Nach nur sieben Sprüngen neue Lust am Fliegen

Dieter Mauer

Von Dieter Mauer

Mo, 16. Juli 2018

Skispringen

Ramona Straub vom SC Langenordnach überrascht nach einer Zwangspause bei der deutschen Skisprung-Meisterschaft in Hinterzarten mit den Rängen drei und fünf.

SKISPRINGEN. Erste Saisonerkenntnisse hat Landestrainer Rolf Schilli bei der deutschen Meisterschaft im Skispringen in Hinterzarten gewonnen. "Ich bin insgesamt zufrieden," lautete die Bilanz des 52-jährigen Übungsleiters am Skiinternat Furtwangen. An beiden Wettkampftagen erkämpften sich Athleten aus Baden-Württemberg vordere Plätze. Schilli sagte: "Es ist früh in der Saison und es gibt hoffnungsvolle Aspekte. Aber es bleibt auch noch viel zu tun."

Am erfreulichsten dürfte das Abschneiden von Ramona Straub (SC Langenordnach) sein. Die Olympiaachte von Südkorea plagte sich zweieinhalb Monate mit Entzündungen in den Gelenken herum. Erst in den vergangenen Tagen konnte sie wieder springen. Viermal hob sie beim Training auf der Europapark-Schanze (K 70) ab, dreimal auf der Rothaus-Schanze (K 95) im Adler-Skizentrum in Hinterzarten. Straub und Schilli waren sich einig: Es sind nur sieben Sprünge. Aber wenn die "Deutsche" schon am Stützpunkt stattfindet, sollte sie auch starten. Schilli telefonierte mit Frauen-Bundestrainer Andreas Bauer und die Nachmeldung war perfekt. Gemeinsam mit Carina Vogt (Degenfeld) auf Platz fünf im Einzelwettbewerb und im Teamwettbewerb zusammen mit der Olympiasiegerin und Weltmeisterin auf Rang drei – das konnte sich sehen lassen. Es fehlte noch ein Quäntchen an Fluggefühl und körperlicher Substanz, so Schilli: "Aber es war ein guter Start nach langer Pause – eigentlich hätte sie noch weiter fliegen können."

Bei den Männern taten sich David Siegel (Baiersbronn) und Andreas Wank vom SC Hinterzarten mit den Plätzen eins und fünf hervor. Ein Ausrufezeichen setzte Sebastian Rombach, der ebenfalls für Hinterzarten startet. Eine Kreuzband-Operation zwang ihn zu einem Jahr Abstinenz vom Skispringen. Nach dem Eindruck von Schilli hat er die Phase extrem gut genutzt: "Sebastian ist athletisch und mental stärker geworden. Er hat wohl noch bewusster trainiert." Nach nur 60 Sprungeinheiten belegte Rombach zusammen mit Olympiastarter Markus Eisenbichler (Siegsdorf) den guten 16. Platz. Im Teamwettbewerb überzeugte er im ersten Durchgang mit einer Weite von 108,5 Metern und brachte das Quartett der Skivebände Baden-Württemberg II (SBW) mit Jonathan Siegel (Baiersbronn), Adrian Sell (Meßstetten) und Tim Fuchs (Degenfeld) kurzzeitig in Führung. Am Ende reichte es für Platz fünf im Feld der zwölf Mannschaften. SBW III (Efinger/Idesheim/Ketterer/A. Mayländer) belegten Rang neun.

"Er braucht noch ein paar

PS mehr in den Haxen."

Trainer Rolf Schilli über Ketterer
Den Umstieg von der Nordischen Kombination zu den Spezialspringern hat Julian Ketterer gewagt. Der Breitnauer hatte in den vergangenen Jahren nach dem Springen oft vorne gelegen, aber im Langlauf Plätze eingebüßt: "Ich muss mich bei den Spezialisten erst einmal reintasten. Ich verspüre aber keinen Druck." Seine Ziele sind gute Platzierungen im Deutschlandpokal und eventuell im Alpencup. Schilli glaubt, dass der 18-jährige den Umstieg schafft: "Er bringt ein gutes technisches Niveau mit. Darauf lässt sich aufbauen. Aber er braucht noch ein paar PS mehr in den Haxen." Außerdem soll das Material optimiert werden. Bester Baden-Württemberger bei den Junioren war Luca Roth (Meßstetten) auf Rang zwei hinter dem Bayern Constantin Schmid (Oberaudorf). Zusammen mit Andreas Wank, Dominik Mayländer (Degenfeld) und David Siegel belegte Roth im Teamwettbewerb Rang drei hinter Bayern II und Bayern I mit Andreas Wellinger. Im zweiten bayerischen Quartett überzeugte vor allem Markus Eisenbichler, der mit Weiten von 109 und 110 Metern nahe an den von Noriaki Kasai (Japan) am 6. August 2000 aufgestellten Schanzenrekord von 112,5 Metern herankam.

"Die jüngeren Athleten aus unserer Mannschaft haben gesehen, was ihnen noch fehlt, wie groß der Abstand zur Spitze ist," resümierte Rolf Schilli. Für sie gehe es nun "neben viel Training auch um eine sportgerechte Lebensweise", lautete die Empfehlung des Landestrainers.

Die deutsche Meisterschaft der Juniorinnen dominierten die Sächsinnen Selina Freitag (Nickelhütte Aue) und Alexandra Seifert (Klingenthal). Alina Ihle aus Thüringen und Josephin Laue (Sachsen) landeten punktgleich auf Rang drei. Beste Baden-Württembergerin war Anna Jäkle vom Skiteam Schonach-Rohrhardsberg auf Rang fünf. Die 15-Jährige startet eigentlich in der Nordischen Kombination und belegte bei einem Demonstrationswettkampf für die Junioren-Weltmeisterschaft im schweizerischen Kandersteg den Silberplatz. Vater Hansjörg Jäkle, Teamolympiasieger 1994 in Lillehammer/Norwegen, freute sich über das gute Abschneiden: "Sie trainiert in dieser Vorbereitungsphase mehr Laufen und hat nur wenige Sprünge. Dafür war es ganz gut." Teamkollegin Pia Bossio belegte Rang elf unter zwölf Teilnehmerinnen.