"Ein bisschen wie verhext"

Winfried Dietsche

Von Winfried Dietsche

Mo, 19. Februar 2018

FC Basel

Der FC Basel verliert mit einer 0:2-Heimpleite gegen St. Gallen den Kontakt zu den Young Boys / Leihgabe Itten trifft doppelt.

FUSSBALL. "Dieses Spiel musst du gewinnen. In der Meisterschaft zweimal zu Hause zu verlieren – das entspricht nicht unseren Ansprüchen." Sportchef Marco Streller sah sich am Samstagabend nach einer "sehr, sehr bitteren" 0:2 (0:0)-Heimpleite des FC Basel gegen den FC St. Gallen zu einer Wortmeldung veranlasst – und zu einem Appell an alle im Club: "Wir werden das intern klar ansprechen. Jeder muss sich hinterfragen, auch ich." Für eine erfolgreiche Titelverteidigung sehe es nun "sehr schlecht" aus, fügte Streller an.

Der Vereinsfunktionär ahnte da schon, was am Sonntag folgen sollte: Die Berner Young Boys entschieden das Kantonsderby gegen den FC Thun mit 3:1 für sich und sind an der Spitze der Schweizer Fußball-Super-League dem Dauermeister damit schon um acht Zähler enteilt.

"Natürlich hatten wir die sechs Punkte aus den Heimspielen gegen Lugano und St. Gallen budgetiert, um Druck auf YB auszuüben", sagte FCB-Trainer Raphael Wicky nach dem neuerlichen Flop im St.- Jakob-Park. "Ein bisschen wie verhext" kam dem 40-jährigen vor, dass es wieder nicht geklappt hat – und so erstmals seit 1997 zwei Heimniederlagen am Stück zu Buche stehen. Die Kennzahlen der Partie, geleitet vom Franzosen Jérôme Brisard, sprachen für Basel: 15:8 Abschlüsse, 62 Prozent Ballbesitz. "Das Spiel kann ganz anders laufen", fand auch Gästecoach Giorgio Contini. Da war Raoul Petretta, dem sich – nach dem Champions-League-Match gegen Manchester City (0:4) für Blas Riveros wieder ins Startteam zurückgekehrt – zwei Chancen zur frühen FCB-Führung boten (5., 10. Minute). Und da war Ricky van Wolfswinkel, der einen Elfmeter – Silvan Hefti hatte Albian Ajeti gefoult – so weit über das Tor jagte (25.), dass er nach dem Abpfiff mutmaßte, der Ball sei wohl "immer noch unterwegs". Der Niederländer hatte es da Mohamed Elyounoussi gleichgetan, der zwei Wochen zuvor beim 0:1-Flop gegen Lugano ebenfalls vom Punkt gescheitert war.

Lacroix vertändelt den Ball, Petretta kommt zu spät

So kam es, wie es kommen musste: Die Bebbi, zwar bemüht, aber nicht zwingend und nach Wickys Befund "ohne Klarheit und Ruhe im Spiel", ließen sich zweimal erwischen – just von Cedric Itten, den sie für die Rückserie in die Ostschweiz ausgeliehen haben: Erst ließ sich Neuzugang Léo Lacroix täppisch den Ball abluchsen (52.); dann kam Petretta gegen den – ob eines Wadenkrampfs eben noch von Taulant Xhaka betreuten – Ex-Mitspieler einen Schritt zu spät (86.). "Cedric hat gezeigt, wie man sich vor dem Tor verhalten muss", lobte Streller den 21-Jährigen.

Mit fast 23 000 anderen Augenzeugen musste der Sportdirektor nach der missratenen Vorlage für die Basler Fasnacht erkennen: "Im Moment funktioniert die Mannschaft noch nicht so, wie wir uns das vorstellen." Dies den Wintertransfers zuzuschreiben, wäre Streller aber "zu einfach". Auch am Trainer liege es nicht: "Raphi macht eine großartige Arbeit." Parallelen gebe es aber sehr wohl zur rot-blauen Baisse im Spätsommer 2017 – vor einem dann sehr ertragreichen Herbst.