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04. März 2010 20:59 Uhr
Erdbebenkatastrophe
Spendenaktion: So hilft Südbaden Haiti
Auch wenn zuletzt das Erdbeben vor Chile die Schlagzeilen dominierte – in Haiti herrscht weiter dramatische Not. Für "Südbaden hilft" gibt es viel zu tun und zwar im Alten- und Behindertenzentrums in Léogâne.
Wo steht Haiti, zwei Monate nach dem Erdbeben?
Zwar rücken laut Oliver Müller, Chef von Caritas international, die ersten Nothilfe-Organisationen bereits wieder ab. Trotzdem sind weite Teile der zerstörten Regionen noch nicht einmal vom Schutt geräumt, weil es an Baggern fehlt. Viele Überlebende campieren direkt neben den Trümmern, unter denen sie ihre toten Familienmitglieder vermuten. Eine enorme psychische Belastung. Auch wenn die Versorgung mit Lebensmitteln inzwischen einigermaßen funktioniert, nehmen die Spannungen in den Notlagern zu. Die Kriminalität organisierter Banden, aber auch Verbrechen aus Verzweiflung sind ein Problem. Trotz der Hilfe von UN-Truppen und US-Marines im Hintergrund ist der Staat schwach und kaum handlungsfähig. Die Korruption ist ausgeprägt und erschwert Hilfe.
Wie ist die Lage in Lèogâne?
Teilweise ist in der Großstadt westlich von Port au Prince die Zerstörung noch schlimmer als in der Hauptstadt selbst. Wie im gesamten Katastrophengebiet sind außerdem die Grundbücher bei dem Beben zerstört worden. Das heißt: Die Eigentumsverhältnisse der zerstörten Häuser und Straßenzüge sind oft ungeklärt. Der ursprüngliche Plan von "Südbaden hilft", gemeinsam mit Einheimischen den Wiederaufbau eines bestimmten Stadtviertels oder einiger Gemeinden im Umkreis anzugehen, ließ sich deshalb zunächst nicht verwirklichen. Die Gefahr, soziale Unruhen zu schüren, wäre zu groß.
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Das Zentrum Saint Vincent de Paul
In dieser Situation traf das Aktionsbündnis – dem neben der Badischen Zeitung, die Stadt Freiburg, das SWR-Studio Freiburg und Caritas international angehören – die Entscheidung, den Wiederaufbau des Zentrums Saint Vincent de Paul zu begleiten. Das Heim für alte und behinderte Menschen mit angeschlossener Schule erfüllt eine wichtige kommunale Aufgabe. Nach dem Beben mit seinen vielen seitdem körperbehinderten Opfern wird seine Arbeit noch wichtiger werden. In Haiti gelten körperliche Behinderungen oft als Beleg dafür, dass eine Familie verflucht wurde beziehungsweise als gerechte Strafe. Geistig Behinderte werden von ihren Familien sogar öfters einfach ausgesetzt – angesichts der grassierenden Armut mitunter aus reinem Selbsterhaltungstrieb. Der haitianische Orden, der das Zentrum leitet, hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Menschen ein Leben in Würde zu ermöglichen. In dem Heim arbeiten 32 Pfleger und Verwaltungskräfte, die vom Staat bezahlt werden, und zwölf weitere vom Orden finanzierte Mitarbeiter. Die angeschlossene Schule für 400 Kinder ist derzeit geschlossen. Sie soll aber so bald wie möglich provisorisch wieder öffnen. Es gilt, den Kindern aus den umliegenden Stadtvierteln eine Perspektive zu geben.
Wie geht es den Heimbewohnern?
Gegenwärtig leben etwa 50 Männer und 70 Frauen auf dem weitläufigen Gelände. Die älteste Frau ist 102 Jahre alt, eine der jüngsten ist ein 10-jähriges schwer geistig und körperbehindertes Mädchen. Die meisten der Bewohner haben seit dem Beben in Zelten geschlafen, wo sie auf Matten auf dem Boden gelegen und schwierige hygienische Verhältnisse erduldet haben. Inzwischen werden die Bewohner wieder in notdürftig reparierte Pflegebetten und Gebäudeteile verlegt, die einen Mindestschutz vor dem Wetter bieten. Tagsüber ist es oft sehr heiß, nachts regnet es mittlerweile oft und kühlt empfindlich ab. Viele Heimbewohner vertragen diese Temperaturschwankungen schlecht. Erst vor wenigen Tagen starb deshalb eine alte Frau, nachdem bei dem Beben schon zwölf Tote zu beklagen waren.
Was zu tun ist
Derzeit sind mehrere Caritas-Helfer vor Ort. Neben den provisorischen Reparaturen auf dem Gelände wird ein Wiederaufbauplan auf der Basis einer Schadenserhebung bei allen 20 Gebäuden erstellt. Teilweise waren die Schäden nach Angaben von Oliver Müller deshalb so groß, weil der als Baumaterial verwendete Beton mit Meersand gemischt worden war. Der enthielt Salz, der die Stahlträger im Beton zerfraß. Der Aufbau des Heims, zu dem auch eine eigene Landwirtschaft gehört, soll möglichst zum Ausgangspunkt weiterer Hilfen für die benachbarte Bevölkerung werden. Denkbarer Ansatzpunkt hierfür: die Familien der Schulkinder. Allerdings wird auch der Aufbau des Zentrums selbst mehrere Jahre dauern.
Weitere Aktivitäten in Léogâne
Derzeit betreibt Caritas international in Léogâne zwei Gesundheitsstationen. Geplant ist, deren Arbeit mit Saint Vincent de Paul zu koordinieren und die Stationen zu Sozialzentren auszubauen, die umfassendere Hilfs- und Beratungsdienste für die Bevölkerung anbieten.
Wie können Sie helfen?
Das Aktionsbündnis "Südbaden hilft" ist nur so stark wie die Bewohner Südbadens es durch ihr Engagement machen. Das heißt: Jede Spende ist willkommen, alle Aktivitäten, die für unser Anliegen werben und Geld zur Finanzierung der Aufbauarbeit erbringen, sind eine große Hilfe. Wie berichtet, sind bisher schon über 300 000 Euro zusammengekommen. Und die Spendensumme wächst weiter: So haben Vertrauensleute des Autozulieferers Peguform kürzlich in der Belegschaft spontan über 1 200 Euro gesammelt; Mitarbeiter der zur Zahoransky-Gruppe gehörenden Firmen verzichteten zugunsten von "Südbaden hilft" auf einen Teil ihres Gehaltes: 5 500 Euro kamen zusammen. Benefizkonzerte, Ausstellungen, der Verkauf selbstgekochter Marmelade durch Schüler – dem Ideenreichtum sind keine Grenzen gesetzt. Die Badische Zeitung wird Sie über den Fortgang der Aktion – in Haiti und in Südbaden – auf dem Laufenden halten.
SPENDENKONTEN:
Caritas international; Konto: 202, Sparkasse Freiburg, BLZ 680 501 01.
Stadt Freiburg; Konto: 19 19 19, Sparkasse Freiburg, BLZ 680 50 101
Stichwort jeweils "Südbaden hilft".
Die Spenden sind steuerlich abzugsfähig.
- Aktion für Haiti: Südbaden hilft
Autor: Thomas Fricker
