#BZWAHLTAG

Spitzenpolitiker zu Gast in Freiburg: So war der BZ-Wahltag

mft, mor, hoss

Von Manuel Fritsch, Moritz Lehmann & Heidi Ossenberg

Sa, 09. September 2017 um 21:39 Uhr

Freiburg

Keine Parolen, ehrlicher Austausch - das war das Motto für den BZ-Wahltag am Samstag in Freiburg mit CDU-Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, Linken-Chef Bernd Riexinger, SPD-Landeschefin Leni Breymaier, AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel, FDP-Landesvorsitzenden Michael Theurer und Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir

Ehrlicher Austausch über relevante Fragen in der Republik zwei Wochen vor der Bundestagswahl – dazu hatte die BZ ihre Leserinnen und Leser am Samstag nach Freiburg eingeladen. Und trotz des kühlen Schauerwetters, dem letzten Ferienwochenende und dem Heimspiel des SC Freiburg nahmen die Leserinnen und Leser das geballte Informationsangebot gerne an (Fotos).

Zukunftswerkstatt
Wie wird journalistische Arbeit in Zukunft aussehen? Der Frage gingen Heimatchef Holger Knöferl und Onlinechef Markus Hofmann in der Zukunftswerkstatt nach. Trotz sinkender Auflagenzahlen erreicht die BZ durch ihr Onlineangebot heute so viele Leser wie nie zuvor. Das verändert den Beruf des Journalisten, das verändert das Funktionieren der Zeitung. Einen Redaktionsschluss gibt es im Internet nicht, ein Redakteur muss immer mehr Kanäle mit Inhalt füllen. Eines aber, das stellten die beiden klar, bleibt die Basis der journalistischen Arbeit, ob in der gedruckten Zeitung oder im Internet: der Inhalt. Damit dieser so schnell wie fundiert seinen Weg in die Zeitung findet, hat die Badische Zeitung ein Netzwerk von Lokalredaktionen, die auch in Zukunft Informationen verbreiten werden – wenn auch auf immer mehr Kanälen. Und so blickt Markus Hofmann optimistisch in die Zukunft: "Die Zeitung wird es noch lange geben, da sie etwas Wichtiges bietet."

Publikumsbeteiligung
In linken Kreisen waren im Vorfeld des BZ-Wahltages Proteste angekündigt, die sich vor allem gegen den Auftritt der AfD-Politikerin Alice Weidel richten sollten. Am Ende fiel der Protest aber geringer aus, als erwartet. Lediglich ein Transparent wird enthüllt und die Protestierer folgen schnell der Bitte von Chefredakteur Thomas Fricker und stellen sich auf die Seite. Etwas später sitzt Daniel Anton am Stand der Linkspartei. Hinter ihm hängt das Transparent, das er beim Auftritt Weidels mitgehalten hat. Die Frage, ob er mit einem solchen Auftritt nicht eine demokratische Diskussion verhindert, lässt ihn kalt. "Die Schärfe, mit der die AfD vorgeht, verlangt auch, dass man sie anders behandelt als die anderen Parteien", erklärt das Linkspartei-Mitglied. Die Aktion sei nicht wirklich organisiert gewesen, es sei darum gegangen, die AfD-Politikerin nicht unwidersprochen auftreten zu lassen. "Ich bin froh, dass sich ein paar Leute gefunden haben", sagt Anton.

Eigentlich wären es auch ein paar mehr gewesen, doch eine kleine Gruppe erkennbar linker Jugendlicher wurde schon am Eingang abgewiesen. Da sie vor kurzem erst bei einer Veranstaltung gestört hatten, verweigerte die Polizei ihnen den Eingang. Einige Kader der Marxistisch-Leninistischen Partei, die gekommen waren um, wie sie sagten, "echte Alternativen aufzuzeigen", blieben solidarisch am Eingang stehen und verteilten dort ihr Wahlprogramm. Doch trotz einiger Diskussionen mit der Polizei und den Organisatoren war kein Durchkommen für die Jugendlichen.

Publikumsbewertung
"Ich bin überrascht, dass es so fair abgegangen ist", sagt eine Frau aus dem Kaiserstuhl, die während der Diskussion mit Alice Weidel immer wieder begeistert klatschte. Gerade hat die AfD-Politikerin die Bühne verlassen und die Zuschauer wenden sich wieder den Würstchenständen zu. "Die anderen Politiker interessieren mich nicht. Es ist nicht überzeugend, wenn Schäuble sagt, wir könnten vom Islam Toleranz und Gastfreundschaft lernen. Der Islam gehört nicht zu Deutschland." Sie werde auf alle Fälle beide ihrer Kreuze bei der AfD machen. Allerdings musste sie davon beim BZ-Wahltag auch nicht mehr überzeugt werden.

Etwas kühler analysiert ein anderer Zuhörer am Ende des Tages. "Weidel war sehr hermetisch, Cem Özdemir hat seinen Auftritt sehr souverän gemacht." Allerdings hätten beide oft einfach nicht auf die Fragen geantwortet. "An vielen Punkten hätte ich mir auch gewünscht, dass sie mal gleichzeitig auf eine Frage geantwortet hätten und nicht einer nach dem anderen."

Trotz des vielen Applaus, stößt auch der Auftritt des Grünenpolitikers bei manchen auf Unverständnis. "Ich wundere mich schon, dass Özdemir die Abschiebepolitik Baden-Württembergs lobt und in Punkten auch Alice Weidel rechtgibt", sagt ein Student. Damit hätte er nicht gerechnet.

Christian Maier aus Mengen kritisiert den Auftritt des Finanzministers Wolfgang Schäuble. Er rede immer nur von der schwarzen Null. "Die Bildung und unsere Schulen werden darüber vernachlässigt." Zwar gebe es dank sprudelnder Steuereinnahmen Geld im Überschuss, gleichzeitig heiße es immer, es gebe zu wenige Lehrer und zu wenige Polizisten. "Das Geld muss bei uns verteilt werden", findet Maier. Deshalb freut er sich auf den nächsten Redner: Klaus Riexinger von der Partei die Linke.

Trotz des unwirtlichen Wetters waren die Diskussionen bis zum Schluss gut besucht und die Zuhörer sichtlich bei der Sache. Dass die fehlende Sonne dennoch die Gemütlichkeit des BZ-Wahltags etwas minderte, ließ sich am Ende an einer Tatsache ablesen: Der Käsekuchenstand verkaufte weniger Käsekuchen als erwartet, dafür aber umso mehr heißen Kaffee.

Wir müssen reden
Den Herausgeber der Badischen Zeitung, Thomas Hauser, treibt die Frage um: Was interessiert Sie? Damit wendete er sich im BZ-Museum an die Leserschaft. Und es entwickelte sich eine angeregte Debatte: Über die Bedeutung von Klatsch & Tratsch – die Seite "Aus aller Welt" gehört zu den meistgelesenen in der Zeitung; über das journalistische Gebot, Bericht und Kommentar stets zu trennen; über das Vier-Augen-Prinzip, das Fehler vermeiden und Verständlichkeit fördern soll. Lesermeinungen finden sich auch im Internet – Hauser sagte: "Wir kämpfen dafür, dass die Leute auch dort mit offenem Visier auftreten." Sprich: ihre Namen nennen. Am Ende gab es viel Lob für die Anstrengungen, die Arbeit der Journalisten transparent zu machen.



Mehr zum Thema: