Die Sicherheit bedroht die Fasnet

skk

Von skk

Mo, 23. April 2018

Schwarzwald-Baar-Kreis

600 Zünfte diskutieren auf der Baar über Zukunft / Narrenpräsident Wehrle setzt auf Gespräche mit dem Innenminister.

HÜFINGEN/BAAR (bea). Die Wetti-Butzer, seit mehr als 40 Jahren eine traditionsreiche Narrenzunft aus Behla, zeigten sich am Samstag von ihrer besten Seite: Narren aus dem ganzen Südwesten, aus dem Schwäbischen, aus der Ortenau vom Hegau, von der Baar, vom Bodensee oder aus dem Breisgau trafen sich zur Frühjahrstagung im Hüfinger Stadtteil. Dabei zeigte sich: Narren sind nun mal Narren und lassen sich ihre gute Laune nicht verderben. Auch wenn die Bürokratie weniger lustige Folgen hat für das Narrentreiben landauf landab.

Die Arbeitsgemeinschaft Süd-West-Deutscher Narrenvereinigungen und Verbände erörterte Themen, wie Gema-Gebühren, Sicherheitskonzept, Datenschutz oder das Kulturerbe der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Hüfingens Bürgermeister Michael Kollmeier zeigt sich humorvoll. "Die Baarblickhalle liegt mitten in Baden-Württemberg", sagt er und machte auch ein bisschen Reklame für seine Stadt, für das Römerbad und die Gastronomie, für die Hüfinger Hinterstadt. Die Gäste durften sie am Nachmittag bei einer Führung mit Nachtwächter und Hebamme näher kennen lernen. "Zu uns darf auch Roland Wehrle, der Präsident der Schwäbisch-Alemannischen Narrenvereinigung, kommen", sagt Kollmeier und schränkt ein: "Wenn er sich benimmt." Wehrle gibt zurück: "Ich war mal ein Jahr lang in Sumpfohren in der Schule", sagt er, worauf Kollmeier meint: "Das hat offensichtlich nicht geschadet." Damit war das Eis gebrochen.

Anne-Rosel Schwarz aus Wolterdingen, die Präsidentin der Schwarzwälder Narrenvereinigung (SNV), die die Tagung mit vorbereitet hatte, freute sich über die vielen Gäste, die Behla einen Tag lang zum Zentrum der Narren machten. 70 Tagungsteilnehmer von 13 großen Verbänden aus dem Südwesten diskutieren die Belange der Fastnacht und stellen die immer aufwändiger werdenden Bestimmungen für die Sicherheit bei Fastnachtsveranstaltungen in den Mittelpunkt.

Die Auflagen, die von den Behörden, von Landkreisen oder Städten in den letzten Jahren immer mehr ausgeweitet wurden, machen die Fragen der Sicherheit für die Narren zu einem Problemfeld: "Wir können das weder finanziell noch personell schultern", ist Roland Wehrle überzeugt. Die Tagung in Behla indessen habe gute Ergebnisse gebracht, sagt er. Wehrle setzt nun auf Gespräche mit Innenminister Thomas Strobl und einen Runden Tisch, der am 3. Mai in Stuttgart stattfindet. "Wir wollen sicherstellen, dass es die Fastnacht auch in 20 Jahren noch gibt", sagte Wehrle.

Die Narrenverbände wollen in den Gesprächen erreichen, dass Veranstaltungen mit bis zu 500 Teilnehmern künftig wieder von Genehmigungen befreit sind. Wehrle: "Das würde helfen unser Kulturerbe zu fördern." Es könne nicht sein, dass Sicherheitskonzepte mit 60 bis 137 Seiten Umfang umgesetzt werden müssten, meinte der SAN-Präsident und sieht dringenden Handlungsbedarf. Die Auflagen umfassen unter anderem Brandschutz, Hygiene, Ärzte, Rotes Kreuz, Feuerwehr oder Absperrungen bei Veranstaltungen. Wehrle aber zeigte sich zuversichtlich, dass die Narrenverbände mit ihrem Gewicht bei den Gesprächen auch Änderungen erreichen können. Die sei ein guter Weg, die Fastnacht auch in den nächsten 20 Jahren noch am Leben zu halten und die kleinen Brauchtumsveranstaltungen zu retten.