwies sich die Künstlerin aus Stuttgart als wahres Allroundtalent: Sie hat diese Ein-Personen-Version der "Widerspenstigen" nicht nur selbst verfasst und inszeniert, sie schlüpft auch in acht verschiedene Rollen. Die Kostüme dafür hat sie selbst entworfen.

Nach Shakespeares Originalstück und dem Libretto der gleichnamigen Oper von Hermann Goetz aus dem Jahr 1874 hat Eunike Engelkind diese unterhaltsame Ein-Frau-Fassung erarbeitet, die voller Situationskomik, Wortwitz, Anspielungen und schneller Rollenwechsel steckt und in der Textbearbeitung stellenweise ein bisschen modernisiert ist. Bewundernswert, wie die Darstellerin in Sekundenschnelle von einer Figur zur anderen wechselt, mit veränderter Stimme, Mimik, Gestik immer wieder treffend die verschiedenen Charaktere darstellt.

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Engelkind braucht kein Bühnenbild und kaum Requisiten, um die Zuschauer im stilvollen Ambiente des Kulturcafés in das turbulente Geschehen der Stadt Padua des 16. Jahrhunderts zu führen. Mit wenigen Handgriffen verändert die Schauspielerin ihr rotes Kostüm, rafft den Rock, stülpt sich eine Kappe auf, hebt mal einen Weinkrug oder schüttelt die langen Locken, und schon hat sie eine neue Bühnenfigur zum Leben erweckt. So verfolgen die Zuschauer amüsiert die Geschichte um den reichen Edelmann Baptista, der seine zwei gegensätzlichen Töchter, die umschwärmte, sanftmütige Bianca und die widerborstige Katharina, unter die Haube bringen will.

Den alten Hausherrn Baptista spielt sie leicht gebeugt, mit väterlich-strengem Ton und verkniffenem Blick durch die Lesehilfe. Ungebärdig, stolz, herausfordernd in der Pose, mit wallender Mähne und aufmüpfigem Trotz gibt sie die Titelheldin, die ungestüme wilde Katharina.

Mit ihrem zänkischen Wesen und ihrer spitzen Zunge treibt diese störrische Rebellin, die kein "Spielball roher Männerlust" werden will, alle Ehekandidaten in die Flucht. Bis auf einen: den Landedelmann Petruchio, der "kein zahmes Täubchen" als Braut will. Er nimmt es mit der kühnen Katharina auf und will sie bändigen. Da sprühen die Funken, wenn sich die Beiden streiten, sie ihn als "Sprücheklopfer" und "armen Tor" angiftet und er sein "holdes Weib" auffordert: "Kiss me, Kate!"

Diesen hitzigen Geschlechterkampf und die turbulente Hochzeit, zu der der Bräutigam im geflickten Gewand erscheint, die Szenen im Haus Petruchios und die Wandlung der Widerspenstigen führt Engelkind mit viel theatralischem Temperament und Humor vor. Auch die anderen Personen wie die liebreizende Bianca und ihre schwärmerischen Verehrer Lucentio und Hortensio, die um die Gunst der Schönen buhlen, den Hofmeister und den Erzähler bringt die Darstellerin geschickt ins Spiel ein.

Sie versetzt die Zuschauer mal ins Gemach der hübschen Bianca, mal ins Landhaus des frisch vermählten Paares, wo Petruchio die hungrige und des Kampfes müde Katharina gehörig auf die Probe stellt. Doch in der Schlussszene zeigt sich, dass die "Gezähmte", die als Ehefrau "sanft wie Zephyrwind" geworden ist, das Spiel durchschaut hat und es selbst weiter treibt.

Autor: Roswitha Frey