"Auch das ist ein echter Benni"

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Fr, 23. Februar 2018

Olympische Spiele

Heute hat Biathlet Benedikt Doll mit der Männerstaffel bei Olympia eine weitere Medaillenchance.

BIATHLON. "Das ist ein echter Benni", sagen Leute manchmal, wenn sie vom Weltklassebiathleten Benedikt Doll (Ski-Zunft Breitnau) reden. Sie meinen damit: Das ist typisch für ihn, so ist er halt. Als er noch Jugendlicher war, absolvierte er einmal einen Wettkampf am Notschrei. Ihm passierte beim Schießen das Malheur, dass er auf die Scheiben der Bahn nebendran ballerte. Trainerin Dagmar Bettinger, die Benedikt Doll als Biathlon-Einsteiger unter ihren Fittichen hatte, erinnert sich noch genau – sie hatte damals die Aufsicht für drei Bahnen am Schießstand. "Auf meinen Bahnen lag keiner und dennoch klappten vorne Scheiben um. Ich habe dann nach links und rechts geschaut und gesehen, dass der Benni auf die falschen Scheiben geschossen hat." Und als wäre ein solches Missgeschick beim Schießen, das mit fünf Fehlern geahndet wird, nicht Strafe genug, passierte es dem jungen Benni gleich noch einmal in dem selben Wettkampf. Auf die Frage, wo denn sein Sohn stecke, sagte Vater Charly Doll damals nach dem Wettkampf: "Wahrscheinlich ist er oben im Wald und schreit die Bäume an." Das war natürlich ein echter Benni!

In Benedikt Dolls Kopf ist manchmal viel los. Viele Gedanken sind schon drin, etliche andere wollen noch rein. Manchmal geht das zu Lasten der Konzentration am Schießstand, die ganze Weltcupsaison über hatte der 27-Jährige mal mit größeren, mal mit kleineren Turbulenzen beim Schießen zu kämpfen. Stabiler wurden seine Leistungen erst bei den letzten Weltcuprennen vor Olympia in Antholz (Südtirol). Im Massenstartrennen wurde er nach zwei Fehlschüssen Vierter. Es war seine beste Weltcupplatzierung in diesem Winter, bevor für ihn das erste olympische Abenteuer begann. Olympia, Pyeongchang, Südkorea, Sprint: Doll macht ein tolles Rennen, trifft neunmal, erst der letzte Schuss verfehlt das Ziel. Er wird Sechster, hätte der letzte Schuss getroffen, wäre er Olympiasieger geworden. Zweites Biathlonrennen, Verfolgung: Erneut eine formidable Leistung des Breitnauers, 20 Mal legt er das Gewehr an, nur ein Schuss geht daneben. Die Bronzemedaille ist der Lohn dafür. Massenstartrennen: Wieder schnuppert der A-Kader-Athlet an einer Medaille, unterliegt im Kampf um Bronze nur knapp.

Heute um 12.15 Uhr (MEZ) hat Benedikt Doll, wenn er gesund bleibt, im Staffelrennen noch einmal eine Chance auf Edelmetall. Bei den Olympischen Spielen hat er in dieser Saison seine bisher besten Rennen gezeigt, als es drauf ankam, war er fokussiert und konzentriert. Zufall? Sicher nicht, denn auch im vergangenen Winter hat der Schwarzwälder nach einer durchwachsenen Saison sein bestes Rennen bei der Weltmeisterschaft in Hochfilzen (Österreich) gezeigt und wurde Sprintchampion. Als Junior hat er viermal mit der Staffel die WM gewonnen, im Einzel wurde er Vizeweltmeister. Zweimal triumphierte er bei der Europameisterschaft. Wenn es drauf ankommt, ist Benedikt Doll da. Dann bringt er seine Leistung, gewinnt Titel und Medaillen. Auch das ist ein echter Benni!