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11. August 2008

Vorstoß aus den hinteren Reihen

Nach ihrem Tor zum 1:0-Sieg gegen Nigeria muss die deutsche Fußballerin Kerstin Stegemann bei vier Liter Wasser "nachsitzen"

  1. Torschützin Kerstin Stegemann freut sich mit Anja Mittag. Foto: afp

SHENYANG. (sid). Erst machte Verteidigerin Kerstin Stegemann die Hausaufgaben der deutschen Stürmerinnen und stieß damit das Tor zum Viertelfinale für Deutschland weit auf, dann musste sie nachsitzen. Anstatt mit ihren Teamkolleginnen, darunter Ex-Freiburgerin Melanie Behringer, nach dem 1:0 (0:0) gegen Nigeria in der Sauna und beim Schwimmen entspannen zu dürfen, musste die 30 Jahre alte Schützin des ersten deutschen Olympia-Tores in China zur Dopingkontrolle. Weil das dauerte und dauerte, fuhr die Mannschaft ohne sie ins Hotel.

"Das war ganz schön anstrengend. Ich habe vier Liter getrunken, bis es endlich geklappt hat", berichtete Stegemann von ihrem ungewollt langen Aufenthalt in den Stadion-Katakomben, wo sie von ihren Kolleginnen alleingelassen wurde. Dabei mussten Birgit Prinz und Co. froh sein, dass ihre für defensive Aufgaben zuständige Mitspielerin zuvor bei ihnen in der Offensive ausgeholfen hatte. Stegemann erfüllte ihren Spezialauftrag, erzielte in der 65. Minute das Siegtor, beendete nach 264 Minuten die Tor flaute der Gold-Anwärterinnen und sicherte ihnen so mindestens Platz drei. Weil neben den jeweils beiden Besten der drei Vorrundengruppen auch die beiden besten Dritten noch ins Viertelfinale kommen, steht Deutschland dank Stegemanns Tor nun fast sicher in der K.o.-Runde.

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Die Offensivabteilung hatte Stegemanns Initiative nötig. Prinz und Sandra Smisek hatten sich zuvor wie gegen Brasilien vergeblich bemüht und sich so dem lange lahmen Spiel der gesamten Elf nahtlos angeschlossen. Nur der erneut herausragenden Torfrau Nadine Angerer war es zu verdanken, dass die Mannschaft von Trainerin Silvia Neid nicht einem Rückstand hinterherlaufen musste. Angerer, das war die zweite bemerkenswerte Personalie des Spiels, hielt ihren Kasten mal wieder sauber und ist nun 720 Turnierminuten in Serie unbezwungen.

Auf Angerer und einen erfolgreichen Ausflug von Stegemann wird sich die DFB-Elf aber im weiteren Verlauf nicht allein verlassen können – vor allem die Offensive ist zunächst gegen Nordkorea (1:2 gegen Vize-Weltmeister Brasilien) am Dienstag in Tianjin und dann im Viertelfinale gefragt. "Die heben sich ihre Tore für die wichtigen Spiele auf", mutmaßte Angerer. Zumindest bei Smisek kommen langsam Zweifel auf. Sie bemüht sich, strahlt aber kaum Torgefahr aus. Anja Mittag, die für Smisek eingewechselt wurde und das Tor vorbereitete, verbreitete da schon mehr Unruhe in der nigerianischen Abwehr. Dass sie gegen Nordkorea von Beginn an spielt, glaubt die Potsdamerin aber nicht.

Mittag wird wohl auch dann ruhig bleiben, wenn sie wieder auf der Bank sitzt, Conny Pohlers verliert dagegen die Geduld: "Ich bin fit und einsatzfähig." Ihre Kniereizung habe sie überstanden, nun brenne sie auf ihr erstes Spiel: "Es ist hart für mich, dass ich nicht ran durfte. An den Spielen kann man nichts mehr schönreden." Neid versuchte es dennoch und lobte die weiten Laufwege des Angriffs. Harte Zeiten für (Ersatz-)Stürmerinnen, – sofern sie nicht Stegemann heißen.

Autor: sid